
Der US-Technologiekonzern Amazon hat im dritten Quartal 2026 seinen Umsatz deutlich gesteigert und im Cloudgeschäft das stärkste Wachstum seit fast fünf Jahren erzielt. Dennoch geriet die Amazon-Aktie am Donnerstagabend (29. Oktober) im nachbörslichen US-Handel unter Druck. Belastend wirkten die verfehlten Gewinnerwartungen, der Ausblick auf das wichtige Weihnachtsgeschäft und die weiterhin außergewöhnlich hohen Investitionen in künstliche Intelligenz.
Amazon steigerte seinen Umsatz im dritten Quartal um zwölf Prozent auf 201,9 Milliarden US-Dollar. Ein Jahr zuvor waren es 180,2 Milliarden Dollar gewesen. Damit blieb der Konzern leicht hinter den Erwartungen von Analysten zurück.
Der Nettogewinn ging von 21,2 Milliarden auf 20,7 Milliarden Dollar zurück. Je Aktie verdiente Amazon 1,89 Dollar, nach 1,95 Dollar im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem höheren Ergebnis gerechnet.
Beim operativen Gewinn entwickelte sich das Geschäft dagegen deutlich besser. Dieser stieg von 17,4 Milliarden auf 28,1 Milliarden Dollar. Die operative Gewinnmarge erreichte mit 13,9 Prozent einen neuen Höchstwert für den Konzern.
Dass der Nettogewinn trotz des deutlich höheren operativen Ergebnisses zurückging, lag vor allem an einem Sondereffekt im Vorjahr. Damals hatte Amazon erhebliche Bewertungsgewinne aus seiner Beteiligung am KI-Unternehmen Anthropic verbucht.
Besonders stark entwickelte sich Amazon Web Services (AWS). Die Cloudsparte steigerte ihren Quartalsumsatz um 39,3 Prozent auf rund 46 Milliarden Dollar. Das war das höchste Wachstumstempo seit nahezu fünf Jahren.
Auch die Profitabilität verbesserte sich. Der operative Gewinn von AWS erhöhte sich von 11,4 Milliarden auf 17,8 Milliarden Dollar. Damit erwirtschaftete das Cloudgeschäft einen erheblichen Teil des gesamten operativen Konzernergebnisses.
AWS stellt Unternehmen unter anderem Rechenleistung, Datenspeicher und Infrastruktur für Anwendungen mit künstlicher Intelligenz zur Verfügung. Die steigende Nachfrage nach entsprechenden Dienstleistungen ist ein wichtiger Wachstumstreiber des Konzerns.
Im Wettbewerb mit Microsoft und Google zählt Amazon damit weiterhin zu den wichtigsten Anbietern globaler Cloudinfrastruktur.
Parallel zum kräftigen Wachstum investiert Amazon erhebliche Summen in den Ausbau seiner technischen Infrastruktur. Für das Gesamtjahr 2026 hält der Konzern an geplanten zahlungswirksamen Investitionen von rund 220 Milliarden Dollar fest.
Ein wesentlicher Teil dieser Ausgaben entfällt auf den Ausbau von Rechenzentren und die Infrastruktur für künstliche Intelligenz.
Die Folgen zeigen sich beim freien Cashflow. In den zurückliegenden zwölf Monaten verzeichnete Amazon einen Mittelabfluss von 42,4 Milliarden Dollar. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte der Konzern noch einen positiven freien Cashflow von 14,8 Milliarden Dollar erzielt.
Damit stehen den steigenden operativen Gewinnen erhebliche Investitionsausgaben gegenüber. Für Anleger ist insbesondere relevant, wie schnell die zusätzliche Infrastruktur künftig weitere Umsätze und Erträge erwirtschaften kann.
Für das vierte Quartal 2026 rechnet Amazon mit einem Umsatz zwischen 240 und 247 Milliarden Dollar. Das entspricht einem erwarteten Anstieg von zwölf bis 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Mittelwert der Prognosespanne liegt bei 243,5 Milliarden Dollar und damit unter der durchschnittlichen Analystenerwartung von rund 244,5 Milliarden Dollar.
Beim operativen Gewinn erwartet der Konzern für die letzten drei Monate des Jahres zwischen 28,5 und 33,5 Milliarden Dollar. Im Vorjahresquartal waren es 25 Milliarden Dollar.
Das vierte Quartal ist wegen des Weihnachtsgeschäfts für Amazon besonders bedeutend. Neben dem klassischen Onlinehandel spielen dabei auch Dienstleistungen für externe Händler, Werbung und das Cloudgeschäft eine wichtige Rolle.
Amazon verwies zudem auf eine Besonderheit beim Umsatzvergleich. Der Aktionstag Prime Day fand 2026 in den meisten großen Märkten bereits im zweiten Quartal statt. Im Vorjahr war er vollständig ins dritte Quartal gefallen. Ohne diese Verschiebung wäre das Umsatzwachstum nach Unternehmensangaben rechnerisch um etwa vier Prozentpunkte höher ausgefallen.
An der US-Technologiebörse Nasdaq hatte die Amazon-Aktie den regulären Handel am Donnerstag bereits mit einem Minus von rund 4,3 Prozent bei 243,79 Dollar beendet. Schlusskurs war um 21 Uhr mitteleuropäischer Zeit.
Nach Bekanntgabe der Quartalszahlen setzte sich der Kursrückgang fort. Im nachbörslichen Handel verlor das Papier zunächst mehr als fünf Prozent gegenüber dem regulären Schlusskurs. Die Kursbewegung war damit noch vorläufig.
Die Reaktion verdeutlicht die unterschiedlichen Entwicklungen innerhalb des Konzerns. Während AWS ein außergewöhnlich starkes Wachstum erzielt und die operative Profitabilität von Amazon steigt, bleiben die hohen Investitionsausgaben eine erhebliche finanzielle Belastung.
Die Quartalszahlen zeigen damit auch einen grundlegenden Konflikt im Technologiesektor. Große Cloudanbieter investieren Milliardenbeträge in neue Rechenzentren und KI-Technologie. Gleichzeitig müssen sie ihre Aktionäre davon überzeugen, dass diese Ausgaben langfristig ausreichend zusätzliche Gewinne ermöglichen.
Stand der Kursangaben: 29. Oktober 2026, regulärer US-Börsenschluss um 21 Uhr MEZ und anschließender nachbörslicher Handel. Quellen: Amazon, Reuters, Associated Press und Nasdaq-Kursdaten.
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