Oracle-Aktie unter Druck: Warum der KI-Boom Anleger plötzlich nervös macht

Intel Aktie – Kursanstieg an der Nasdaq
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Oracle-Aktie ist nach den Zahlen zum vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 deutlich unter Druck geraten. Dabei waren die Quartalsdaten auf den ersten Blick besser als erwartet. Der Umsatz legte kräftig zu, die Cloud-Infrastruktur wuchs rasant, und der Auftragsbestand erreichte einen Rekordwert. Trotzdem reagierten Anleger nervös. Der Grund war der enorme Kapitalbedarf für den KI-Ausbau. Oracle stellte für das neue Geschäftsjahr Investitionen von bis zu 95 Milliarden US-Dollar in Aussicht und kündigte zugleich an, rund 40 Milliarden US-Dollar über Fremd- und Eigenkapital aufnehmen zu wollen.

Oracle-Aktie rutscht nachbörslich trotz Zahlen-Beat ab

Im regulären Handel am Mittwoch, 10. Juni 2026, schloss die Oracle Aktie bei 208,20 US-Dollar. Nachbörslich geriet der Titel deutlich unter Druck. Zeitweise wurde ein Minus von 8,9 Prozent gemeldet, was rechnerisch einem Kurs von rund 189,67 US-Dollar entspricht. Spätere Off-Market-Indikationen lagen wieder höher, zuletzt bei etwa 201,26 US-Dollar.

Die Reaktion zeigt, worauf Anleger derzeit besonders achten: Nicht allein das Wachstum zählt, sondern die Frage, wie teuer es erkauft wird. Oracle hat sich mit seinen KI-Rechenzentren in eine Liga mit Microsoft, Amazon, Google und Meta vorgearbeitet. Genau dieser Strategiewechsel macht die Aktie aber empfindlicher für Finanzierungs-, Margen- und Verschuldungssorgen.

Umsatz und Gewinn über Erwartungen, OCI wächst um 93 Prozent

Operativ lieferte Oracle ein starkes Schlussquartal. Der Umsatz stieg im vierten Quartal auf 19,18 Milliarden US-Dollar. Damit lag der Konzern leicht über den Erwartungen von rund 19,1 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 2,11 US-Dollar. Bereinigt um einmalige Investmentgewinne wären es 2,03 US-Dollar gewesen, ebenfalls über dem Konsens von 1,96 US-Dollar.

Besonders dynamisch entwickelte sich Oracle Cloud Infrastructure. Die OCI-Erlöse stiegen im Jahresvergleich um 93 Prozent auf 5,8 Milliarden US-Dollar. Die gesamten Cloud-Umsätze aus Infrastruktur und Anwendungen kletterten auf 9,9 Milliarden US-Dollar. Der verbleibende Auftragsbestand, die sogenannten Remaining Performance Obligations, erhöhte sich auf 638 Milliarden US-Dollar. Das ist für Oracle ein starkes Signal künftiger Nachfrage, zugleich aber auch ein Versprechen, das enorme Investitionen verlangt.

Capex von bis zu 95 Milliarden Dollar wird zum Belastungsfaktor

Der eigentliche Schock für den Markt lag im Investitionsplan. Oracle rechnet im Geschäftsjahr 2027 mit rund 70 Milliarden US-Dollar eigener Kapitalausgaben. Hinzu kommen 20 bis 25 Milliarden US-Dollar, die über Kunden-Vorauszahlungen oder kundenseitig bereitgestellte Hardware abgefedert werden sollen. Insgesamt ergibt sich damit ein möglicher Capex-Rahmen von 90 bis 95 Milliarden US-Dollar.

Das Geld fließt vor allem in Rechenzentren, KI-Server, Netzwerk- und Strominfrastruktur. Oracle baut Kapazitäten für große KI-Kunden aus, darunter OpenAI und Meta. Eine zentrale Rolle spielt das Stargate-Projekt in Texas, das mit OpenAI und weiteren Partnern verbunden ist. Nach Angaben aus dem Call soll ein großer Standort dort innerhalb von 90 Tagen zu mehr als drei Vierteln fertiggestellt sein.

Finanzierung über Schulden und Aktien sorgt für Verwässerungsangst

Oracle hat bereits im Geschäftsjahr 2026 massiv Kapital eingesammelt: 43 Milliarden US-Dollar über Schulden und 5 Milliarden US-Dollar über Eigenkapital. Für das neue Geschäftsjahr sollen weitere rund 40 Milliarden US-Dollar folgen. Darin enthalten ist eine bereits angekündigte Aktienplatzierung über bis zu 20 Milliarden US-Dollar am Markt.

Der verbleibende Teil soll über eine Mischung aus Fremd- und Eigenkapital finanziert werden. Zugleich betonte Oracle, im Kalenderjahr 2026 keine zusätzlichen Anleihen ausgeben zu wollen. Für Anleger bleibt trotzdem die zentrale Sorge: Weitere Aktienemissionen könnten bestehende Aktionäre verwässern, während zusätzliche Schulden die Bilanz belasten würden. Der freie Cashflow war im Geschäftsjahr 2026 bereits mit 23,7 Milliarden US-Dollar negativ.

Analysten blicken auf KI-Boom, Schulden und Big-Tech-Capex

Die Analystenreaktionen konzentrieren sich weniger auf den Quartals-Beat als auf die Kapitalintensität des Geschäftsmodells. Morgan Stanley hatte zuletzt vor einem stark wachsenden Markt für KI-bezogene Schulden gewarnt. Bei JPMorgan stand Oracle bereits zuvor unter Beobachtung, ob zusätzliche Investitionen schnell genug in Umsatz umgewandelt werden. Goldman Sachs hatte in früheren Einschätzungen ebenfalls Free-Cashflow-Belastungen und steigende Capex-Anforderungen als Kernrisiken für die Bewertung hervorgehoben.

Oracle ist damit Teil einer breiteren Debatte. Microsoft, Google und Meta erhöhen ebenfalls ihre Investitionen in KI-Rechenzentren, Chips und Energieversorgung. Bisher wurden hohe Ausgaben an der Börse oft akzeptiert, solange Umsatz und Cloud-Wachstum stark genug blieben. Oracle zeigt nun aber, dass Anleger empfindlicher reagieren, wenn der KI-Boom zunehmend über Schulden, Aktienplatzierungen und negative freie Cashflows finanziert wird.

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