
Die AlzChem-Aktie startet am Freitag, 10. Juli 2026, ohne größere Bewegung in den Handelstag. Neue Impulse liefert vor allem der geplante Aufbau einer Nitroguanidin-Produktion in den USA. Daneben bleiben das wachsende Kreatin-Geschäft und der laufende Kapazitätsausbau in Deutschland entscheidend. Die nächsten Geschäftszahlen stehen Ende Juli an.
Im frühen Handel lagen die Kursindikationen je nach Handelsplatz zwischen rund 171 und 172 Euro. Damit bewegte sich die Aktie des Spezialchemie-Konzerns zunächst nahezu auf dem Niveau des Vortags. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Minus von rund 2,6 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt der Kurs dagegen weiterhin im Plus. Vom 52-Wochen-Hoch bei rund 209 Euro, das Anfang Juni erreicht wurde, hat sich das Papier inzwischen etwa 18 Prozent entfernt.
Die Kursentwicklung zeigt damit eine Konsolidierung nach dem zuvor kräftigen Anstieg. Für eine neue Richtung dürften neben dem Gesamtmarkt vor allem der Halbjahresbericht und Aussagen zum Hochfahren der neuen Produktionskapazitäten entscheidend sein.
AlzChem ist solide in das Geschäftsjahr gestartet. Im ersten Quartal stieg der Konzernumsatz gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent auf 148,7 Millionen Euro. Das EBITDA verbesserte sich überproportional um 18 Prozent auf 32,3 Millionen Euro. Die EBITDA-Marge erhöhte sich von 18,9 auf 21,7 Prozent. Der Quartalsüberschuss wuchs von 14,6 auf 18 Millionen Euro, während das Ergebnis je Aktie von 1,44 auf 1,77 Euro stieg.
Wachstumstreiber war erneut das Segment Specialty Chemicals. Dessen Umsatz legte um elf Prozent auf 105,3 Millionen Euro zu. Das Segment Basics und Intermediates blieb dagegen von schwacher Nachfrage, Preisdruck und dem schwierigen Umfeld in Landwirtschaft und Pharma belastet.
Besonders stark entwickelt sich die Nachfrage nach den Kreatin-Produkten Creapure und Creavitalis. Eine bereits 2025 umgesetzte kleinere Kapazitätserweiterung lieferte im ersten Quartal zusätzliche Mengen. Um das längerfristige Wachstum abzusichern, investiert AlzChem rund 120 Millionen Euro in weitere Kreatin-Kapazitäten sowie in Vorprodukte und die erforderliche Infrastruktur am Standort Trostberg.
Die stufenweise Inbetriebnahme soll ab der zweiten Jahreshälfte 2027 erfolgen. Nach Unternehmensplanung könnte der Ausbau langfristig einen zusätzlichen Jahresumsatz im niedrigen dreistelligen Millionenbereich ermöglichen. Bis dahin bleiben Baufortschritt, Kostenkontrolle und die weitere Entwicklung des globalen Kreatinmarktes wichtige Faktoren.
In Deutschland investiert AlzChem rund 140 Millionen Euro in den Ausbau von Guanidinnitrat und Nitroguanidin. Die Kapazitäten für beide Stoffe sollen verdoppelt werden. Das Programm wird unter anderem durch einen EU-Zuschuss von 34,4 Millionen Euro sowie nicht rückzahlbare Anzahlungen aus Kundenverträgen finanziert. Die zusätzlichen Kapazitäten sollen in der zweiten Jahreshälfte 2026 erste Umsatz- und Ergebnisbeiträge liefern.
Am 8. Juli gab AlzChem den Aufbau einer eigenständigen US-Produktion bekannt. Das Investitionsvolumen wird auf rund 150 Millionen US-Dollar geschätzt. Fördermittel der US-Regierung sowie Unterstützung durch South Carolina und Berkeley County sollen das Projekt begleiten. Der Baustart ist für 2027, die Inbetriebnahme für 2029 vorgesehen. Genehmigungen, Detailplanung und die abschließenden Vertragsverhandlungen mit der US-Regierung stehen jedoch noch aus.
Für 2026 rechnet AlzChem weiterhin mit einem Umsatzanstieg von 562,1 Millionen auf etwa 600 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA soll von 116,5 Millionen auf rund 126 Millionen Euro wachsen. Die angestrebte EBITDA-Marge liegt bei etwa 21 Prozent. Der Halbjahresfinanzbericht wird am 30. Juli veröffentlicht.
Deutsche Bank Research bestätigte zuletzt ihre Kauf-Einstufung mit einem Kursziel von 256 Euro. Jefferies blieb ebenfalls bei Buy, setzte das Ziel jedoch mit 200 Euro deutlich niedriger an. Beide Häuser verweisen auf die strukturelle Nachfrage nach Kreatin und Nitroguanidin. Belastungsfaktoren bleiben das schwache Basischemikaliengeschäft, Energie- und Transportkosten sowie die hohen Investitionen.
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