
Am Universitätsklinikum Regensburg soll die Zahl der ärztlichen Stellen deutlich reduziert werden. Nach dem zuletzt bekannt gewordenen Stand geht es um rund 40 Stellen und damit um etwa sechs Prozent der Ärzteschaft des Klinikums. Dagegen wenden sich Studierende der Humanmedizin. Die Fachschaft Humanmedizin Regensburg und die Fachschaft des Medizincampus Niederbayern haben sich mit einem offenen Brief an Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach und Wissenschaftsminister Markus Blume gewandt. Sie befürchten Folgen für praktische Ausbildung, Patientenversorgung und die Arbeitsbelastung der verbleibenden Ärztinnen und Ärzte.
Die Debatte über den Stellenabbau am Universitätsklinikum Regensburg läuft bereits seit Juni. Damals wurde bekannt, dass das Bayerische Wissenschaftsministerium eine Reduzierung des ärztlichen Personals für erforderlich hält. Hintergrund ist das für 2026 erwartete negative Jahresergebnis des Klinikums. Nach Angaben des Ministeriums war das ärztliche Personal seit 2019 um etwa 64 Vollzeitäquivalente gewachsen. Eine entsprechende Ausweitung der abrechenbaren Leistungen sei jedoch ausgeblieben, sodass dieser Personalzuwachs nicht vollständig refinanziert werde.
Anfangs stand deshalb ein Abbau von bis zu 64 ärztlichen Vollzeitstellen im Raum. Der zuletzt von Ärzteverbänden und Studierenden genannte Umfang liegt bei bis zu 40 Stellen. Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums soll die Personalreduzierung vor allem dadurch erfolgen, dass auslaufende befristete Verträge nicht verlängert werden. Welche Fachbereiche und konkreten Stellen davon betroffen sind, war zunächst nicht vollständig öffentlich aufgeschlüsselt.
Besonders kritisch sehen die medizinischen Fachschaften die Verbindung von Personalabbau und steigenden Studierendenzahlen. Nach ihren Angaben müssen die Ärztinnen und Ärzte am Standort im kommenden Semester rund 50 Prozent mehr Studierende betreuen. Hintergrund ist unter anderem der Ausbau der medizinischen Ausbildung über den Medizincampus Niederbayern. Die Studierenden argumentieren, dass klinische Lehre nicht unabhängig vom Personalbestand betrachtet werden könne.
Ärztinnen und Ärzte an Universitätskliniken übernehmen neben der Patientenbehandlung Aufgaben in Forschung und Lehre. Dazu gehören unter anderem Unterricht, praktische Anleitung und die Begleitung von Studierenden im klinischen Alltag. Die Fachschaften befürchten deshalb, dass weniger ärztliches Personal auch weniger Zeit für die Ausbildung bedeutet.
Der Hartmannbund Bayern unterstützt diese Kritik. Auch der Marburger Bund Bayern hatte sich bereits im Juni gegen die geplanten Kürzungen ausgesprochen. Beide Verbände sehen Risiken für Ausbildung, Weiterbildung und Versorgung. Dabei handelt es sich um Bewertungen der Berufsverbände. Dass es infolge der Kürzungen tatsächlich zu einer Verschlechterung der medizinischen Versorgung kommt, ist bislang nicht belegt.
Das Bayerische Wissenschaftsministerium vertritt eine andere Einschätzung. Es begründet die Personalreduzierung mit dem erwarteten Defizit und einer nach seiner Darstellung überdurchschnittlichen Personalaufwandsquote des UKR. Das Klinikum müsse Maßnahmen ergreifen, um das negative Jahresergebnis zu begrenzen und perspektivisch wieder einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen.
Auswirkungen auf Patientenversorgung und Forschung erwartet das Ministerium nach seiner bisherigen Darstellung nicht. Das UKR solle seine Patienten weiterhin ohne Qualitätsverlust oder längere Wartezeiten behandeln können. Auch die Beteiligung des Universitätsklinikums an der spezialisierten Notfallversorgung solle nicht eingeschränkt werden. Ob diese Erwartungen unter den Bedingungen eines reduzierten Personalbestands dauerhaft erfüllt werden können, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht feststellen.
Der Konflikt in Regensburg steht nicht isoliert. Deutsche Krankenhäuser befinden sich seit mehreren Jahren unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Nach dem Krankenhaus Barometer des Deutschen Krankenhausinstituts schrieben 2024 rund zwei Drittel der befragten Krankenhäuser ein negatives Jahresergebnis. Nur sechs Prozent bewerteten ihre wirtschaftliche Situation Ende 2025 als eher gut. Für 2026 erwarteten lediglich 13 Prozent eine Verbesserung.
Auch Universitätskliniken melden erhebliche Defizite. Der Verband der Universitätsklinika Deutschlands bezifferte das aggregierte Defizit der Häuser für 2024 auf mehr als 800 Millionen Euro. Der Verband führt die wirtschaftlichen Schwierigkeiten unter anderem darauf zurück, dass Universitätskliniken neben der stationären Regelversorgung besonders komplexe Fälle behandeln sowie Aufgaben in Forschung, Lehre, Weiterbildung und hochspezialisierter ambulanter Versorgung übernehmen.
Das Finanzierungssystem der Krankenhäuser befindet sich zugleich im Umbau. Betriebskosten werden überwiegend von den Krankenkassen getragen, während die Bundesländer grundsätzlich für Investitionen zuständig sind. Für somatische Krankenhausleistungen spielt weiterhin das System der diagnosebezogenen Fallpauschalen eine zentrale Rolle. Die Krankenhausreform soll dieses Modell schrittweise durch eine stärkere Finanzierung von vorgehaltenen Strukturen ergänzen.
Gerade bei Universitätskliniken besitzt die Personalfrage eine zusätzliche Dimension. Sie behandeln nicht nur Patienten, sondern bilden einen großen Teil des ärztlichen Nachwuchses praktisch aus. Gleichzeitig erfolgt dort die Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten zu Fachärzten. Weniger Stellen können deshalb grundsätzlich mehrere Funktionen gleichzeitig betreffen.
Eine automatische Verbindung zwischen Stellenabbau und schlechterer Versorgung lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Entscheidend ist unter anderem, welche Stellen entfallen, wie Arbeitsabläufe organisiert werden, welche Leistungen erbracht werden und ob frei werdende Kapazitäten an anderer Stelle ausgeglichen werden können. Für Regensburg waren hierzu zunächst keine vollständigen Detailpläne öffentlich bekannt.
Der Konflikt macht dennoch einen grundsätzlichen Zielkonflikt sichtbar. Krankenhäuser sollen wirtschaftlicher arbeiten, gleichzeitig aber ausreichende Personalreserven für Versorgung, Weiterbildung und Ausbildung vorhalten. Die bundesweite Krankenhausreform verfolgt ausdrücklich das Ziel, den wirtschaftlichen Druck stärker von der Zahl behandelter Fälle zu entkoppeln. Die Umstellung des Finanzierungssystems erfolgt allerdings schrittweise und löst die aktuellen Defizite einzelner Häuser nicht unmittelbar.
Für das Universitätsklinikum Regensburg geht es deshalb um mehr als die Zahl der Stellen im laufenden Haushaltsjahr. Befristete ärztliche Verträge sind häufig Teil der Qualifizierungsphase junger Mediziner. Werden solche Stellen nicht verlängert, kann dies die Weiterbildungsmöglichkeiten am jeweiligen Standort verändern.
Der Marburger Bund warnt zudem davor, dass eine höhere Arbeitsbelastung die Attraktivität von Universitätskliniken als Arbeitgeber beeinträchtigen könne. Auch diese möglichen Folgen sind derzeit Prognosen und keine nachgewiesenen Auswirkungen der Regensburger Kürzungen.
Damit verdichtet sich in Regensburg ein Problem, das viele Krankenhäuser beschäftigt: Personal ist einer der größten Kostenblöcke, zugleich hängt die Leistungsfähigkeit eines Klinikums unmittelbar von qualifizierten Beschäftigten ab. Ob der geplante Stellenabbau am UKR ohne Nachteile für Lehre, ärztliche Weiterbildung und Versorgung umgesetzt werden kann, hängt deshalb wesentlich von der konkreten Verteilung der Kürzungen und der weiteren Personalplanung ab.
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