Ölkonzerne steigern Gewinne

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die europäischen Energiekonzerne Shell und TotalEnergies haben im dritten Quartal 2026 deutlich höhere Gewinne erzielt. Beide Unternehmen profitierten von hohen Energiepreisen und außergewöhnlich guten Margen im Raffineriegeschäft. Während Shell seinen bereinigten Gewinn nahezu verdoppelte, verzeichnete TotalEnergies einen Anstieg um 127 Prozent. Zugleich fließen weitere Milliarden Dollar in den Rückkauf eigener Aktien. Die Geschäftszahlen fallen in eine Phase, in der innerhalb der Europäischen Union erneut über eine Besteuerung außergewöhnlicher Gewinne der Ölindustrie diskutiert wird.

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Shell erzielt 10,8 Milliarden Dollar Gewinn

Der britische Energiekonzern Shell erwirtschaftete zwischen Juli und September einen bereinigten Gewinn von 10,81 Milliarden Dollar. Im entsprechenden Vorjahresquartal hatte dieser bei 5,43 Milliarden Dollar gelegen. Gegenüber dem zweiten Quartal 2026 mit 9,84 Milliarden Dollar verbesserte sich das Ergebnis ebenfalls.

Der den Aktionären zurechenbare Nettogewinn lag bei 12,06 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor waren es 5,32 Milliarden Dollar gewesen. Der operative Mittelzufluss erreichte 21,04 Milliarden Dollar.

Besonders stark entwickelte sich das Geschäft mit raffinierten Ölprodukten. Die von Shell ausgewiesene internationale Raffineriemarge stieg von 24 Dollar je Barrel im zweiten Quartal auf 42 Dollar im dritten Quartal.

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Auch höhere Verkaufspreise für Flüssigerdgas und gestiegene Fördermengen im integrierten Gasgeschäft unterstützten das Ergebnis. Im Fördergeschäft wirkten dagegen niedrigere realisierte Ölpreise im Vergleich zum Vorquartal belastend.

Shell kündigte außerdem ein neues Aktienrückkaufprogramm im Umfang von fünf Milliarden Dollar an. Es soll innerhalb der kommenden drei Monate abgeschlossen werden. Die Quartalsdividende bleibt bei 0,3906 Dollar je Aktie.

TotalEnergies steigert Gewinn um 127 Prozent

Auch der französische Konkurrent TotalEnergies verzeichnete ein außergewöhnlich starkes Quartal. Der bereinigte Nettogewinn erreichte 9,1 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor waren es rund vier Milliarden Dollar gewesen. Das entspricht einem Anstieg um 127 Prozent.

Der ausgewiesene Nettogewinn erhöhte sich von 3,68 Milliarden auf rund 8,26 Milliarden Dollar. Der Umsatz stieg von 43,84 Milliarden auf 61,86 Milliarden Dollar. Der vom Unternehmen ausgewiesene Cashflow erreichte 12,3 Milliarden Dollar.

Wesentlicher Wachstumstreiber war das Raffinerie- und Chemiegeschäft. In diesem Bereich erzielte TotalEnergies einen Quartalsgewinn von rund 3,6 Milliarden Dollar. Die Verarbeitung von Rohöl nahm gegenüber dem Vorjahreszeitraum um nahezu zehn Prozent zu.

Auch das Geschäft mit Flüssigerdgas entwickelte sich positiv. Der Gewinn im LNG-Bereich erreichte rund 1,9 Milliarden Dollar. Neben höheren Gaspreisen trug der Handel mit Erdgas und Flüssigerdgas zu dieser Entwicklung bei.

Milliarden für neue Aktienrückkäufe

TotalEnergies bestätigte Aktienrückkäufe im Umfang von 2,5 Milliarden Dollar für das vierte Quartal 2026. Dieses Programm hatte der Konzern bereits Ende September angekündigt.

Zusätzlich sollen im ersten Quartal 2027 weitere Aktien für 2,5 Milliarden Dollar zurückgekauft werden. Damit beläuft sich das angekündigte Volumen für beide Quartale zusammen auf fünf Milliarden Dollar.

Die dritte Zwischendividende für 2026 liegt bei 0,90 Euro je Aktie. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Anstieg um rund sechs Prozent.

Aktienrückkäufe reduzieren die Zahl der umlaufenden Anteilsscheine und können dadurch den rechnerischen Gewinn je verbleibender Aktie erhöhen. Anders als Dividenden stellen sie keine unmittelbare Auszahlung an sämtliche Aktionäre dar.

Hohe Energiepreise treiben Ergebnisse

Die gestiegenen Gewinne beider Unternehmen stehen im Zusammenhang mit den anhaltenden Verwerfungen auf den internationalen Energiemärkten. Der Krieg im Nahen Osten und Einschränkungen wichtiger Transportwege haben das Angebot von Öl, Gas und raffinierten Produkten beeinträchtigt.

Insbesondere die angespannte Versorgung mit Kraftstoffen führte zu hohen Raffineriemargen. Für die Energiekonzerne eröffnete dies zusätzliche Ertragsmöglichkeiten, während die gestiegenen Energiepreise Verbraucher und Unternehmen belasteten.

Allerdings profitieren nicht sämtliche Geschäftsbereiche gleichermaßen. Shell verzeichnete beispielsweise im dritten Quartal niedrigere realisierte Preise für flüssige Kohlenwasserstoffe als im Vorquartal. Zugleich beeinträchtigten die Auswirkungen des Nahostkonflikts die Produktion des Unternehmens in Katar.

Die Gewinnsteigerungen lassen sich deshalb nicht allein mit einem höheren Rohölpreis erklären. Entscheidend waren auch die Verarbeitung von Rohöl, der Handel mit Energieprodukten und die Entwicklung der Gaspreise.

Shell-Aktie legt nach Zahlen zu

An der Londoner Börse reagierten Anleger zunächst positiv auf die Ergebnisse von Shell. Die Aktie gewann im frühen Handel am Donnerstag deutlich an Wert.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters lag das Kursplus am 29. Oktober 2026 gegen 9.06 Uhr mitteleuropäischer Zeit bei rund 2,6 Prozent. Gleichzeitig stieg der europäische Energieaktiensektor um etwa ein Prozent.

Auch bei TotalEnergies sorgten die Quartalszahlen für Aufmerksamkeit am Aktienmarkt. Die kurzfristige Kursentwicklung stand dabei neben dem Gewinnanstieg im Zusammenhang mit den angekündigten Ausschüttungen an die Aktionäre.

Übergewinnsteuer bleibt politisches Thema

Die hohen Gewinne der Ölindustrie haben die europäische Debatte über eine sogenannte Übergewinnsteuer erneut verstärkt.

Deutschland, Österreich, Italien, Polen, Portugal und Spanien hatten sich für eine gemeinsame europäische Diskussion über zusätzliche Abgaben auf außergewöhnliche Gewinne von Energieunternehmen ausgesprochen.

Bei Beratungen der EU-Finanzminister am 9. Oktober wurde vereinbart, die Möglichkeiten einer solchen Besteuerung weiter untersuchen zu lassen. EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis verwies zugleich darauf, dass die Mitgliedstaaten grundsätzlich selbst über entsprechende Steuern entscheiden könnten.

Eine neue EU-weite Übergewinnsteuer wurde bislang nicht beschlossen.

Großbritannien verfügt dagegen bereits über eine zusätzliche Abgabe für Gewinne aus der heimischen Öl- und Gasförderung. Die sogenannte Energy Profits Levy liegt bei 38 Prozent zusätzlich zur regulären Besteuerung dieses Fördergeschäfts. Daraus ergibt sich ein kombinierter Grenzsteuersatz von 78 Prozent.

Die britische Regierung plant zudem ein dauerhaftes Nachfolgemodell für Phasen außergewöhnlich hoher Energiepreise. Dieses soll die bestehende Sonderabgabe spätestens nach deren regulärem Auslaufen Ende März 2030 ersetzen.

TotalEnergies hatte sich im Mai gegen eine zusätzliche Besteuerung von Gewinnen ausgesprochen, die überwiegend außerhalb Frankreichs erwirtschaftet würden. Der Konzern verwies dabei auf bereits bestehende Abgaben in den jeweiligen Förderländern und warnte vor einer möglichen Doppelbesteuerung.

Die Quartalszahlen von Shell und TotalEnergies verdeutlichen damit nicht nur die gestiegene Ertragskraft großer Energiekonzerne. Sie unterstreichen auch den wirtschaftspolitischen Konflikt um die Frage, welcher Anteil außergewöhnlicher Energiegewinne bei Unternehmen und Aktionären verbleiben und welcher zusätzlich staatlich abgeschöpft werden soll.

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