
Bei Hunderten Flugzeugen des Typs Airbus A321neo könnte ein Qualitätsmangel an Bauteilen der Rumpfstruktur vorliegen. Betroffen ist nach Angaben des Herstellers der Oberflächenschutz bestimmter Längsverstärkungen im Rumpf. Dadurch kann deren Widerstandsfähigkeit gegen Korrosion geringer ausfallen als vorgesehen. Airbus stuft den Fund als Qualitätsproblem ein, nicht als akutes Sicherheitsproblem. Auch die europäische Luftfahrtbehörde EASA sieht derzeit keine unmittelbare Gefahr für die Flugsicherheit.
Der Qualitätsmangel bei Airbus A321neo betrifft nach Angaben des Konzerns eine Abweichung bei der Oberflächenbehandlung sogenannter Stringer. Dabei handelt es sich um längs im Flugzeugrumpf verlaufende Bauteile, die gemeinsam mit weiteren Strukturelementen zur Stabilität des Rumpfes beitragen.
Airbus erklärte am Donnerstag, die Ursache des Problems sei identifiziert und eingedämmt worden. Zudem stehe bereits eine technische Lösung zur Verfügung. Entdeckt wurde die Abweichung demnach bei Nacharbeiten an Bauteilen in der laufenden Produktion.
Die fehlerhafte beziehungsweise nicht den vorgesehenen Anforderungen entsprechende Oberflächenbehandlung kann die Korrosionsbeständigkeit der betroffenen Strukturelemente verringern. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Bauteile bereits korrodiert sind oder ihre strukturelle Funktion verloren haben.
Airbus sieht deshalb keinen Grund, die betroffenen Maschinen aus dem Flugbetrieb zu nehmen. Bereits ausgelieferte A321neo können nach der derzeitigen Bewertung weiter eingesetzt werden. Angaben zu konkreten Fluggesellschaften oder einzelnen Flugzeugen veröffentlichte der Hersteller zunächst nicht.
Wie groß der Umfang tatsächlich ist, wurde von Airbus bislang nicht mit einer offiziellen Gesamtzahl beziffert. Nach Angaben einer mit dem Vorgang vertrauten Person gegenüber Reuters geht es um rund 500 Flugzeuge. Etwa 250 davon sollen sich bereits im kommerziellen Einsatz befinden, weitere rund 250 sollen sich noch in verschiedenen Stadien der Produktion befinden.
Diese Größenordnung ist damit bislang keine offiziell bestätigte Airbus Zahl. Zuvor hatte das Luftfahrtfachmedium The Air Current von mehr als 500 möglicherweise betroffenen Maschinen berichtet.
Auch die Aussage, dass die Langstreckenversion A321XLR nicht von diesem konkreten Problem betroffen sei, beruht auf Angaben aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen. Airbus veröffentlichte zunächst keine vollständige Liste der betroffenen Seriennummern.
Die Agentur der Europäischen Union für Flugsicherheit ist nach eigenen Angaben über den Qualitätsmangel informiert und steht dazu in engem Austausch mit Airbus. Die Behörde erklärte am Freitag, sie sehe aktuell keine unmittelbare Gefahr für die Sicherheit.
Die EASA will die weitere Entwicklung beobachten und prüfen, ob zusätzliche Maßnahmen erforderlich werden. Eine Stilllegung der betroffenen Flugzeuge wurde nicht angeordnet.
Damit stimmt die derzeitige Einschätzung der europäischen Aufsicht in einem wesentlichen Punkt mit der Bewertung von Airbus überein. Die Abweichung muss behoben werden, führt nach dem aktuellen Kenntnisstand aber nicht dazu, dass die betroffenen A321neo kurzfristig am Boden bleiben müssen.
Die betroffenen Stringer gehören zur inneren Struktur des Flugzeugrumpfes. Solche Bauteile erhalten Oberflächenbehandlungen und Beschichtungen, die das Material langfristig vor Korrosion schützen sollen. Entspricht diese Schutzschicht nicht der vorgesehenen Spezifikation, kann sich die Widerstandsfähigkeit gegenüber Umwelteinflüssen verringern.
Entscheidend ist deshalb, dass die betroffenen Bauteile identifiziert und entsprechend den Vorgaben nachbehandelt werden. Airbus erklärte, eine Abhilfemaßnahme sei bereits verfügbar. Wie aufwendig die Arbeiten an bereits ausgelieferten Maschinen sind und innerhalb welcher Wartungsintervalle sie durchgeführt werden sollen, war zunächst nicht vollständig öffentlich dokumentiert.
Für Fluggesellschaften bedeutet der aktuelle Stand deshalb vor allem zusätzlichen technischen Prüfungsbedarf und möglicherweise Wartungsarbeiten. Ein großflächiges Grounding der A321neo Flotte zeichnet sich auf Grundlage der derzeitigen Bewertung nicht ab.
Der A321neo ist die größte reguläre Variante der A320neo Familie und gehört zu den wichtigsten Verkehrsflugzeugen des europäischen Herstellers. Je nach Kabinenkonfiguration können bis zu 244 Passagiere befördert werden. Die Standardversion ist für Strecken von bis zu rund 4.000 nautischen Meilen ausgelegt, umgerechnet etwa 7.400 Kilometer.
Der aktuelle Fall trifft Airbus damit bei einem wirtschaftlich besonders bedeutenden Modell. Der Hersteller versucht zugleich, die Produktion seiner A320 Familie weiter hochzufahren.
Schon Ende 2025 war Airbus mit einem anderen Qualitätsproblem an Rumpfbauteilen der A320 Familie konfrontiert. Der jetzige Fund betrifft jedoch eine andere technische Abweichung. Im aktuellen Fall geht es um den Oberflächenschutz von Längsverstärkungen und damit um deren langfristige Korrosionsbeständigkeit. Nach dem derzeitigen Stand können die betroffenen Flugzeuge weiter eingesetzt werden, während Airbus und die EASA die notwendigen technischen Maßnahmen begleiten.






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