IG Metall kündigt Warnstreiks ab Sonntag an: Streit um Löhne und Arbeitsplätze verschärft sich

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In der deutschen Metall- und Elektroindustrie stehen ab Sonntag, 1. November 2026, Warnstreiks bevor. Die IG Metall hat das erste Lohnangebot der Arbeitgeber zurückgewiesen und will nach Ablauf der Friedenspflicht den Druck erhöhen. Gewerkschaftschefin Christiane Benner kritisiert das Angebot scharf. Im Mittelpunkt des Tarifstreits stehen die Einkommen und Arbeitsbedingungen von rund 3,7 Millionen Beschäftigten.

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IG Metall will ab 1. November mit Warnstreiks Druck machen

Die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie haben auch in der zweiten Gesprächsrunde keine Einigung gebracht. Die Arbeitgeber hatten am Dienstag, 27. Oktober, erstmals ein bundesweit abgestimmtes Angebot vorgelegt. Die IG Metall lehnte es als unzureichend ab.

Am Samstag, 31. Oktober, endet die tarifvertragliche Friedenspflicht. Damit sind ab Sonntag um Mitternacht Warnstreiks möglich. In mehreren Tarifgebieten hat die Gewerkschaft bereits Arbeitsniederlegungen angekündigt. Welche Unternehmen zu welchem Zeitpunkt betroffen sein werden, stand zunächst nicht flächendeckend fest.

Die Tarifverhandlungen werden in 15 regionalen Tarifgebieten geführt. Die unterschiedlichen Verhandlungstermine und Entscheidungen der zuständigen Tarifkommissionen bestimmen auch den weiteren Verlauf der Protestaktionen.

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Gewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Geld

Die IG Metall verlangt für die Beschäftigten fünf Prozent höhere Entgelte bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Auch die Ausbildungsvergütungen sollen steigen. Arbeitnehmer in niedrigeren Entgeltgruppen sollen zusätzlich profitieren.

Darüber hinaus fordert die Gewerkschaft bessere tarifliche Regelungen zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Produktionsstandorten. Beschäftigte in wirtschaftlich besonders erfolgreichen Unternehmen sollen außerdem an den Gewinnen beteiligt werden.

Hinter diesen Forderungen steht die unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklung innerhalb der Industrie. Während insbesondere Teile der Automobilbranche und ihrer Zulieferer unter erheblichem Druck stehen, entwickeln sich andere Industriezweige wie die Luft- und Raumfahrt oder die Energietechnik günstiger.

Die IG Metall will diese Unterschiede stärker in den Tarifverträgen berücksichtigen und zugleich die Kaufkraft der Beschäftigten stärken.

Arbeitgeber bieten dauerhafte Lohnerhöhung erst 2028

Das Angebot der Arbeitgeber liegt deutlich unter den Forderungen der Gewerkschaft. Vorgesehen ist eine Einmalzahlung im Juli 2027 in Höhe von einem Prozent des durchschnittlichen tariflichen Jahresbruttoentgelts im jeweiligen Tarifgebiet.

Eine dauerhafte Erhöhung der Entgelttabellen um 1,3 Prozent soll erst am 1. Juli 2028 folgen. Die vorgeschlagene Laufzeit beträgt insgesamt 26 Monate und endet am 31. Dezember 2028.

Die Einmalzahlung soll zudem von der wirtschaftlichen Situation eines Unternehmens abhängig gemacht werden können. Betriebe mit einer schwachen Ertragslage könnten sie unter bestimmten Voraussetzungen verschieben oder aussetzen.

Die Arbeitgeber wollen außerdem mehr Möglichkeiten für betriebliche Sonderregelungen schaffen, um Investitionen und Beschäftigung zu sichern. Auch über Krankenstände, Krankheitskosten und den Einsatz künstlicher Intelligenz möchten sie sprechen.

Nach Darstellung des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall ist die schwierige wirtschaftliche Situation der Branche ein wesentlicher Grund für das zurückhaltende Angebot. Verbandspräsident Udo Dinglreiter verweist auf hohe Produktionskosten und den Verlust industrieller Arbeitsplätze in Deutschland.

Christiane Benner kritisiert Arbeitgeberangebot scharf

IG-Metall-Chefin Christiane Benner hat den Arbeitgebern eine erhebliche Verschärfung des Tarifkonflikts vorgeworfen. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, über das am Donnerstag vorab berichtet wurde, bezeichnete sie das vorgelegte Lohnangebot als völlig inakzeptabel.

Benner erklärte, die Arbeitgeber hätten mit ihrer Offerte selbst dafür gesorgt, dass es nun zu Warnstreiks komme. Ohne eine deutliche Veränderung ihrer Position sei eine weitere Zuspitzung des Konflikts zu erwarten.

Auch bei den geforderten betrieblichen Sonderregelungen sieht die Gewerkschaft erheblichen Gesprächsbedarf. Eine stärkere Flexibilisierung der Tarifverträge setze Vertrauen zwischen den Tarifparteien voraus. Dieses werde durch das aktuelle Arbeitgeberangebot nicht gestärkt, machte Benner deutlich.

Metallindustrie steht wirtschaftlich unter Druck

Die Tarifauseinandersetzung fällt in eine schwierige Phase für große Teile der deutschen Industrie. Insbesondere Automobilhersteller, Zulieferunternehmen und der Maschinenbau sind mit hohen Kosten, strukturellen Veränderungen und einem zunehmenden internationalen Wettbewerbsdruck konfrontiert.

Die Arbeitgeber argumentieren, dass zusätzliche Lohnkosten die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen weiter belasten könnten. Sie verweisen außerdem auf bereits vereinbarte Entgelterhöhungen. Erst im April 2026 waren die tariflichen Entgelte um 3,1 Prozent gestiegen.

Die IG Metall hält dagegen, dass eine zu geringe Lohnentwicklung die Kaufkraft der Beschäftigten schwächen würde. Außerdem dürften wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen nicht mit Betrieben gleichgesetzt werden, die sich in einer Krise befänden.

Damit geht der Tarifstreit über die unmittelbare Lohnfrage hinaus. Verhandelt wird auch darüber, wie Unternehmen ihre Standorte sichern und Beschäftigte an einer möglichen wirtschaftlichen Erholung beteiligt werden können.

Weitere Verhandlungen für November vorgesehen

Die Warnstreiks ab Sonntag sollen den Druck auf die Arbeitgeber vor den nächsten Verhandlungsrunden erhöhen. Anfang November sollen die Gespräche fortgesetzt werden. In einzelnen Tarifgebieten standen die genauen Termine zunächst noch nicht fest.

Für den Tarifbezirk Küste war beispielsweise eine weitere Verhandlungsrunde am 6. November vorgesehen. In anderen Regionen waren die Planungen noch nicht abgeschlossen.

Nicht sämtliche Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie sind automatisch von der Tarifrunde erfasst. Volkswagen verfügt beispielsweise über einen eigenen Haustarifvertrag und fällt damit nicht unter den aktuellen Flächentarifkonflikt.

Für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten im Geltungsbereich der regionalen Tarifverhandlungen ist eine Einigung weiterhin offen. Entscheidend wird sein, ob die Arbeitgeber ihr bisheriges Angebot verändern und beide Seiten bei den zusätzlichen Forderungen zum Schutz von Standorten und Arbeitsplätzen eine gemeinsame Grundlage finden.

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