
AMD setzt bei seinen Radeon-Grafikkarten derzeit vor allem auf eine Erweiterung der Softwarefunktionen und eine Ergänzung der bestehenden RX 9000 Serie. Der wichtigste aktuelle Schritt betrifft Besitzer einer Radeon RX 7000: Mit dem Treiber Adrenalin Edition 26.6.2 hat AMD die Unterstützung für FSR Upscaling 4.1 auf diese Grafikkartengeneration ausgeweitet. Kurz darauf musste das Unternehmen jedoch mit einer weiteren Treiberversion auf Installationsprobleme und Abstürze reagieren. Gleichzeitig ist mit der Radeon RX 9070 GRE seit Anfang Juni ein zusätzliches Modell weltweit erhältlich.
Der am 22. Juni 2026 veröffentlichte Treiber Adrenalin Edition 26.6.2 bringt FSR Upscaling 4.1 offiziell auf Grafikkarten der Radeon RX 7000 Serie. Zuvor war die aktuelle, auf maschinellem Lernen basierende Upscaling-Technik im Wesentlichen den neueren RX 9000 Karten mit RDNA 4 Architektur vorbehalten. AMD nennt inzwischen mehr als 300 unterstützte Spiele.
Beim Upscaling wird ein Spiel intern in einer niedrigeren Auflösung berechnet und anschließend auf die gewünschte Bildschirmauflösung hochgerechnet. Das soll die Bildrate erhöhen, ohne die Bildqualität so stark zu reduzieren wie bei einer einfachen Skalierung. Wie groß der Vorteil ausfällt, hängt vom jeweiligen Spiel, dem gewählten Qualitätsmodus und der verwendeten Grafikkarte ab.
Die Freigabe ist besonders für Nutzer der Radeon RX 7900, RX 7800, RX 7700 und RX 7600 Serien relevant. AMD verlängert damit den Funktionsumfang einer Grafikkartengeneration, die weiterhin einen wichtigen Teil des verfügbaren Angebots bildet. Die Release Notes nennen allerdings ausdrücklich FSR Upscaling 4.1. Daraus folgt nicht automatisch, dass sämtliche weiteren Funktionen des umfassenderen FSR Redstone Pakets auf der RX 7000 Serie verfügbar sind.
Für Grafikkarten mit RDNA 2 Architektur, darunter die Radeon RX 6000 Serie, hatte AMD eine spätere Unterstützung von FSR Upscaling 4.1 für Anfang 2027 angekündigt. Ein genauer Termin wurde bislang nicht genannt.
Die Ausweitung von FSR 4.1 verlief nicht vollständig fehlerfrei. AMD veröffentlichte nach Version 26.6.2 zunächst einen Hotfix und anschließend den Treiber Adrenalin Edition 26.6.4. Laut AMD behebt die aktuelle Version ein zeitweise auftretendes Installationsproblem unter Windows 10 bei Grafikkarten ab der Radeon RX 7000 Serie. Außerdem soll ein Fehler beseitigt worden sein, durch den Spiele bei aktivem FSR Upscaling 4.1 sporadisch abstürzen konnten.
Einzelne bekannte Probleme bleiben bestehen. AMD nennt unter anderem flackernde Modelle oder Darstellungsfehler in Maxon Cinema 4D und Blender auf Grafikkarten ab der RX 7000 Serie. Betroffenen Nutzern empfiehlt das Unternehmen in den Release Notes vorübergehend die Installation der älteren Adrenalin-Version 26.3.1.
Die aktuelle Treiberlage zeigt damit zwei Seiten der Radeon-Strategie. AMD macht neue Grafikfunktionen für ältere Hardware zugänglich, muss die deutlich größere Zahl möglicher Systemkonfigurationen aber zugleich mit zusätzlichen Fehlerkorrekturen absichern.
Die jüngste bestätigte Ergänzung der Radeon-Serie ist die RX 9070 GRE. Das Modell war zunächst auf den chinesischen Markt beschränkt und wurde von AMD auf der Computex 2026 für den weltweiten Verkauf angekündigt. Der globale Verkaufsstart erfolgte am 2. Juni. AMD nannte zum Start einen unverbindlichen US-Preis von 549 Dollar.
Die Radeon RX 9070 GRE basiert wie die RX 9070 und RX 9070 XT auf der RDNA 4 Architektur. Sie besitzt 48 Compute Units, 3.072 Stream-Prozessoren und 12 Gigabyte GDDR6-Speicher. Der Speicher ist über eine 192 Bit breite Schnittstelle angebunden und erreicht laut AMD bis zu 18 Gigabit pro Sekunde. Die typische Leistungsaufnahme liegt bei 220 Watt. AMD empfiehlt ein Netzteil mit mindestens 650 Watt.
Damit positioniert AMD die Karte zwischen der Radeon RX 9060 XT und der regulären RX 9070. In den Messungen von ComputerBase war die RX 9070 GRE bei klassischer Rastergrafik rund 30 Prozent schneller als die RX 9060 XT, blieb aber etwa 15 Prozent hinter der RX 9070. Bei den dort untersuchten Raytracing-Spielen waren die Abstände nahezu identisch. Diese Werte gelten für den verwendeten Testparcours und lassen sich nicht ohne Weiteres auf jedes Spiel übertragen.
Eine flächendeckende Nichtverfügbarkeit der aktuellen AMD-Modelle ist Mitte Juli nicht erkennbar. Deutsche Preisvergleiche führen zahlreiche Varianten der RX 9070 GRE von Asus, Sapphire, PowerColor, XFX, Gigabyte und ASRock. Am 19. Juli lagen mehrere Angebote je nach Hersteller und Kühlsystem ungefähr zwischen 559 und 590 Euro. Einzelne Produktreihen wurden von mehr als einem Dutzend Händlern angeboten.
Die RX 9070 XT war ebenfalls breit verfügbar. Günstigere Varianten wurden im Preisvergleich ab etwa 649 Euro gelistet, während stärker übertaktete oder aufwendiger gekühlte Modelle teilweise deutlich mehr kosteten. Preise können sich kurzfristig ändern und hängen auch von Versandkosten, Händleraktionen und der konkreten Ausführung ab.
Für die RX 9070 GRE entsteht dadurch eine schwierige Position. Bei einem Preis von rund 560 Euro beträgt der Abstand zu einzelnen Angeboten der schnelleren RX 9070 XT weniger als 100 Euro. Käufer müssen daher genau vergleichen, ob der niedrigere Preis den geringeren Speicherausbau und die niedrigere Leistung ausgleicht.
Internationale Marktbeobachter meldeten Mitte Juli zugleich steigende Preise bei mehreren Radeon RX 9000 Karten. Besonders deutlich fiel die Entwicklung laut PC Gamer auf dem US-Markt aus. Die Preise in Großbritannien lagen teilweise näher an den jeweiligen Einführungspreisen. Diese Beobachtungen lassen sich wegen unterschiedlicher Steuern, Wechselkurse und Vertriebsstrukturen nicht direkt auf Deutschland übertragen.
Mit der RX 9060 XT, RX 9070 GRE, RX 9070 und RX 9070 XT konzentriert sich AMD auf die für viele Spieler relevante Mittel- und obere Leistungsklasse. Ein neues Radeon-Modell oberhalb der RX 9070 XT hat das Unternehmen bislang nicht vorgestellt. Nvidia besetzt das absolute Spitzensegment weiterhin mit der GeForce RTX 5090 und weiteren Modellen seiner RTX 50 Serie.
Im direkten Vergleich sieht ComputerBase die RX 9070 GRE bei der Spieleleistung vor der GeForce RTX 5060 Ti. Nvidia bietet die RTX 5060 Ti allerdings auch mit 16 Gigabyte Grafikspeicher an, während die RX 9070 GRE ausschließlich 12 Gigabyte besitzt. Der zusätzliche Speicher kann bei hohen Texturdetails, aufwendigen Modifikationen oder künftigen Spielen relevant werden.
Auch bei den Hochskalierungsverfahren bleibt der Wettbewerb ein wichtiger Faktor. Nvidia verfügt mit DLSS über ein breit etabliertes System für Upscaling und Frame Generation. AMD versucht, den Abstand mit FSR 4.1, einer breiteren Hardwareunterstützung und der Integration in mehr als 300 Spiele zu verkleinern. Welche Lösung die besseren Ergebnisse liefert, hängt vom jeweiligen Spiel, der Implementierung und der Grafikkartengeneration ab.
Trotz der neuen Radeon-Modelle bleibt AMD bei den ausgelieferten Desktop-Grafikkarten klar hinter Nvidia. Jon Peddie Research ermittelte für das erste Quartal 2026 insgesamt rund 11,8 Millionen ausgelieferte Steckkarten. AMD erreichte nach den veröffentlichten Zahlen einen Anteil von etwa acht Prozent. Nvidia kam auf rund 90 Prozent, Intel auf ungefähr ein Prozent.
Die Zahlen beschreiben Auslieferungen an Hersteller und Vertriebspartner, nicht zwingend tatsächliche Verkäufe an Endkunden. Zudem wurden frühere Angaben für das vierte Quartal 2025 nachträglich korrigiert. Die Daten sollten deshalb eher als Hinweis auf die Größenverhältnisse als als exakte Abbildung der Nachfrage verstanden werden.
Auch die freiwillige Steam-Hardwareumfrage bildet nur einen Teil des Marktes ab. Sie zeigt die bei teilnehmenden Steam-Nutzern eingesetzte Hardware, erfasst aber weder alle verkauften Karten noch sämtliche Spieler. Die aktuelle Ausgabe bezieht sich auf Juni 2026.
Neben den bestätigten Entwicklungen kursieren mehrere unbestätigte Berichte. Das Forum Board Channels soll Informationen verbreitet haben, wonach die Preise für von AMD an Grafikkartenpartner gelieferte Pakete aus Grafikchip und Speicher im dritten Quartal um zehn bis 15 Prozent steigen könnten. VideoCardz und weitere Technikmedien griffen die Angaben auf. AMD hat eine solche Preiserhöhung bislang nicht öffentlich bestätigt. Auswirkungen auf deutsche Endkundenpreise lassen sich daraus nicht verlässlich ableiten.
Ein weiteres Gerücht betrifft eine mögliche Multi Frame Generation. In einem Drittanbieterprogramm wurden experimentelle und derzeit funktionslose Einträge entdeckt, die Multiplikatoren von bis zu achtfacher Frame Generation nennen. Die Fundstelle beweist nicht, dass AMD eine solche Funktion veröffentlichen wird. Es gibt weder eine offizielle Ankündigung noch einen bestätigten Erscheinungstermin.
Berichte über die nächste Radeon-Architektur nennen teilweise das Jahr 2027. Sie berufen sich unter anderem auf Erwartungen von Grafikkartenpartnern. AMD selbst hat bislang weder eine neue Desktop-Serie auf Basis einer möglichen RDNA 5 Architektur noch konkrete Spezifikationen oder einen Verkaufsstart bestätigt.
Die aktuelle Nachrichtenlage zu AMD-Grafikkarten wird weniger von einer neuen Spitzenkarte als von der Pflege des bestehenden Angebots bestimmt. FSR Upscaling 4.1 wertet die Radeon RX 7000 Serie auf, während die RX 9070 GRE eine bislang große Lücke zwischen RX 9060 XT und RX 9070 schließen soll.
Die Karten sind in Deutschland grundsätzlich gut verfügbar. Der geringe Preisabstand zwischen einzelnen Modellen erschwert jedoch die Einordnung. Gleichzeitig bleibt Nvidia bei Marktanteil, Spitzenleistung und Verbreitung deutlich vorn. AMDs kurzfristige Chancen liegen deshalb vor allem bei wettbewerbsfähigen Preisen, stabilen Treibern und der weiteren Verbreitung seiner FSR-Technik.
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