
Der französische Industriegasekonzern Air Liquide hat seinen Umsatz im dritten Quartal 2026 deutlich gesteigert. Besonders die Nachfrage nach Spezialgasen für die Halbleiterproduktion und Anwendungen der künstlichen Intelligenz sorgte für Wachstum. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen am Donnerstag, 29. Oktober 2026, den Beginn eines Aktienrückkaufs im Umfang von einer Milliarde Euro an.
Die Quartalszahlen von Air Liquide zeigen für die Monate Juli bis September einen Konzernumsatz von 7,259 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem nominalen Anstieg um 10 Prozent. Im dritten Quartal 2025 hatte das Unternehmen 6,599 Milliarden Euro umgesetzt.
Bereinigt um Wechselkurseffekte und Veränderungen der Energiepreise lag das Wachstum bei 4,3 Prozent. Auf vergleichbarer Basis, bei der zusätzlich größere Veränderungen des Unternehmensportfolios herausgerechnet werden, erreichte Air Liquide ein Umsatzplus von 3 Prozent.
Der Unterschied erklärt sich insbesondere durch höhere Energiepreise, positive Wechselkurseffekte und Veränderungen im Konsolidierungskreis. Dazu zählt die Übernahme des südkoreanischen Gaseanbieters DIG Airgas.
Mit dem Quartalsumsatz übertraf der Konzern die durchschnittliche Analystenerwartung von 7,16 Milliarden Euro, die der Finanzdatendienst Vara erhoben hatte.
Besonders stark entwickelte sich das Elektroniksegment. Dort stieg der Umsatz auf vergleichbarer Basis um 12 Prozent auf insgesamt 712 Millionen Euro.
Air Liquide profitiert dabei von der steigenden Nachfrage nach Gasen und Spezialmaterialien für die Halbleiterindustrie. Diese werden unter anderem bei der Herstellung leistungsfähiger Chips für Anwendungen der künstlichen Intelligenz benötigt.
Das Geschäft mit hochreinen Trägergasen wuchs um 12 Prozent. Bei fortschrittlichen Materialien erreichte Air Liquide sogar ein Umsatzplus von 27 Prozent. Beide Bereiche stehen zusammen für rund 70 Prozent des Elektronikgeschäfts.
Auch das Geschäft mit Industriekunden entwickelte sich positiv. Im Segment Industrial Merchant stiegen die Erlöse vergleichbar um 5,3 Prozent. Neben höheren Verkaufspreisen trugen steigende Absatzmengen zum Wachstum bei.
Dagegen verzeichnete die Sparte Large Industries einen vergleichbaren Umsatzrückgang um 1,9 Prozent. Im Gesundheitsgeschäft legten die Erlöse um 3,1 Prozent zu.
Der Geschäftsbereich Engineering & Technologies setzte 184 Millionen Euro um. Das entspricht einem nominalen Rückgang um 13,6 Prozent.
Regional zeigten sich deutliche Unterschiede. Im asiatisch-pazifischen Raum verzeichnete das Geschäft mit Gasen und Dienstleistungen ein vergleichbares Umsatzwachstum von 7 Prozent. Besonders das Elektronikgeschäft entwickelte sich dort dynamisch und erreichte ein Plus von 17,2 Prozent.
In Nord- und Südamerika stiegen die Erlöse vergleichbar um 6,2 Prozent. Dazu trugen unter anderem höhere Absatzmengen im Industriegasegeschäft und eine steigende Nachfrage aus der Chemieindustrie und dem Gesundheitssektor bei.
Schwächer entwickelte sich die Region Europa, Naher Osten und Afrika. Hier ging der vergleichbare Umsatz um 0,5 Prozent zurück. Während das Geschäft mit kleineren und mittleren Industriekunden zulegte, belastete eine schwächere Nachfrage in Teilen der Großindustrie die Entwicklung.
Neben den Quartalszahlen konkretisierte Air Liquide sein Aktienrückkaufprogramm. Bereits am 5. Oktober hatte der Konzern angekündigt, bis Ende 2028 eigene Aktien im Gesamtwert von vier Milliarden Euro zurückzukaufen und einzuziehen.
Die erste Tranche über eine Milliarde Euro soll nun am Freitag, 30. Oktober 2026, beginnen und bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres abgeschlossen werden. Die Umsetzung steht unter dem Vorbehalt der Marktliquidität und der regulatorischen Vorgaben.
Der Verwaltungsrat hatte die Durchführung am 28. Oktober genehmigt.
Das Rückkaufprogramm ist Bestandteil der neuen Konzernstrategie Beyond, mit der Air Liquide sein Wachstum und die Kapitalrendite bis 2030 verbessern will.
Parallel zum Aktienrückkauf baut Air Liquide seine Produktionskapazitäten aus. Allein im dritten Quartal traf der Konzern Investitionsentscheidungen im Gesamtumfang von 1,25 Milliarden Euro.
Seit Jahresbeginn summieren sich diese Entscheidungen auf 4,133 Milliarden Euro. Der Bestand bereits beschlossener, aber noch nicht in Betrieb genommener Investitionsprojekte erreichte Ende September einen Rekordwert von 6,2 Milliarden Euro.
Besonders stark investiert Air Liquide in Anlagen für die Halbleiterindustrie. Die Investitionsentscheidungen in diesem Bereich erreichten bereits in den ersten neun Monaten 2026 nahezu das Doppelte des gesamten Vorjahreswertes.
Unter anderem entstehen zusätzliche Produktionskapazitäten für hochreine Gase in den USA und Japan.
Für das Gesamtjahr 2026 hält der Konzern an seiner Prognose fest. Air Liquide erwartet weiterhin eine Verbesserung der operativen Marge um 100 Basispunkte und einen Anstieg des wiederkehrenden Nettogewinns bei konstanten Wechselkursen.
Auch für 2027 stellt das Unternehmen eine weitere Margenverbesserung um 100 Basispunkte in Aussicht.
Für das vierte Quartal 2026 erwartet die Unternehmensführung ein Umsatzwachstum in einer ähnlichen Größenordnung wie im dritten Quartal. Gleichzeitig verweist der Konzern auf geopolitische Unsicherheiten, die die wirtschaftliche Planbarkeit einschränken.
An der Börse wurden die Quartalszahlen zunächst positiv aufgenommen. Die Air-Liquide-Aktie legte am Donnerstag bis 10.18 Uhr mitteleuropäischer Zeit um 2,7 Prozent zu, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf den Pariser Aktienhandel meldete.
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