
Nach zwei Jahren ohne nennenswerte Fortschritte steigt der Frauenanteil in den Vorständen der größten deutschen Börsenkonzerne wieder. Das zeigt der am Mittwoch, 28. Oktober 2026, vorgestellte Herbstbericht der AllBright Stiftung. Besonders die 40 DAX-Unternehmen haben ihren Anteil weiblicher Führungskräfte erhöht. In der deutschen Automobilindustrie sind Frauen in den obersten Führungsgremien dagegen weiterhin deutlich unterrepräsentiert.
Der Frauenanteil in DAX-Vorständen lag zum Stichtag 1. September 2026 bei 28,5 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg um 2,8 Prozentpunkte. Zuvor hatte sich die Entwicklung über zwei Jahre kaum verändert.
Die deutsch-schwedische AllBright Stiftung untersucht regelmäßig die Zusammensetzung der Führungsgremien der 160 Unternehmen in DAX, MDAX und SDAX. Zum zehnjährigen Bestehen ihrer Untersuchungen hat sie außerdem die langfristige Entwicklung ausgewertet.
Dabei zeigt sich eine deutliche Veränderung: Im Jahr 2016 lag der Frauenanteil in den Vorständen der untersuchten Unternehmen bei lediglich 6,5 Prozent. Inzwischen sind es rund 21 Prozent.
Der Fortschritt verteilt sich allerdings ungleichmäßig. Während die größten börsennotierten Konzerne zunehmend Frauen in ihre Führungsteams aufnehmen, fällt der Anteil bei mittelgroßen und kleineren Unternehmen wesentlich niedriger aus.
Besonders auffällig ist die Zusammensetzung der Vorstände deutscher Automobilhersteller. Nach der aktuellen AllBright-Auswertung haben BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen jeweils nur eine Frau in ihren sieben beziehungsweise acht Personen umfassenden Vorstandsteams.
Auch bei Porsche und dem Nutzfahrzeughersteller TRATON ist nach den untersuchten Daten jeweils nur eine Vorstandsposition weiblich besetzt.
Eine Ausnahme bildet Daimler Truck. Der Nutzfahrzeugkonzern verfügt über drei weibliche Vorstandsmitglieder und wird selbst von einer Frau geführt.
Damit unterscheiden sich die Führungsstrukturen innerhalb derselben Branche deutlich. Während einige Unternehmen mehrere Frauen in ihren Vorstand berufen haben, beschränken sich andere weiterhin auf eine einzige weibliche Führungskraft.
Auch zwischen den verschiedenen Börsenindizes bestehen erhebliche Unterschiede. Im MDAX lag der Frauenanteil in den Vorständen laut AllBright bei 19,1 Prozent. Im SDAX erreichte er lediglich 14 Prozent.
Besonders deutlich wird der Unterschied bei Unternehmen, deren Vorstände ausschließlich aus Männern bestehen. Insgesamt traf dies zum Untersuchungsstichtag auf 58 der 160 betrachteten Gesellschaften zu. Davon gehörten 57 dem MDAX oder SDAX an.
Im DAX sieht die Verteilung anders aus. Bereits jedes vierte der 40 Unternehmen erreichte einen Frauenanteil von mindestens 40 Prozent im Vorstand.
Langfristig hat sich die Zahl der Unternehmen ohne weibliche Vorstandsmitglieder deutlich verringert. Im Jahr 2016 waren noch 122 der 160 untersuchten Gesellschaften ausschließlich männlich geführt.
Bei der Besetzung großer Vorstände spielt auch die gesetzliche Regelung zur Beteiligung von Frauen eine Rolle.
Nach Paragraf 76 Absatz 3a des Aktiengesetzes muss in Vorständen bestimmter börsennotierter und mitbestimmter Unternehmen mit mehr als drei Mitgliedern mindestens eine Frau und mindestens ein Mann vertreten sein.
Eine paritätische Besetzung schreibt diese Bestimmung dagegen nicht vor. Bei einem Vorstand mit acht Mitgliedern reicht deshalb eine einzige Frau aus, um die gesetzliche Mindestanforderung zu erfüllen.
Die Verpflichtung gilt zudem nicht für sämtliche börsennotierten Gesellschaften. Entscheidend sind unter anderem die Mitbestimmungsstruktur und die Größe des Vorstands.
Damit erklärt sich auch, weshalb kleinere Börsenunternehmen weiterhin vollständig männlich besetzte Führungsgremien haben können, ohne automatisch gegen gesetzliche Vorgaben zu verstoßen.
Im internationalen Vergleich haben die deutschen DAX-Unternehmen ihren Rückstand zuletzt etwas verringert. Nach den aktuellen AllBright-Daten lag der Frauenanteil in den Vorständen der 40 größten Unternehmen in Deutschland bei 28,5 Prozent und damit nahezu gleichauf mit Schweden, das 28,7 Prozent erreichte.
Großbritannien, Frankreich und die USA lagen weiterhin vor Deutschland. Zugleich fiel der jüngste Anstieg des Frauenanteils unter den untersuchten großen Börsenunternehmen in Deutschland stärker aus als in den Vergleichsländern.
Die Entwicklung zeigt damit zwei unterschiedliche Tendenzen: In den größten deutschen Konzernen wächst der Anteil weiblicher Führungskräfte wieder. In vielen mittelgroßen Unternehmen und insbesondere in Teilen der Automobilindustrie sind Frauen an der Unternehmensspitze dagegen weiterhin deutlich seltener vertreten als Männer.
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