KI-Selloff an der Nasdaq setzt Nvidia, Broadcom und den DAX unter Druck

Intel Aktie – Kursanstieg an der Nasdaq
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der KI-getriebene Technologiesektor hat die Wall Street am Mittwoch erneut schwer belastet. Der Nasdaq Composite verlor zum US-Schluss 1,98 Prozent auf 25.169,50 Punkte. Auch der S&P 500 gab um 1,62 Prozent auf 7.266,99 Punkte nach, während der Dow Jones 1,87 Prozent tiefer bei 49.918,78 Punkten schloss. Im Zentrum des Ausverkaufs standen erneut Halbleiterwerte, die in den vergangenen Monaten besonders stark vom KI-Boom profitiert hatten. Nvidia fiel von 208,19 auf 200,42 US-Dollar und verlor damit 3,73 Prozent. Broadcom rutschte von 392,16 auf 372,10 US-Dollar ab, ein Minus von 5,12 Prozent. Der Philadelphia Semiconductor Index sackte um 3,57 Prozent auf 12.206,46 Punkte ab.

Chipwerte geraten nach starker Rally unter Bewertungsdruck

Der Nasdaq KI Selloff blieb nicht auf Nvidia und Broadcom beschränkt. AMD fiel von 475,51 auf 452,40 US-Dollar und verlor 4,86 Prozent. Marvell gab von 266,88 auf 252,59 US-Dollar nach, was einem Minus von 5,35 Prozent entspricht. Micron rutschte von 935,89 auf 891,88 US-Dollar ab und verlor 4,70 Prozent.

Damit wurde sichtbar, dass Anleger nicht nur einzelne Enttäuschungen verkauften, sondern den gesamten KI-Komplex neu bewerteten. Nach der starken Rally der vergangenen Wochen rückten Fragen nach Gewinnmargen, Kapazitätsausbau, Strombedarf und Kapitalbindung wieder stärker in den Vordergrund. Analysten verwiesen zudem darauf, dass es für KI-Profiteure immer schwieriger werde, die hohen Erwartungen Quartal für Quartal erneut zu übertreffen.

Iran, Inflation und US-China-Risiken verschärfen die Nervosität

Neben den Bewertungssorgen belastete die geopolitische Lage. Neue Spannungen im Iran-Konflikt trieben die Ölpreise und erhöhten die Sorge vor wieder anziehender Inflation. Das ist besonders problematisch für Wachstumswerte, deren Bewertungen stark von langfristigen Gewinnerwartungen und dem Zinsniveau abhängen.

Auch die US-China-Frage blieb ein Unsicherheitsfaktor. Im Chipsektor stehen Exportkontrollen, mögliche Umgehungswege über Drittstaaten und chinesische Rohstoffkontrollen weiter im Fokus. Damit trafen mehrere Belastungen gleichzeitig auf einen Markt, der nach der KI-Rally ohnehin anfällig für Gewinnmitnahmen war. Der VIX stieg um 11,83 Prozent auf 22,22 Punkte und signalisierte eine deutlich höhere Absicherungsnachfrage.

Tagesranges zeigen breite Schwankungen und erhöhtes Volumen

Die Schwankungen waren auch in den Indexspannen sichtbar. Der Nasdaq bewegte sich zwischen 25.145,30 und 25.726,00 Punkten. Der S&P 500 erreichte ein Tageshoch bei 7.396,56 Punkten und fiel im Verlauf bis auf 7.265,93 Punkte. Beim Dow Jones reichte die Spanne von 49.909,07 bis 50.769,26 Punkten.

Das Handelsvolumen war erhöht: Am US-Markt wurden laut Marktdaten rund 20,7 Milliarden Aktien umgesetzt. Bei den Einzelwerten wechselten allein bei Nvidia rund 157 Millionen Aktien den Besitzer. Micron kam auf gut 54 Millionen Aktien, Marvell auf rund 53 Millionen Aktien. Das spricht weniger für eine stille Korrektur als für einen aktiven Abbau von Risiko in überdurchschnittlich stark gelaufenen KI- und Chippositionen.

Asien reagiert schwach, DAX-Vorbörse bleibt belastet

Die US-Vorgaben setzten sich im asiatischen Handel fort. In Tokio gab der Nikkei nach, auch Südkorea und China zeigten Schwäche, während Hongkong zeitweise etwas stabiler blieb. Besonders sensibel reagierten erneut Märkte mit hohem Halbleitergewicht, darunter Südkorea und Taiwan.

Für den deutschen Aktienmarkt bedeutet der US-Tech-Selloff einen belastenden Start in den Donnerstag. Der DAX hatte bereits am Mittwoch 0,97 Prozent auf 24.195,31 Punkte verloren. In der Vorbörse deutete der DAX-Future erneut auf Zurückhaltung hin. Der Juni-Kontrakt eröffnete bei 24.054 Punkten nach 24.243 Punkten am Vortag. Damit bleibt die Marke von 24.000 Punkten kurzfristig im Fokus.

Defensive Werte könnten profitieren

Defensive Branchen könnten sich besser halten, während Infineon, SAP und andere zinssensible Wachstumswerte stärker unter Beobachtung stehen dürften. Für Anleger steht jetzt die Frage im Raum, ob die jüngsten Verluste eine notwendige Korrektur nach der KI-Rally sind oder der Beginn einer breiteren Neubewertung der Tech-Bewertungen. Die nächsten Quartalszahlen und Konjunkturdaten dürften darüber Aufschluss geben.

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