
Ein geheimes Doppelleben der Eltern, Verhaftungen, Flucht und plötzlich eine völlig andere Familiengeschichte: 3sat zeigt am Mittwochabend, 30. September 2026, die neue zweiteilige Dokumentation Agentenkinder – Wenn die Eltern spionieren. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die als Kinder oder Jugendliche mit den Folgen der geheimdienstlichen Tätigkeit ihrer Eltern konfrontiert wurden. Der erste Teil „Verrat für den Westen“ beginnt um 20.15 Uhr, unmittelbar danach folgt um 21.00 Uhr „Verrat für die DDR“. Beide Folgen werden erstmals im deutschen Fernsehen ausgestrahlt.
Die Dokumentation von Nina Rothermundt betrachtet den Kalten Krieg damit bewusst aus einer familiären Perspektive. Statt Operationen und Geheimdiensttechnik stehen die Auswirkungen auf Kinder im Vordergrund, die von den Aktivitäten ihrer Eltern zunächst nichts wussten. Insgesamt erzählen die beiden Filme anhand von sechs Biografien von den persönlichen Folgen der deutsch-deutschen Geheimdienstkonfrontation.
„Verrat für den Westen“ beginnt um 20.15 Uhr auf 3sat und ist der erste von zwei Teilen. Die aktuelle Fassung in der 3sat-Mediathek hat eine Laufzeit von rund 43 Minuten. Thematisch geht es um Familien in der DDR, in denen Eltern Informationen an westliche Geheimdienste weitergaben oder deren geheime Tätigkeit das Leben ihrer Kinder nachhaltig veränderte.
Zu Wort kommt unter anderem Jürgen. Er war 15 Jahre alt, als seine Eltern in der DDR festgenommen und wegen Spionage für den Westen zu langen Haftstrafen verurteilt wurden. Auch Rainer blickt auf eine Familiengeschichte zurück, die durch geheimdienstliche Tätigkeit geprägt wurde. Seine Eltern Margarete und Erich gaben nach Angaben von 3sat Informationen aus der DDR-Wirtschaft an den Westen weiter. Nach ihrer Enttarnung folgten Gerichtsverfahren und Haft.
Eine weitere Geschichte ist mit Werner Stiller verbunden. Der damalige Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit setzte sich 1979 in die Bundesrepublik ab und brachte Unterlagen aus dem DDR-Geheimdienst mit. Seine Familie blieb zunächst in der DDR zurück. Die Dokumentation betrachtet diese bekannte Episode der Geheimdienstgeschichte aus der Perspektive seiner Kinder Edina und Andreas und damit von Menschen, für die der Vorgang vor allem eine familiäre Zäsur bedeutete.
Um 21.00 Uhr folgt „Verrat für die DDR“. Auch diese Folge ist eine Erstausstrahlung. Die in der 3sat-Mediathek veröffentlichte Fassung läuft rund 44 Minuten. Im Mittelpunkt stehen diesmal Kinder aus Westdeutschland, deren Eltern für die DDR tätig waren oder in den Osten gingen.
Eine der Geschichten führt zur Guillaume-Affäre. Pierre ist der Sohn von Günter und Christel Guillaume. Günter Guillaume arbeitete im Umfeld von Bundeskanzler Willy Brandt und wurde 1974 als DDR-Spion enttarnt. Der Fall entwickelte sich zu einer schweren politischen Belastung für die damalige Bundesregierung. Brandt trat im Mai 1974 als Bundeskanzler zurück. Die Dokumentation konzentriert sich jedoch auf die familiäre Seite und darauf, wie sich Pierres Leben als damals 17-Jähriger veränderte.
Auch Thomas erzählt seine Geschichte. Er war 16 Jahre alt, als sein Vater die Familie in die DDR brachte. Später geriet Thomas selbst in Konflikt mit dem DDR-Staat, kam in Untersuchungshaft und wurde in Bautzen inhaftiert. 3sat verbindet seine Erinnerungen mit der Frage, wie weit die Entscheidungen eines Elternteils in das Leben der Kinder hineinwirkten.
Die dritte Geschichte des zweiten Teils betrifft Martina. Ihr Vater Hansjoachim Tiedge war ein hochrangiger Mitarbeiter des westdeutschen Verfassungsschutzes und ging 1985 in die DDR. Durch seine Tätigkeit verfügte er über weitreichende Kenntnisse der westdeutschen Spionageabwehr. Die Dokumentation betrachtet auch hier nicht allein die geheimdienstliche Bedeutung des Vorgangs, sondern dessen Auswirkungen auf die Familie.
Damit setzt Agentenkinder – Wenn die Eltern spionieren einen anderen Schwerpunkt als viele historische Dokumentationen über Geheimdienste. Die Spionagefälle bilden den historischen Rahmen, erzählt werden sie aber über Menschen, die nicht selbst entschieden hatten, Teil dieses Konflikts zu werden.
Die beiden Filme verbinden mehrere bekannte Kapitel der deutsch-deutschen Geheimdienstgeschichte mit persönlichen Erinnerungen. Dabei reicht der historische Bogen von westlicher Spionage in der DDR über die Flucht eines Stasi-Mitarbeiters bis zur Tätigkeit ostdeutscher Agenten in der Bundesrepublik und zum Überlaufen eines westdeutschen Verfassungsschützers.
Der Zweiteiler gehört zu einem größeren 3sat-Programmschwerpunkt rund um den Tag der Deutschen Einheit. Anlässlich des 36. Jahrestags der deutschen Wiedervereinigung zeigt der Sender zwischen Ende September und Anfang Oktober mehrere Dokumentationen und Spielfilme zur deutschen Teilung, zur DDR und zur Wiedervereinigung.
Wer die beiden Erstausstrahlungen am Mittwochabend verpasst, kann die Dokumentationen auch online sehen. Auf den aktuellen 3sat-Seiten sind sowohl „Verrat für den Westen“ als auch „Verrat für die DDR“ für Deutschland, Österreich und die Schweiz freigeschaltet. Dort ist derzeit eine Verfügbarkeit bis zum 30. September 2031 angegeben.
Autorin des Zweiteilers ist Nina Rothermundt. Die Produktion stammt aus Deutschland und entstand für 3sat. Die beteiligten Zeitzeugen treten als sie selbst auf.
Der Abend startet um 20.15 Uhr mit Folge 1 „Verrat für den Westen“, um 21.00 Uhr folgt Folge 2 „Verrat für die DDR“.
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