Fünf Weltkriegsbomben im Pfuhler Ried werden heute entschärft

Ein Schild zeigt Warnung
Symbolbild mit KI erstellt

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Die fünf Blindgänger im Pfuhler Ried in Neu-Ulm sollen am Dienstagabend, 11. August 2026, vom Sprengkommando München geborgen und entschärft werden. Bei den Sprengkörpern handelt es sich nach Angaben der Stadt um jeweils 126 Kilogramm schwere US-Splitterbomben aus dem Zweiten Weltkrieg. Die ersten Vorbereitungsmaßnahmen laufen bereits seit 10.30 Uhr. Ab 18 Uhr muss der festgelegte Räumungsbereich verlassen werden, die eigentliche Entschärfung ist ab 18.30 Uhr vorgesehen. Währenddessen werden die Bundesstraße 10 in beiden Richtungen und die Bahnstrecke Ulm-Augsburg vorübergehend gesperrt. Die Stadt rechnet derzeit mit einem Ende der Maßnahmen gegen 20.30 Uhr.

Fünf US-Splitterbomben bei Sondierungsarbeiten gefunden

Entdeckt wurden die fünf Blindgänger bei Sondierungsarbeiten im Pfuhler Ried. Die Stadt Neu-Ulm bezeichnet sie ausdrücklich als 126 Kilogramm schwere US-Splitterbomben aus dem Zweiten Weltkrieg. Nach Angaben einer Stadtsprecherin gegenüber dem SWR wird in dem Gebiet inzwischen gezielt nach weiteren Blindgängern gesucht, weil dort mit weiteren Kampfmitteln aus dem Krieg gerechnet werden muss. Die neuen Fundstellen befinden sich etwas weiter östlich als die beiden Stellen, an denen bereits im Juli Bomben entdeckt worden waren.

Zur Tiefe der fünf Bomben, zu ihrem jeweiligen Zustand oder zu den Zündern hat die Stadt bislang keine Einzelheiten veröffentlicht. Damit ist auch noch nicht bekannt, ob alle fünf Sprengkörper auf dieselbe Weise entschärft werden können. Fest steht lediglich, dass sie am Fundort durch das Sprengkommando München bearbeitet werden müssen. Die Allgemeinverfügung der Stadt nennt fünf verschiedene Grundstücke im Pfuhler Ried, auf denen die Fliegerbomben gefunden wurden.

Entschärfung folgt einem genau festgelegten Zeitplan

Für den Einsatz gelten am Dienstag mehrere aufeinanderfolgende Zeitstufen. Bereits seit 10.30 Uhr dürfen die unmittelbaren Fundstellen in einem Umkreis von 500 Metern wegen der erforderlichen Vorbereitungsarbeiten weder betreten noch befahren werden. Diese Regelung gilt bis 18.30 Uhr. Um 18 Uhr beginnt zusätzlich die Räumung des deutlich größeren Evakuierungsbereichs. Wohn- und Gewerberäume sowie Grundstücke, Straßen, Wege und Plätze innerhalb dieses Bereichs müssen verlassen werden.

Laut Allgemeinverfügung müssen um 18.15 Uhr schließlich auch Feuerwehr und kommunaler Ordnungsdienst den eigentlichen Schutzbereich verlassen. Danach dürfen dort nur noch die Sprengmeister bleiben. Für 18.30 Uhr ist der Beginn der Entschärfungsmaßnahmen angesetzt. Die Stadt plant derzeit mit einem Abschluss gegen 20.30 Uhr. Diese Uhrzeit ist ausdrücklich eine Prognose. Erst wenn die Arbeiten abgeschlossen und die Bereiche wieder freigegeben sind, können B10 und Bahnstrecke wieder regulär genutzt werden.

Räumungsbereich reicht im Osten bis zu 1.000 Meter

Bei der Größe des Sperrbereichs ist eine wichtige Unterscheidung erforderlich. Der häufig genannte Radius von 500 Metern betrifft laut Allgemeinverfügung die Vorbereitungsarbeiten zwischen 10.30 und 18.30 Uhr. Für die eigentliche Entschärfung hat der Sprengmeister einen größeren Räumungs- und Evakuierungsbereich festgelegt. Dieser reicht von den jeweiligen Fundstellen 900 Meter nach Westen und 1.000 Meter nach Osten. Die genaue Abgrenzung ergibt sich aus dem Lageplan der Stadt.

Wie viele Menschen ihre Wohnungen oder Arbeitsplätze deshalb tatsächlich verlassen müssen, ist bis Dienstagmittag nicht offiziell beziffert worden. Eine Stadtsprecherin nannte gegenüber dem SWR fünf betroffene Firmen. Die Südwest Presse schreibt dagegen von vier Betrieben innerhalb eines Sperrbereichs und berichtet unter Berufung auf Ordnungsamtschef Thomas Nägele, dass beim Werk von Daimler Buses lediglich ein Teil des Parkplatzes gesperrt werden müsse. Eine belastbare Gesamtzahl der betroffenen Beschäftigten oder Bewohner liegt damit bislang nicht vor.

Maßgeblich ist unabhängig von der Zahl der Personen die Allgemeinverfügung. Ab 18 Uhr ist der Aufenthalt in den betroffenen Wohn- und Gewerbeanlagen sowie auf Grundstücken, Straßen und Wegen innerhalb des Räumungsbereichs untersagt. Polizei, kommunaler Ordnungsdienst und Feuerwehr können die Räumung vor Ort anweisen. Vorhandene Gasanschlüsse sollen nach Vorgabe der Stadt abgestellt werden, soweit dies technisch möglich ist.

B10 wird während der Entschärfung voll gesperrt

Auch für Autofahrer hat der Einsatz unmittelbare Folgen. Sobald die Entschärfung um 18.30 Uhr beginnt, wird die B10 im Bereich des Pfuhler Rieds in beiden Fahrtrichtungen gesperrt. Die Sperrung soll für die gesamte Dauer der Arbeiten bestehen bleiben. Nach der derzeitigen Planung können die Verkehrswege gegen 20.30 Uhr wieder freigegeben werden. Voraussetzung ist allerdings, dass das Sprengkommando die Arbeiten bis dahin abschließen kann.

Konkrete aktuelle Sperrpunkte oder eine verbindlich benannte Umleitungsstrecke nennt die Mitteilung der Stadt für den 11. August nicht. Die Stadt fordert Autofahrer deshalb dazu auf, das Gebiet weiträumig zu umfahren und den ausgeschilderten Umleitungen zu folgen. Die Umleitungsführung der vorherigen Bombenentschärfung im Juli sollte nicht automatisch auf den heutigen Einsatz übertragen werden, da die neuen Blindgänger an anderen Stellen liegen und ein eigener Räumungsbereich festgelegt wurde.

Vier ICE-Verbindungen sind von der Streckensperrung betroffen

Besonders weit über Neu-Ulm hinaus reichen die Auswirkungen auf den Bahnverkehr. Die Strecke Ulm-Augsburg wird während der Entschärfung vorübergehend für den Zugverkehr gesperrt. Auf dem Abschnitt verkehren Regionalzüge, Fernverkehrszüge und Güterzüge. Nach Angaben der Deutschen Bahn ist bei betroffenen Fernverkehrsverbindungen mit Verzögerungen von ungefähr 45 Minuten zu rechnen.

Die Deutsche Bahn führt vier konkrete ICE-Verbindungen als betroffen auf. Es handelt sich um ICE 611 zwischen Hamburg und München über Dortmund, Köln, Mannheim und Stuttgart, ICE 910 von München in Richtung Köln, ICE 1090 von München über Ulm und Mannheim nach Saarbrücken sowie ICE 1291 von Frankfurt am Main über Darmstadt, Heidelberg und Ulm nach München. Für diese vier Verbindungen ist bislang von Verzögerungen die Rede. Ein vollständiger Ausfall dieser ICE-Züge wurde nicht angekündigt.

Da die Dauer der Sperrung unmittelbar vom Verlauf der Bombenentschärfung abhängt, können sich die tatsächlichen Auswirkungen noch verändern. Die Bahn empfiehlt Reisenden deshalb, ihre Verbindung vor Fahrtbeginn nochmals in der Reiseauskunft oder im DB Navigator zu überprüfen. Die geplante Wiederaufnahme des Bahnverkehrs gegen 20.30 Uhr ist an die Freigabe des Bereichs nach Abschluss der Arbeiten gebunden.

Zwei RB15-Fahrten fallen auf einem Teilstück ersatzlos aus

Im Regionalverkehr sind bereits konkrete Ausfälle veröffentlicht worden. Das Bahnunternehmen agilis kündigt für Dienstagabend zwei ersatzlose Teilausfälle der RB15 zwischen Ulm und Günzburg an. Betroffen ist die RB15 mit der Zugnummer 84295, die um 18.47 Uhr in Ulm Hauptbahnhof abfahren und um 19.04 Uhr Günzburg erreichen sollte. In Gegenrichtung betrifft es die RB15 mit der Nummer 84286, planmäßig um 18.56 Uhr ab Günzburg und um 19.15 Uhr in Ulm.

Der Verkehrsverbund DING weist zusätzlich auf kurzfristige Fahrtausfälle der Linien RB15 und RE9 zwischen Ulm Hauptbahnhof und Nersingen beziehungsweise Günzburg hin. Konkrete Zugnummern für weitere RE9-Ausfälle werden in dieser Meldung nicht genannt. Reisende sollten ihre konkrete Verbindung daher unmittelbar vor Reisebeginn kontrollieren. Auch der Busverkehr ist teilweise betroffen. Die Linie 78 wird von 17.30 bis 23 Uhr zwischen Finningen und Neu-Ulm umgeleitet. Die Haltestellen Finningen, Angelweg und Neu-Ulm, Breitenhof werden in diesem Zeitraum nicht bedient.

Sprengkommando München übernimmt die technische Arbeit

Die technische Verantwortung für die Bomben liegt beim Sprengkommando München. Der zuständige Sprengmeister hat auch die Größe des Räumungsbereichs festgelegt. Nach der Begründung der städtischen Allgemeinverfügung berücksichtigt dieser Bereich unter anderem die Größe der Sprengkörper und den möglichen Einwirkungsbereich für den Fall einer Explosion während der Arbeiten. Deshalb dürfen ab 18.15 Uhr selbst unterstützende Einsatzkräfte wie Feuerwehr und kommunaler Ordnungsdienst nicht mehr im Schutzbereich bleiben.

Das Bayerische Innenministerium erläutert grundsätzlich, dass bei aufgefundenen Kampfmitteln der staatliche Kampfmittelbeseitigungsdienst für unmittelbar notwendige kampfmittelbezogene Maßnahmen und gegebenenfalls für ihre Vernichtung eingesetzt wird. Die örtlichen Sicherheitsbehörden und die Polizei sind dagegen für die Gefahrenabwehr im Umfeld zuständig. Wie die fünf Bomben am Dienstag technisch unschädlich gemacht werden können, ist noch nicht veröffentlicht. Auch ob bei einer der Bomben eine kontrollierte Sprengung notwendig werden könnte, war bis zum Nachmittag nicht bekannt.

Dass gleich fünf Blindgänger in einem Einsatz bearbeitet werden müssen, ist zumindest für Neu-Ulm außergewöhnlich. Ordnungsamtschef Thomas Nägele sagte der Südwest Presse dazu: „Fünf auf einmal, das hatten wir noch nie.“ Kampfmittelfunde an sich sind dagegen auch mehr als acht Jahrzehnte nach Kriegsende keine Seltenheit. Das Bayerische Innenministerium weist darauf hin, dass entsprechende Munition insbesondere bei Bodeneingriffen weiterhin regelmäßig entdeckt wird.

Schon im Juli wurden zwei Bomben im Pfuhler Ried gefunden

Für das Pfuhler Ried ist es bereits der zweite größere Kampfmitteleinsatz innerhalb weniger Wochen. Mitte Juli waren bei Sondierungsarbeiten zwei weitere Blindgänger entdeckt worden. Für deren Beseitigung hatte die Stadt am 16. Juli einen Sicherheitsbereich von 1.000 Metern eingerichtet. Auch damals mussten die B10 und weitere Verkehrswege zeitweise gesperrt werden.

Die beiden Bomben konnten damals nicht auf identische Weise beseitigt werden. Eine wurde entschärft, die zweite musste kontrolliert gesprengt werden. Die jetzigen fünf Blindgänger befinden sich nach Angaben aus Neu-Ulm etwas weiter östlich als die damaligen Fundstellen. Dass die Sondierungen danach fortgesetzt wurden, hängt mit dem bekannten Kampfmittelverdacht in diesem Gebiet zusammen. Eine Stadtsprecherin bestätigte dem SWR, dass dort gezielt nach weiteren Blindgängern gesucht wird.

Das müssen Anwohner und Reisende am Dienstag beachten

Menschen innerhalb des ausgewiesenen Räumungsbereichs müssen die betroffenen Gebäude, Grundstücke und Verkehrsflächen ab 18 Uhr verlassen und den Weisungen von Polizei, Feuerwehr und kommunalem Ordnungsdienst folgen. Private Drohnen dürfen im Schutzbereich nicht betrieben werden, außerdem ist der Überflug mit privaten Luftfahrzeugen untersagt. Die Stadt bittet ausdrücklich darum, nicht zum Einsatzort zu kommen und den Bereich großräumig zu meiden.

Autofahrer sollten ab dem frühen Abend mit der B10-Sperrung rechnen und ausschließlich den vor Ort ausgeschilderten Umleitungen folgen. Bahnreisende auf der Verbindung zwischen Ulm, Günzburg und Augsburg sollten ihre Fahrt unmittelbar vor der Abreise nochmals prüfen. Für die RB15 sind bereits konkrete Teilausfälle angekündigt, bei der RE9 sind kurzfristige Ausfälle möglich und im Fernverkehr sind mindestens vier ICE-Verbindungen von Verzögerungen betroffen.

Wer unabhängig von diesem Einsatz selbst auf mutmaßliche Munition oder einen anderen Kampfmittelfund stößt, sollte den Gegenstand keinesfalls berühren oder bewegen. Das Bayerische Innenministerium weist darauf hin, solche Funde an ihrem Ort zu belassen und unmittelbar die Polizei zu verständigen. Für den Einsatz im Pfuhler Ried bleibt der derzeitige Zeitplan unverändert: Räumung ab 18 Uhr, Entschärfung und Verkehrssperren ab 18.30 Uhr und ein geplantes Ende gegen 20.30 Uhr. Eine genaue Zahl der zu evakuierenden Menschen und Einzelheiten zum technischen Zustand der fünf Bomben waren bis Dienstagmittag nicht veröffentlicht.

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