
Der britische Billigflieger easyJet steht möglicherweise vor einem Bieterkampf. Der Verwaltungsrat hat sich grundsätzlich offen für einen Übernahmeansatz des US-Finanzinvestors Apollo Global Management gezeigt. Apollo stellt den Aktionären 7,15 Pfund je easyJet-Aktie in Aussicht. Damit wird das vollständig verwässerte Aktienkapital der Fluggesellschaft mit rund 5,7 Milliarden Pfund bewertet. Erst wenige Tage zuvor hatte easyJet signalisiert, ein Angebot des konkurrierenden Investors Castlelake über 690 Pence je Aktie zu unterstützen.
Die easyJet-Aktie hatte den Handel am Vortag bei 588,20 Pence beendet und stieg am Freitag auf knapp 672 Pence. Das entsprach einem Plus von rund 14,5 Prozent. Zeitweise wurden nach Angaben von Reuters 675 Pence erreicht – der höchste Stand seit Februar 2022. Die Börsenbewertung lag nach dem Anstieg bei rund 5,02 Milliarden Pfund.
Der von Apollo genannte Preis von 715 Pence liegt rechnerisch rund 21,6 Prozent über dem Schlusskurs vor Bekanntwerden des neuen Übernahmeansatzes. Gegenüber dem Kurs von 394 Pence am 28. Mai 2026 beträgt der Aufschlag sogar 81 Prozent. Apollo überbietet Castlelake dagegen lediglich um 25 Pence je Aktie beziehungsweise rund 3,6 Prozent.
easyJet gehört zu den größten europäischen Punkt-zu-Punkt-Fluggesellschaften. Im Geschäftsjahr 2025 beförderte der Konzern 93,4 Millionen Passagiere und damit vier Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der angebotenen Sitzplätze stieg auf 104 Millionen, die Auslastung erreichte 89,8 Prozent. Der Umsatz legte auf 10,1 Milliarden Pfund zu. Der bereinigte Gewinn vor Steuern erhöhte sich auf 665 Millionen Pfund. Zur Flotte gehörten zum Ende des Geschäftsjahres 356 Flugzeuge.
Im ersten Geschäftshalbjahr 2026 stieg die Zahl der Passagiere erneut um sechs Prozent auf rund 42 Millionen. Der Konzernumsatz erreichte knapp vier Milliarden Pfund. Gleichzeitig weitete sich der saisonübliche Verlust vor Steuern auf 552 Millionen Pfund aus. easyJet verfügte Ende März dennoch über Nettobarmittel von 434 Millionen Pfund und eine Liquidität von 4,7 Milliarden Pfund. Im europäischen Billigflugmarkt bleibt Ryanair deutlich größer.
Air-France-KLM-Chef Ben Smith hatte im Juni erklärt, sein Konzern könne sich mit easyJet beschäftigen, falls Castlelake auf ihn zukomme. Aktiv geprüft werde ein Einstieg bislang jedoch nicht. Auch der British-Airways-Mutterkonzern IAG gilt wegen möglicher Überschneidungen und der europäischen Eigentumsregeln nur als theoretischer Kandidat. Davy-Analyst Stephen Furlong hält es grundsätzlich für möglich, dass sowohl Apollo als auch Castlelake eine genehmigungsfähige Struktur entwickeln.
Apollo muss spätestens am 7. August 2026 erklären, ob eine verbindliche Offerte abgegeben wird. Für Castlelake läuft die entsprechende Frist bereits am 3. August ab. Bis dahin kann Castlelake nachbessern, sich zurückziehen oder einen Partner präsentieren. Dass easyJet innerhalb weniger Tage den bevorzugten Interessenten wechselte, erhöht den Druck auf beide Bieter.
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