
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp steht vor einer neuen Phase im Übernahmekampf mit UniCredit. Die italienische Großbank hat sich nach dem Ende ihres Angebots rechnerisch Zugriff auf fast 48 Prozent des Grundkapitals gesichert. Orlopp setzt dem höhere Gewinnziele, umfangreiche Ausschüttungen und einen verschärften Sparkurs entgegen.
UniCredit teilte nach Abschluss der Annahmefrist mit, dass 17,60 Prozent der Commerzbank-Aktien in das Übernahmeangebot eingeliefert worden seien. Zusammen mit direkt gehaltenen 26,77 Prozent und Finanzinstrumenten über weitere 3,22 Prozent errechnet die italienische Bank eine Position von 47,59 Prozent. Wegen eigener Aktien der Commerzbank entspreche dies nach UniCredit-Angaben 49,65 Prozent der derzeit ausübbaren Stimmrechte. Die Übertragung der angedienten Aktien ist noch von regulatorischen Genehmigungen abhängig.
Damit ist UniCredit zwar der mit Abstand größte Aktionär, verfügt aber noch nicht über eine Mehrheit. Die Commerzbank verweist darauf, dass nach ihren Auswertungen weniger als zwei Prozent der Aktien von unabhängigen institutionellen Anlegern und Privatanlegern eingereicht worden seien. Gleichzeitig bleibt die Führung grundsätzlich zu Gesprächen über eine einvernehmliche Lösung bereit.
Die jüngste vollständige Zwischenbilanz liefert Orlopp Argumente für den eigenständigen Kurs. Im ersten Quartal 2026 stieg das operative Ergebnis um elf Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Der Konzerngewinn erhöhte sich um neun Prozent auf 913 Millionen Euro, während die Erträge um fünf Prozent auf 3,2 Milliarden Euro zunahmen.
Nach dem starken Jahresstart hob die Bank ihr Gewinnziel für 2026 von mehr als 3,2 Milliarden Euro auf mindestens 3,4 Milliarden Euro an. Bis 2030 soll der Nettogewinn nach den Planungen auf 5,9 Milliarden Euro steigen. Vorgesehen sind außerdem eine materielle Eigenkapitalrendite von rund 21 Prozent und eine Aufwand-Ertrag-Relation von 43 Prozent.
Der Umbau hat zugleich Folgen für die Beschäftigten. Im Rahmen von Momentum 2030 plant die Commerzbank den konzernweiten Abbau von rund 3.000 weiteren Bruttostellen. Neueinstellungen in Wachstums- und Zukunftsbereichen sollen einen Teil davon ausgleichen. Der Stellenabbau soll vor allem über Altersteilzeit, natürliche Fluktuation und ähnliche Instrumente erfolgen.
Parallel will die Bank bis 2028 rund 600 Millionen Euro in künstliche Intelligenz investieren. Automatisierte Abläufe sollen unter anderem bei Kundenprüfungen, Dokumentenanalysen, Vertragsentwürfen und im Risikomanagement eingesetzt werden. Ab 2030 erwartet die Commerzbank daraus einen zusätzlichen jährlichen Wertbeitrag von rund 500 Millionen Euro.
Die Arbeitnehmervertreter lehnen die UniCredit-Pläne weiterhin ab. Der Betriebsrat warnt vor erheblich größeren Arbeitsplatzverlusten bei einer Integration.
Orlopps Strategie richtet sich deutlich an die Anteilseigner. Die Hauptversammlung genehmigte für 2025 eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie. Zusammen mit zwei Aktienrückkäufen über insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro fließen damit etwa 2,7 Milliarden Euro an die Aktionäre zurück. Die Beschlüsse wurden mit großen Mehrheiten angenommen.
Am frühen Freitagmorgen wurde die Commerzbank-Aktie im außerbörslichen Handel bei etwa 37,80 Euro taxiert und zeigte damit zunächst kaum Veränderung. Das Papier bewegt sich weiterhin in der Nähe seines 52-Wochen-Hochs von knapp 39 Euro.
Die ruhige Reaktion deutet darauf hin, dass der Markt sowohl die verbesserte operative Entwicklung als auch die Übernahmefantasie bereits teilweise im Kurs berücksichtigt. Neue Impulse könnten von regulatorischen Entscheidungen zum UniCredit-Angebot, möglichen Gesprächen zwischen beiden Banken und den Zahlen zum zweiten Quartal kommen. Die Commerzbank will diese am 6. August 2026 veröffentlichen.
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