
Der Westdeutsche Rundfunk steht vor einem weitreichenden Umbau seines Programms und seiner internen Strukturen. Bis Ende 2027 sollen 76 lineare und digitale Angebote eingestellt werden. Gleichzeitig plant der Sender einen schrittweisen Personalabbau: Bis 2030 sollen 133 Stellen, die durch Verrentungen frei werden, nicht neu besetzt werden. Der WDR begründet den Kurs mit der veränderten Mediennutzung, steigenden Kosten und einer unsicheren Finanzierung. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert die Folgen für Beschäftigte und freie Medienschaffende.
Die jetzt angekündigten Einschnitte sind Teil einer längerfristigen Neuordnung. Der WDR hatte bereits im Frühjahr erklärt, die Zahl seiner Programmangebote deutlich reduzieren zu wollen. Das Portfolio umfasst derzeit rund 600 Angebote und soll bis 2030 auf höchstens 300 verkleinert werden. Gleichzeitig sollen bis zu 100 neue Angebote entwickelt werden, insbesondere für die digitale Nutzung.
In einem ersten Schritt streicht der WDR 76 Angebote bis Ende 2027. Nach Angaben des Senders geht es um Formate und Kanäle, die ihre Zielgruppen nicht ausreichend erreichen oder nicht mehr zu den strategischen Schwerpunkten passen.
Betroffen ist unter anderem das Fernsehmagazin „Frau tv“. Auch die WDR-4-Sendung „Satire am Sonntag“ sowie die digitalen Angebote „studio M“ und „Lisas Paarschitt“ sollen eingestellt werden. Beim Gesundheitsangebot rund um Doc Esser entfallen unter anderem der Podcast, die eigene Website, der Newsletter und eine Facebook-Gruppe.
Damit ist die Bereinigung des Portfolios noch nicht abgeschlossen. Über eine weitere Runde von Einstellungen will der WDR im Frühjahr 2027 entscheiden.
Neben kompletten Einstellungen plant der Sender Verschiebungen zwischen Fernsehen und digitalen Plattformen. Bei „Erlebnis Erde“ soll beispielsweise die reguläre Ausstrahlung im WDR Fernsehen entfallen. Dokumentationen will der Sender künftig vorrangig für die ARD-Mediathek produzieren. Eine Fernsehausstrahlung kann anschließend als Zweitverwertung folgen.
Auch das lineare Fernsehprogramm soll stärker gebündelt werden. Im Mittelpunkt steht künftig vor allem die Zeit zwischen 17 Uhr und 22.15 Uhr. In diesem Zeitraum erreicht der WDR nach eigenen Angaben besonders viele Zuschauerinnen und Zuschauer. Außerhalb dieses Fensters sollen häufiger Wiederholungen und bereits digital veröffentlichte Dokumentationen laufen.
Zugleich soll das regionale Angebot im Internet ausgebaut werden. Inhalte für Web, App und soziale Netzwerke sollen stärker von Beginn an für die digitale Nutzung produziert werden. Dazu gehört nach den bisherigen Plänen auch ein umfangreicheres digitales Angebot im Regionalsport.
Der Umbau betrifft auch das Personal. Bis 2030 will der WDR jede dritte Stelle, die aufgrund einer Verrentung frei wird, nicht erneut besetzen. Intendantin Katrin Vernau bezifferte dies auf 133 Stellen. Der Sender verfügt insgesamt über knapp 4.000 Stellen.
Die Zahl bedeutet damit nicht, dass 133 Beschäftigte entlassen werden sollen. Der geplante Personalabbau beim WDR soll vielmehr über frei werdende Stellen erfolgen.
Parallel verändert der Sender die Zusammensetzung seiner Belegschaft. Rund 20 Prozent der Stellen aus klassischen Produktionsbereichen sollen bis 2030 in technologieorientierte Aufgabenfelder verlagert werden. Außerdem sollen Produktionsstrukturen gebündelt sowie die Zahl der Regien und Studioflächen reduziert werden.
Bei Dokumentationen und Unterhaltung will der WDR künftig stärker mit externen Produktionsunternehmen und Dienstleistern arbeiten.
Folgen sind auch für freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angekündigt. Das Auftragsvolumen für Freie werde sinken. Wie viele Menschen davon betroffen sein werden, konnte der WDR bislang nicht beziffern.
Verdi geht von erheblichen Auswirkungen aus. Nach Einschätzung der Gewerkschaft können Festangestellte von Versetzungen betroffen sein. Bei freien Medienschaffenden erwartet sie teilweise deutliche Einschränkungen ihrer bisherigen Beschäftigungsmöglichkeiten.
Verdi kritisiert zudem den Umgang der WDR-Führung mit dem Umbau. Die Gewerkschaft bemängelt, dass Beschäftigte und Rundfunkrat aus ihrer Sicht nicht ausreichend früh und offen in die Planungen einbezogen worden seien. Bereits Mitte September hatte auch der WDR-Rundfunkrat bei der weiteren Umsetzung der Reformziele ausdrücklich eine transparente Gestaltung der Veränderungsprozesse und eine frühzeitige Beteiligung von Gremien und Mitarbeitenden angemahnt.
Die Neuordnung geht über Programm und Personal hinaus. Bis Ende 2028 will der WDR die von ihm genutzten Büro- und Produktionsflächen im Vergleich zu 2017 um rund 100.000 Quadratmeter verkleinern. Damit sollen langfristig Infrastrukturkosten sinken.
Der Umbau ist Teil einer strategischen Neuausrichtung bis 2030. Der WDR will einen größeren Anteil seiner Ressourcen aus dem klassischen Radio- und Fernsehprogramm in digitale Angebote verschieben. Derzeit fließen nach Angaben des Senders noch mehr als drei Viertel der Ressourcen in lineare Programme.
Damit verändert sich nicht nur, welche Sendungen der WDR anbietet. Auch Produktion, Personal und Verbreitung sollen stärker darauf ausgerichtet werden, dass ein wachsender Teil des Publikums Nachrichten, Dokumentationen und Unterhaltung nicht mehr nach einem festen Fernseh- oder Radioprogramm nutzt, sondern über Mediatheken, Apps und soziale Plattformen.
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