
An einem Gymnasium im mecklenburg-vorpommerschen Hagenow haben ungewöhnlich viele Schülerinnen und Schüler das Abitur 2026 nicht bestanden. Von 51 zur Prüfung zugelassenen Jugendlichen scheiterten 18. Das entspricht rechnerisch rund 35 Prozent. Eine weitere Person war nicht zur Abiturprüfung zugelassen worden. Die hohe Durchfallquote im Abitur beschäftigt inzwischen das Bildungsministerium, die Schulaufsicht und den Bildungsausschuss des Landtags.
Der Fall fällt vor allem deshalb auf, weil die Quote weit oberhalb der üblichen Werte liegt. Das Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern hat eine schulinterne und eine externe Evaluation angekündigt. Dabei sollen unter anderem Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte einbezogen werden. Nach den bisherigen Planungen sollen die Erkenntnisse im Herbst ausgewertet und anschließend Maßnahmen vereinbart werden. Eine abschließende Erklärung für das schlechte Prüfungsergebnis lag bis zum 19. August nicht vor.
Schon der Vergleich mit Mecklenburg-Vorpommern zeigt die außergewöhnliche Größenordnung. Im Abiturjahr 2025 bestanden dort nach den vorliegenden Daten der Kultusministerkonferenz 416 von 4.999 Prüflingen das Abitur nicht. Das entsprach einer Quote von 8,3 Prozent und war der höchste Wert unter den Bundesländern. Ein Jahr zuvor hatte die Quote in Mecklenburg-Vorpommern bei 7,4 Prozent gelegen.
Die rund 35 Prozent in Hagenow sind damit mehr als viermal so hoch wie die jüngste landesweite Quote. Eine solche Abweichung erlaubt für sich genommen allerdings keine Aussage darüber, warum ein Jahrgang so schlecht abgeschnitten hat. Bei einer einzelnen Schule können schon vergleichsweise kleine absolute Veränderungen die Prozentwerte stark verschieben. Im aktuellen Fall scheiterten 18 Prüflinge.
Die Schulaufsicht erklärte, die Ursachen sollten umfassend analysiert werden. Nach ihren bisherigen Angaben habe es in den Prüfungsfächern Mathematik, Deutsch und Geschichte im betreffenden Abiturjahrgang keinen Wechsel von Lehrkräften gegeben. Krankheitsbedingte Ausfälle seien nach Darstellung der Behörde organisatorisch aufgefangen worden. Ob andere Faktoren zum Ergebnis beigetragen haben, ist Gegenstand der laufenden Auswertung.
Auch der bundesweite Vergleich zeigt, wie ungewöhnlich die Quote von Hagenow ist. Für das Schuljahr 2023/24 weist die Kultusministerkonferenz insgesamt 312.186 Abiturprüfungen in den Ländern aus. 14.696 davon wurden nicht bestanden. Rechnerisch ergibt sich daraus eine bundesweite Quote von rund 4,7 Prozent. Die Länderwerte reichten von 3,0 Prozent in Berlin bis 7,4 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern.
Die vorläufigen Daten für 2025 zeigen erneut deutliche Unterschiede zwischen den Ländern. Berlin lag mit 1,4 Prozent nicht bestandenen Prüfungen am unteren Ende, Mecklenburg-Vorpommern mit 8,3 Prozent am oberen. In Nordrhein-Westfalen waren es 4,5 Prozent, in Bayern 3,9 Prozent und in Sachsen 4,4 Prozent. Die KMK weist allerdings darauf hin, dass die Angaben für 2025 teilweise noch vorläufig sind. Für Baden-Württemberg wurden in dieser Übersicht noch Werte des Vorjahres verwendet.
Die reine Durchfallquote ist zudem kein vollständiges Maß für das Leistungsniveau eines Schulsystems. Ins Abitur gelangen Jugendliche erst nach mehreren Jahren gymnasialer Oberstufe und nach vorherigen Versetzungs- und Zulassungsentscheidungen. Außerdem fließen in die Abiturnote nicht nur die abschließenden Prüfungen ein. Nach den bundesweit vereinbarten Regeln werden auch Leistungen aus den vier Halbjahren der Qualifikationsphase berücksichtigt.
Auch bei den Durchschnittsnoten gibt es Unterschiede. Im Schuljahr 2023/24 reichten die von der Kultusministerkonferenz ausgewiesenen Notenmittel von 2,13 in Thüringen bis 2,49 in Schleswig-Holstein. Mecklenburg-Vorpommern kam auf 2,28. Aus den Länderwerten ergibt sich für die bestandenen Prüfungen insgesamt ein rechnerischer Durchschnitt von etwa 2,34.
Für 2025 weist die KMK beispielsweise 2,13 für Thüringen, 2,19 für Brandenburg, 2,28 für Mecklenburg-Vorpommern, 2,38 für Nordrhein-Westfalen und 2,46 für Schleswig-Holstein aus. Solche Unterschiede werden seit Jahren in der Diskussion über die Vergleichbarkeit des Abiturs thematisiert. Die Länder haben deshalb gemeinsame Bildungsstandards und Prüfungsanforderungen vereinbart. Dennoch bestehen Spielräume etwa bei der Ausgestaltung der Oberstufe, bei einzubringenden Kursen und bei Prüfungsfachregelungen.
Die Debatte um das Leistungsniveau deutscher Schulen lässt sich allerdings nicht allein an Abiturnoten festmachen. Vergleichsstudien erfassen größere Altersgruppen und zeigen, dass sich die Kompetenzen in mehreren Bereichen verschlechtert haben.
Beim IQB-Bildungstrend 2024 wurden die mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen von Neuntklässlern untersucht. Im Fach Mathematik verfehlten rund 34 Prozent aller getesteten Jugendlichen den Mindeststandard für den Mittleren Schulabschluss. Selbst unter den Schülerinnen und Schülern, die mindestens einen mittleren Abschluss anstrebten, erreichten rund 24 Prozent diesen Mathematik-Mindeststandard nicht. Auch in Chemie, Biologie und Physik verschlechterten sich die Ergebnisse gegenüber früheren Erhebungen.
Ähnlich deutlich fiel zuvor der internationale PISA-Vergleich aus. Die deutschen 15-Jährigen erzielten 2022 in Mathematik und Lesen Werte nahe dem OECD-Durchschnitt und lagen in Naturwissenschaften darüber. Gleichzeitig waren die deutschen Ergebnisse in allen drei getesteten Bereichen die niedrigsten, die seit Beginn der PISA-Erhebungen für Deutschland gemessen wurden. Gegenüber 2012 stieg der Anteil der Jugendlichen unterhalb des grundlegenden Kompetenzniveaus um zwölf Prozentpunkte in Mathematik und jeweils elf Prozentpunkte im Lesen und in Naturwissenschaften.
In Mathematik erreichten bei PISA 2022 rund 70 Prozent der Jugendlichen in Deutschland mindestens Kompetenzstufe 2. Umgekehrt lagen damit etwa 30 Prozent darunter. Im Lesen waren es etwa 25 Prozent und in den Naturwissenschaften rund 23 Prozent. Deutschland bewegte sich damit in Mathematik und Lesen ungefähr auf OECD-Niveau, lag aber deutlich hinter besonders leistungsstarken Bildungssystemen etwa in Ostasien und Estland.
Die Zahlen zeigen zwei unterschiedliche Entwicklungen. Einerseits bestehen die allermeisten Jugendlichen, die tatsächlich zur Abiturprüfung antreten. Bundesweit lag die Quote der nicht bestandenen Prüfungen zuletzt nur im mittleren einstelligen Prozentbereich. Eine Durchfallquote von rund 35 Prozent an einer einzelnen Schule ist deshalb eine deutliche Ausnahme.
Andererseits weisen IQB und OECD auf langfristige Kompetenzverluste in wichtigen Fächern hin. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass das Abitur generell zu leicht oder zu schwer geworden ist. Abiturstatistiken erfassen eine bereits ausgewählte Gruppe am Ende der gymnasialen Oberstufe, während PISA und IQB wesentlich breitere Schülergruppen untersuchen.
Für Hagenow bleibt deshalb eine klare Trennung nötig. Bestätigt ist das außergewöhnlich schlechte Abiturergebnis mit 18 nicht bestandenen Prüfungen unter 51 zugelassenen Prüflingen. Warum dieser Jahrgang so stark vom Landes- und Bundesdurchschnitt abwich, soll die laufende Evaluation klären. Eine abschließende Ursache war bis Mitte August nicht festgestellt.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu