
Der ESC 2027 in Bulgarien nimmt organisatorisch Gestalt an, doch die wichtigste Standortfrage ist weiterhin offen. Bulgarien wird den 71. Eurovision Song Contest nach dem Sieg von DARA 2026 ausrichten. Im Rennen um die Gastgeberstadt stehen nur noch die Hauptstadt Sofia und die Schwarzmeerstadt Burgas. Plowdiw und Warna sind bereits ausgeschieden. Eine zunächst für Ende Juli erwartete Entscheidung wurde nicht verkündet. BNT erklärte am 31. Juli, dass die internationale Arbeitsgruppe ihre Prüfung fortsetze und zusätzliche Erläuterungen der Kommunen auswerte.
Ursprünglich hatten sich Sofia, Burgas, Plowdiw und Warna offiziell um die Austragung beworben. Nach der ersten Bewertungsphase blieben Sofia und Burgas übrig. Nach Angaben von BNT wurden die technischen Eigenschaften der vorgeschlagenen Veranstaltungsorte, die Vorgaben der European Broadcasting Union sowie die Produktionsanforderungen des ESC untersucht. BNT-Generaldirektorin Milena Milotinova betonte, dass für alle vier Bewerber dieselben technischen und infrastrukturellen Kriterien angewandt worden seien.
Eine Entscheidung war zunächst bis Ende Juli vorgesehen. Milotinova hatte bereits im Juni darauf hingewiesen, dass die EBU grundsätzlich einen Zeitrahmen bis Ende August vorgegeben habe. Am 31. Juli teilte BNT dann mit, dass die Bewertung noch nicht abgeschlossen sei. Ein neues konkretes Bekanntgabedatum nannte der Sender nicht. Damit ist weder Sofia noch Burgas bislang offiziell als Gastgeberstadt bestätigt.
Sofia hat für seine Bewerbung die Arena 8888, früher Arena Armeec, als Hauptveranstaltungsort vorgeschlagen. Die stellvertretende Bürgermeisterin Irina Dakova erklärte Anfang Juli gegenüber der bulgarischen Nachrichtenagentur BTA, zusätzlich solle der Sofia Tech Park Flächen und Infrastruktur bereitstellen. Rund um den Nationalen Kulturpalast NDK sind nach den Sofioter Planungen weitere ESC-Veranstaltungen vorgesehen. EBU-Vertreter besichtigten Mitte Juli im Zuge des Auswahlverfahrens auch das NDK.
Burgas setzt bei seiner Bewerbung unter anderem auf seine Veranstaltungsinfrastruktur und die touristische Kapazität der Schwarzmeerregion. Die Arena Burgas spielt dabei eine zentrale Rolle in der öffentlichen Präsentation der Kandidatur. Welche konkrete Hallenkonfiguration BNT und EBU für den Wettbewerb akzeptieren würden, wurde bislang nicht abschließend veröffentlicht. Deshalb lässt sich aus der Hallengröße allein nicht ableiten, welcher Bewerber bessere Chancen besitzt.
Die Anforderungen reichen weit über die Zuschauerkapazität hinaus. BNT erklärte bereits zu Beginn des Verfahrens, dass Veranstaltungsstätte, begleitende Infrastruktur und das Kulturprogramm der Stadt gemeinsam bewertet werden. Nach Angaben der bulgarischen Nachrichtenagentur BTA zählen zudem ausreichende Hotelkapazitäten und internationale Verkehrsverbindungen zu den Anforderungen.
In Berichten über die den Bewerbern übermittelten Anforderungen ist außerdem von einer Halle für mindestens etwa 10.000 Zuschauer, mehreren Wochen exklusiver Verfügbarkeit sowie umfangreichen Backstage-, Büro- und Produktionsflächen die Rede. Entscheidend sind außerdem Sicherheit, öffentlicher Nahverkehr, Medienarbeitsplätze und die Möglichkeit, zusätzliche Veranstaltungen wie Eurovision Village und Eröffnungszeremonien unterzubringen. BNT sucht nach Worten Milotinovas deshalb nicht nur einen Austragungsort, sondern eine Kommune, die als organisatorischer Partner über Monate an der Vorbereitung mitarbeitet.
Auch die Finanzierung wird in Bulgarien intensiv diskutiert. Der für die Vorbereitungen zuständige stellvertretende Ministerpräsident Ivo Hristov bezifferte die erwarteten Gesamtkosten im Mai im BNT-Morgenprogramm auf 20 bis 30 Millionen Euro. Nach seinen Angaben soll die Finanzierung nicht ausschließlich aus dem Staatshaushalt kommen. Vorgesehen seien unter anderem staatliche Mittel und Sponsorengelder.
Im von der Regierung Anfang Juli beschlossenen Haushaltsentwurf für 2027 wurden nach Angaben des in Sofia erscheinenden Nachrichtenportals Sofia Globe 20 Millionen Euro für die ESC-Vorbereitung eingeplant. Der dazugehörige staatliche Aktionsplan sieht ein Finanzierungsmodell aus Staat, Gastgeberkommune, EBU, Sponsoring und Ticketverkäufen vor. Bis Ende November sollen dem Plan zufolge zudem Hotelverträge abgeschlossen werden.
Für Sofia spricht aus Sicht seiner Bewerbung die vorhandene Großstadtinfrastruktur mit Flughafen, Metro, Hotels und mehreren Veranstaltungsflächen. Hristov erklärte bereits im Mai, dass für den ESC-Zeitraum ein zunehmendes Interesse an Hotelbuchungen in Sofia registriert werde. Belastbare Zahlen zur Zahl der tatsächlich für Delegationen, Fans und Medien benötigten Zimmer veröffentlichte er dabei nicht.
Burgas kann seinerseits auf eine ausgeprägte touristische Infrastruktur an der Schwarzmeerküste verweisen. Gleichzeitig gehören internationale Anbindung, Transportwege zwischen Flughafen, Hotels und Halle sowie die logistische Leistungsfähigkeit der Stadt ausdrücklich zu den Bewertungspunkten. Welche der beiden Bewerbungen die internationale Jury bei diesen Punkten besser bewertet, wurde bislang nicht veröffentlicht.
BNT ist als Host Broadcaster für die Durchführung verantwortlich. Die endgültige Bewertung erfolgt jedoch nicht allein durch den Sender. Nach Angaben der bulgarischen Nachrichtenagentur BTA besteht das internationale Entscheidungsgremium aus Vertretern von BNT und EBU sowie Fachleuten mit langjähriger Erfahrung bei früheren Eurovision-Ausgaben.
Eurovision-Direktor Martin Green hatte unmittelbar nach dem bulgarischen Sieg erklärt, Bulgarien werde 2027 Gastgeber sein und nun gemeinsam mit der EBU ein Jahr intensiver Vorbereitung vor sich haben. BNT erhielt im Juni offiziell das sogenannte Host Welcome Pack der EBU mit organisatorischen, technischen und produktionstechnischen Vorgaben.
Das Gastgeberrecht geht auf Bulgariens historischen Erfolg beim ESC 2026 in Wien zurück. DARA gewann am 16. Mai mit „Bangaranga“ und bescherte Bulgarien damit den ersten Sieg seiner ESC-Geschichte. Die offizielle Eurovision-Ergebnisübersicht weist für Bulgarien 516 Punkte aus. Die EBU bestätigte zudem, dass DARA sowohl die Jurywertung als auch das Publikumsvoting gewann. Der Vorsprung auf Platz zwei betrug nach EBU-Angaben 173 Punkte.
Bulgarien war erst 2026 nach drei Jahren Pause zum Wettbewerb zurückgekehrt. Der Erfolg führte damit unmittelbar zur ersten Austragung des Erwachsenen-ESC im Land. Eurovision-Erfahrung besitzt Sofia dennoch: In der bulgarischen Hauptstadt fand bereits 2015 der Junior Eurovision Song Contest statt.
Deutschland wurde beim ESC 2026 von Sarah Engels vertreten. Ihr Titel „Fire“ erreichte im Finale den 23. Platz mit insgesamt 12 Punkten. Aus dem Televoting erhielt Deutschland nach Angaben der ARD keine Punkte.
Damit blieb Deutschland deutlich hinter Bulgarien zurück. Sarah Engels war zuvor im deutschen Vorentscheid gewählt worden und trat im Wiener Finale auf Startposition zwei an. Der deutsche Beitrag gehörte zu den 25 Songs des Grand Finals.
Offizielle Termine für die beiden Halbfinals und das Finale 2027 sind bislang nicht veröffentlicht. Fest steht lediglich, dass der Wettbewerb in Bulgarien stattfinden soll. Der bulgarische Regierungsfahrplan liefert jedoch Hinweise auf die organisatorische Planung. Nach einem von Sofia Globe wiedergegebenen Aktionsplan soll der Abbau der Veranstaltungstechnik zwischen dem 18. und 24. Mai 2027 stattfinden. Ein konkreter Finaltermin ist damit noch nicht offiziell bestätigt.
In einzelnen Medien wurden bereits mögliche Showtermine im Mai genannt. Eine Bestätigung durch BNT oder EBU liegt dafür bislang nicht vor. Verbindlich sind deshalb weder der vielfach genannte Zeitraum um den 11., 13. und 15. Mai noch andere kursierende Terminkombinationen. Erst mit der Gastgeberstadt und der endgültigen Produktionsplanung dürften auch die drei Live-Shows offiziell terminiert werden.






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