
Der deutsche Aktienmarkt dürfte am Donnerstag zunächst kaum verändert in den Handel starten. Der DAX-Future lag am frühen Morgen gegen 05:27 Uhr mit 0,05 Prozent im Minus bei 24.072 Punkten. Damit bleibt der Leitindex vor der geldpolitischen Entscheidung der Europäischen Zentralbank in Wartestellung. Am Mittwoch hatte der DAX bereits deutlich nachgegeben und den Xetra-Handel bei 24.195,31 Punkten beendet.
Die Vorgaben aus den USA fallen schwach aus. Der Nasdaq Composite verlor 1,98 Prozent auf 25.169,50 Punkte, der S&P 500 gab 1,62 Prozent auf 7.266,99 Punkte nach. Vor allem Technologie- und Halbleiterwerte standen unter Druck, was auch für die DAX Vorbörse EZB-Sitzung relevant ist, weil SAP, Infineon und Siemens Energy zuletzt stark von der KI- und Tech-Fantasie geprägt waren.
Im Mittelpunkt steht heute die EZB-Sitzung in Frankfurt. Der Marktkonsens erwartet eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Der Einlagensatz würde damit von 2,00 auf 2,25 Prozent steigen. Die Entscheidung wird um 14:15 Uhr erwartet, die Pressekonferenz mit EZB-Präsidentin Christine Lagarde folgt um 14:45 Uhr.
Für die Märkte ist weniger der Zinsschritt selbst entscheidend, sondern der Tonfall für die kommenden Monate. Sollte Lagarde weitere Schritte offenhalten, dürfte das die Renditen stützen und zinssensible Aktien belasten. Ein zurückhaltender Ausblick könnte dagegen für Entlastung sorgen, weil viele Investoren nach den jüngsten Verlusten auf eine Stabilisierung hoffen.
Besonders wichtig werden die neuen Projektionen der EZB. Wegen höherer Energiepreise und der anhaltenden geopolitischen Risiken rechnen viele Marktteilnehmer mit angehobenen Inflationsprognosen. Die Teuerung liegt im Euroraum wieder klar über dem Zielwert von zwei Prozent. Zugleich bleibt das Wachstum fragil. Genau darin liegt das Dilemma der Notenbank. Eine Zinserhöhung kann helfen, Inflationserwartungen einzufangen. Sie kann aber auch die Konjunktur zusätzlich bremsen.
Deshalb dürfte der DAX vor allem auf die Wachstumsprognose sensibel reagieren. Werden die Projektionen deutlich gesenkt, könnten zyklische Werte wie BASF, Siemens, Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz stärker unter Druck geraten.
Bei Einzelwerten stehen vor allem Banken im Fokus. Deutsche Bank und Commerzbank können grundsätzlich von höheren Zinsen profitieren, weil steigende Einlagen- und Marktzinsen die Nettozinserträge stützen können. Allerdings hängt die Kursreaktion stark davon ab, ob Anleger gleichzeitig höhere Kreditausfallrisiken und schwächere Konjunkturaussichten einpreisen.
Auch Versicherer wie Allianz, Münchener Rück und Hannover Rück reagieren auf steigende Kapitalmarktrenditen, weil höhere Zinsen langfristig die Wiederanlageerträge verbessern können. Immobilienwerte wie Vonovia bleiben dagegen anfällig, wenn die Renditen weiter steigen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen lag zuletzt bei rund 3,07 Prozent. Der Euro notierte zuletzt im Bereich von 1,154 Dollar.
Neben der EZB stehen am Nachmittag US-Konjunkturdaten auf der Agenda. Um 14:30 Uhr werden die Erzeugerpreise für Mai sowie die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe veröffentlicht. Beide Datensätze können die Zinserwartungen in den USA beeinflussen und damit auch den DAX bewegen.
Auf Unternehmensseite gibt es in Deutschland keine großen DAX-Quartalszahlen. Erwähnenswert sind die Hauptversammlungen von Evotec und HHLA sowie internationale Termine. Nach US-Börsenschluss legt Adobe Zahlen vor. Für den deutschen Markt ist das vor allem wegen der Stimmung im Technologiesektor relevant.
Nach dem US-Tech-Selloff reicht schon ein vorsichtiger Ausblick eines großen Softwarewertes, um die Risikobereitschaft weiter zu dämpfen. Bis zur EZB-Entscheidung dürfte der DAX daher in einer engen Spanne verharren. Erst die Lagarde-Pressekonferenz um 14:45 Uhr könnte für eine klare Richtung sorgen.
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