Mercedes fordert 40-Stunden-Woche: Streit eskaliert

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Mercedes-Benz will die Arbeitskosten an seinen deutschen Standorten deutlich senken. Der Vorstand bringt dafür eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit bei unverändertem Gehalt ins Spiel. Aus der bislang üblichen 35-Stunden-Woche könnten damit für viele Tarifbeschäftigte 40 Stunden werden. Beschlossen ist diese Änderung jedoch nicht. IG Metall und Gesamtbetriebsrat kündigen erheblichen Widerstand an.

Vorstand fordert längere Arbeitszeit ohne Lohnausgleich

Konzernchef Ola Källenius und die weiteren Vorstandsmitglieder haben die Beschäftigten in einem internen Schreiben auf zusätzliche Einschnitte vorbereitet. Die Kosten je Arbeitsstunde müssten demnach in Entwicklung, Vertrieb, Verwaltung und Produktion sinken. Als bevorzugten Weg nennt die Konzernführung längere Arbeitszeiten bei unverändertem Entgelt. Personalvorständin und Arbeitsdirektorin Britta Seeger wiederholte die Forderung in einer Videobotschaft an die Belegschaft. Eine konkrete Einigung über die 40-Stunden-Woche, einen Einführungstermin oder einzelne Beschäftigtengruppen gibt es bislang nicht.

Källenius hatte sich schon früher öffentlich dafür ausgesprochen, eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ernsthaft zu prüfen. Die Arbeitskosten in Deutschland seien im internationalen Vergleich zu hoch. Bei den tarifgebundenen Beschäftigten von Mercedes gilt derzeit dagegen in der Regel die 35-Stunden-Woche.

Betriebsrat und IG Metall lehnen die Forderung ab

Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali widerspricht der Konzernführung. Eine Verlängerung der Arbeitszeit passe nicht zur teilweise niedrigen Auslastung deutscher Werke. Wettbewerbsfähigkeit allein über unbezahlte Mehrarbeit herstellen zu wollen, greife nach Ansicht der Arbeitnehmervertreter zu kurz. Zudem könne der Betriebsrat eine tarifliche Verlängerung der Wochenarbeitszeit nicht allein vereinbaren. Dafür wären entsprechende Verhandlungen zwischen der IG Metall und dem zuständigen Arbeitgeberverband erforderlich.

Anfang Juli gingen Beschäftigte deshalb bundesweit auf die Straße. Nach Angaben der IG Metall beteiligten sich mehr als 33.000 Menschen an den Aktionen für Investitionen und deutsche Standorte anstelle längerer Arbeitszeiten und weiterer Kürzungen. Auch bei einem Autokorso in Stuttgart am 9. Juli protestierten Beschäftigte aus der Autoindustrie gegen den Sparkurs der Unternehmen.

Diese Mercedes-Standorte stehen im Mittelpunkt

Eine verbindliche Liste der Werke, in denen die 40-Stunden-Woche eingeführt werden soll, hat Mercedes nicht veröffentlicht. Die Formulierung des Vorstands bezieht sich jedoch ausdrücklich auf alle Unternehmensbereiche in Deutschland. Damit wären grundsätzlich sowohl Produktionswerke als auch Entwicklungs-, Vertriebs- und Verwaltungsstandorte von der Debatte erfasst.

Proteste fanden unter anderem an der Konzernzentrale und in Untertürkheim sowie in Sindelfingen, Bremen, Rastatt, Kuppenheim, Berlin-Marienfelde, Düsseldorf, Hamburg und Germersheim statt. Über die konkrete Umsetzung soll erst mit der Arbeitnehmerseite verhandelt werden.

Streit um Sonderzahlung verschärft Konflikt

Von der zusätzlich in Frage gestellten Sonderzahlung sind nach Konzernangaben rund 90.000 der etwa 108.000 Beschäftigten in Deutschland betroffen. Der sogenannte Transformationsbaustein in Höhe von 18,4 Prozent eines individuellen Monatsentgelts sollte ursprünglich im Juli gezahlt werden. Mercedes verschob die Auszahlung zunächst auf April 2027 und behält sich vor, sie vollständig entfallen zu lassen.

Gewinnrückgang verschärft das Sparprogramm

Mercedes begründet den Sparkurs mit hohen Produktions- und Arbeitskosten in Deutschland, einem schwachen Geschäft in China, Handelsbeschränkungen sowie steigenden Belastungen durch Zölle. Der Konzern blieb 2025 profitabel, musste aber einen deutlichen Rückgang hinnehmen: Der Nettogewinn sank von 10,4 Milliarden Euro auf 5,3 Milliarden Euro. Der Umsatz ging von 145,6 Milliarden auf 132,2 Milliarden Euro zurück. Im ersten Quartal 2026 fiel das operative Konzernergebnis im Jahresvergleich um knapp 17 Prozent auf rund 1,9 Milliarden Euro.

Zusätzlich belastet die Entwicklung auf dem chinesischen Markt den Hersteller. Im zweiten Quartal 2026 gingen die Verkäufe der Pkw-Sparte weltweit um acht Prozent zurück. Neben Einsparungen bei Personal und Sonderzahlungen erwägt Mercedes deshalb auch, Produkte und Verwaltungsaufgaben ins Ausland zu verlagern. Die 40-Stunden-Woche ist damit Teil eines größeren Kostensenkungsprogramms – politisch und tariflich bleibt ihre Umsetzung jedoch offen.

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