
Die Fielmann-Aktie hat am Mittwoch im SDAX deutlich zugelegt und sich zeitweise an die Spitze des Nebenwerteindex gesetzt. Auslöser war eine neue Kaufempfehlung der Deutschen Bank. Am frühen Nachmittag notierte das Papier bei 43,95 Euro und lag damit 2,75 Euro oder 6,67 Prozent über dem Vortag. Auf anderen Handelsplätzen wurden zeitweise Kurse um 44,30 Euro bis 44,50 Euro angezeigt. Damit setzte sich die Aktie klar vom schwächeren Gesamtmarkt ab.
Der Kurssprung fällt auch deshalb auf, weil Fielmann in den vergangenen Monaten eher verhalten gehandelt wurde. Die Aktie liegt trotz der Erholung weiterhin deutlich unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 58,80 Euro. Das 52-Wochen-Tief wurde je nach Datenanbieter im Bereich von 39,80 Euro bis 39,85 Euro ausgewiesen. Die Marktkapitalisierung bewegte sich am Mittwoch im Bereich von rund 3,5 bis 3,6 Milliarden Euro.
Die Deutsche Bank Research hat die Bewertung der Fielmann-Aktie mit Buy aufgenommen und ein Kursziel von 63 Euro genannt. Das entspricht gegenüber dem aktuellen Kurs einem erheblichen Aufwärtspotenzial. Analyst Michael Kuhn begründete die positive Einschätzung vor allem mit dem bewährten Geschäftsmodell, der starken Marktposition und der zunehmenden internationalen Reichweite des Unternehmens.
Fielmann gilt in Europa als einer der führenden Optikeranbieter. Positiv bewertet die Deutsche Bank zudem die hohe Kundenzufriedenheit. Das ist für die Aktie wichtig, weil Fielmann nicht nur über Preise, sondern auch über Beratung, Service, Filialdichte, Eigenmarken und digitale Angebote im Wettbewerb steht. Die Studie verweist damit auf Faktoren, die das Geschäft weniger anfällig für reine Online-Konkurrenz machen können.
Eine wichtige Rolle in der Neubewertung spielt die Strategie Vision 2025. Mit diesem Programm hatte Fielmann den Umbau des Geschäftsmodells vorangetrieben. Dazu gehören die internationale Expansion, stärkere Digitalisierung, effizientere Prozesse und der Ausbau neuer Geschäftsfelder wie Hörakustik. 2025 wurde die Strategie nach Unternehmensangaben abgeschlossen.
Fielmann sieht die Ziele der Vision 2025 weitgehend erreicht. Der Konzernumsatz stieg 2025 um 7,4 Prozent auf 2,435 Milliarden Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge erreichte 23,8 Prozent. Damit wurde das Unternehmen profitabler, obwohl die Konsumstimmung in Deutschland schwach blieb. Für Anleger ist das wichtig, weil Fielmann nicht mehr nur als reiner deutscher Filialist bewertet wird, sondern stärker als international wachsender Gesundheits- und Optikkonzern.
Die jüngsten Geschäftszahlen liefern ein gemischtes, aber solides Bild. Im ersten Quartal 2026 steigerte Fielmann den Konzernumsatz um 1,3 Prozent auf 613 Millionen Euro. Währungsbereinigt lag das Wachstum bei 2,3 Prozent. Das EBITDA lag bei 147,3 Millionen Euro, die EBITDA-Marge bei 24,0 Prozent. Das bereinigte EBITDA wurde mit rund 149 Millionen Euro angegeben.
Das Unternehmen verwies auf extreme Wetterereignisse in Europa und im Norden der USA, die Besucherzahlen in Innenstädten und Einkaufszentren belasteten und zeitweise sogar Filialschließungen auslösten. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Fielmann einen Umsatzanstieg um fünf bis sieben Prozent auf 2,55 bis 2,6 Milliarden Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge soll wegen Investitionen in Expansion und neue Technologien bei rund 23 Prozent liegen.
Die Deutsche Bank ist nicht die einzige positive Stimme zur Fielmann-Aktie. Bereits im Januar hatte Berenberg die Bewertung mit Buy und einem Kursziel von 56 Euro aufgenommen. Nach den Eckdaten für 2025 wurde das Ziel im Februar auf 57 Euro erhöht. Berenberg verwies dabei auf Fortschritte bei den Margen und Verbesserungen im US-Geschäft.
Auch die DZ Bank hatte Fielmann im Februar von Halten auf Kaufen hochgestuft und den fairen Wert bei 54 Euro bestätigt. Im März blieb die DZ Bank bei dieser Einschätzung und sah Fielmann gut gegen das Risiko geschützt, dass KI-gestützte Shopping-Agenten klassische Zwischenhändler umgehen könnten. Begründet wurde dies mit den stark personalisierten Produkten im Optikgeschäft.
In Deutschland drücken Konsumzurückhaltung und Kosten auf viele Einzelhändler. Gleichzeitig profitiert die Optikerbranche von strukturellen Faktoren. Alternde Bevölkerungen, steigender Bedarf an Sehhilfen, Kontaktlinsen, Hörakustik und medizinisch geprägten Dienstleistungen stützen die Nachfrage. Für Fielmann kommt es nun darauf an, die internationale Expansion, vor allem in den USA, profitabel weiterzuführen. Der heutige Kurssprung zeigt, dass Anleger der Aktie nach der neuen Studie wieder mehr Wachstum zutrauen.
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