
Bei der Spielwarenkette ROFU Kinderland läuft in 32 Filialen ein Räumungsverkauf. Nach dem Abverkauf sollen 27 der betroffenen Märkte geschlossen werden. Fünf weitere Standorte bleiben erhalten und werden anschließend mit dem künftigen Sortiment neu bestückt. Der Verkauf läuft nach Angaben des Unternehmens bis Juli 2026. In vielen Filialen hatte der Abverkauf bereits Anfang Mai begonnen.
ROFU hat inzwischen eine vollständige Liste der Märkte veröffentlicht, in denen ein Räumungsverkauf stattfindet. Zieht man die fünf ausdrücklich zur Fortführung vorgesehenen Filialen ab, sollen folgende 27 Standorte geschlossen werden:
Bayern: Ansbach, Donauwörth, Günzburg, Kulmbach, Königsbrunn, Neuburg an der Donau, Neutraubling, Nördlingen, Schwandorf, Senden und Weißenburg.
Baden-Württemberg: Albstadt, Bad Saulgau, Lauchringen, Weingarten und Weinstadt-Endersbach.
Rheinland-Pfalz: Birkenfeld, Ingelheim, Kaiserslautern, Koblenz und Nieder-Olm.
Nordrhein-Westfalen: Brühl, Eschweiler und Schmallenberg.
Hessen: Egelsbach und Schlüchtern.
Sachsen-Anhalt: Halle an der Saale.
Besonders stark betroffen ist Bayern. Dort stehen elf Filialen vor der Schließung. Die Märkte sollen nach Abschluss des Räumungsverkaufs an die jeweiligen Vermieter zurückgegeben werden. Ein einheitliches Schließungsdatum für sämtliche Filialen hat ROFU nicht veröffentlicht. Für mehrere Standorte wird Ende Juli als Termin genannt.
Nicht jeder Räumungsverkauf führt zu einer dauerhaften Schließung. Die Filialen in Bad Mergentheim, Bochum, Ginsheim-Gustavsburg, Homburg und Straubing sollen weiterbetrieben werden. Dort wird zunächst der vorhandene Warenbestand reduziert. Anschließend sollen die Märkte mit dem künftigen Sortiment wieder aufgefüllt werden.
Insgesamt sieht die Investorenvereinbarung die Fortführung von 77 ROFU-Filialen vor. Der Online-Shop bleibt nach Unternehmensangaben ebenfalls verfügbar. Bestellungen werden weiterhin bearbeitet und ausgeliefert.
Eine bundesweit einheitliche Rabattstufe für alle 32 Filialen nennt ROFU nicht. Die Preise und Nachlässe können sich je nach Markt, Verkaufsphase und Warenbestand unterscheiden. Maßgeblich ist nach Angaben des Unternehmens ausschließlich der Preis, der am Regal ausgezeichnet ist. Reguläre Prospektpreise, Katalogpreise, Flyerangebote und sonstige Aktionspreise gelten in den Räumungsverkaufsfilialen nicht.
Für einzelne Standorte gelten inzwischen hohe Schlussrabatte. In der offiziellen Filialsuche wurde für die Filiale in Weingarten vom 11. bis einschließlich 21. Juli ein Rabatt von 70 Prozent auf das gesamte vorhandene Sortiment angekündigt. Grundlage für die Berechnung ist dabei der angegebene unverbindliche Verkaufspreis. Daraus lässt sich jedoch kein pauschaler Rabattanspruch für andere ROFU-Märkte ableiten. Kunden sollten deshalb die Beschilderung und die ausgezeichneten Regalpreise in der jeweiligen Filiale prüfen.
Zum regulären ROFU-Sortiment gehören Markenspielwaren, Puppen, Figuren, Fahrzeuge, Gesellschaftsspiele, Puzzles sowie Kreativ- und Bastelartikel. Daneben verkauft das Unternehmen Schulranzen, Schultüten, Schreibwaren, Bücher, Kinderfahrzeuge, Babyartikel, Garten- und Freizeitspielzeug sowie saisonale Dekorationsartikel und Kostüme.
Welche Produkte in einer bestimmten Filiale noch erhältlich sind, hängt vom jeweiligen Restbestand ab. Eine bundesweit gültige Artikelliste für den Räumungsverkauf existiert nicht. Das Angebot kann deshalb zwischen den einzelnen Standorten deutlich variieren.
In den 32 Räumungsverkaufsfilialen gelten besondere Bedingungen. Gutscheine können dort weder gekauft noch eingelöst werden. Bereits vorhandene Gutscheine behalten nach Angaben von ROFU aber ihre Gültigkeit. Sie können im Online-Shop oder in einer anderen fortgeführten Filiale verwendet werden.
Auch Geburtstagskisten, neue Bestellungen, Reparaturaufträge und Werkstattdienstleistungen werden an diesen Standorten vorübergehend nicht angeboten. ROFU bittet außerdem darum, bargeldlos zu bezahlen. Die Einschränkungen gelten unabhängig davon, ob die jeweilige Filiale später geschlossen oder neu bestückt wird.
ROFU Kinderland beantragte am 19. Januar 2026 ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung. Das Amtsgericht Idar-Oberstein eröffnete das Eigenverwaltungsverfahren am 1. April. Als Gründe nannte das Unternehmen ein schwaches Weihnachtsgeschäft, eine anhaltende Kaufzurückhaltung, gestiegene Kosten in der Wertschöpfungskette und einen intensiven Wettbewerb.
Bei der Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung im Amt. Das Verfahren wird von einer gerichtlich bestellten Sachwalterin überwacht und von Sanierungsexperten begleitet. Damit handelt es sich nicht um eine spekulierte wirtschaftliche Krise, sondern um ein offiziell bestätigtes gerichtliches Verfahren. Der laufende Geschäftsbetrieb wurde währenddessen fortgesetzt.
Im April schloss ROFU eine Investorenvereinbarung mit der Kids & School Holding GmbH. Die Lösung soll über einen Insolvenzplan umgesetzt werden. Voraussetzung ist die Zustimmung der Gläubiger. Nach der bisherigen Planung soll das Verfahren im August 2026 aufgehoben werden und ROFU anschließend wieder eigenständig handeln.
An den 77 zur Fortführung vorgesehenen Standorten sollen 1.035 Beschäftigte übernommen werden. Rund 330 Mitarbeitern in den 27 Schließungsfilialen soll gekündigt werden. Mehr als drei Viertel davon sind nach Unternehmensangaben Teilzeitkräfte oder Aushilfen. Auch in der Zentrale und im Außenlager sind Stellenstreichungen vorgesehen. Insgesamt sollen durch die Investorenlösung rund 1.120 Arbeitsplätze erhalten bleiben.
Der Firmensitz von ROFU liegt in Hoppstädten-Weiersbach in Rheinland-Pfalz. Zweibrücken ist ein Filialstandort. Dort eröffnete das Unternehmen im Februar 2024 seinen damals 105. Markt.
Die Spielwarenkette ist seit mehr als 40 Jahren am Markt und konzentriert sich vor allem auf Südwestdeutschland. Vor Beginn des Sanierungsverfahrens betrieb das Unternehmen 104 Filialen in sieben Bundesländern und beschäftigte rund 1.970 Menschen. Neben bekannten Spielwarenmarken gehören Kinderbücher, Schulbedarf, Bastelsets, Gesellschaftsspiele und saisonale Dekoration zum Angebot.
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