
Die Große Drüsenameise breitet sich in Deutschland weiter aus. Neue Zahlen aus mehreren Bundesländern zeigen, dass Tapinoma magnum inzwischen an zahlreichen Orten nachgewiesen ist und stellenweise riesige zusammenhängende Kolonien bildet. Besonders betroffen ist der Südwesten. In Baden-Württemberg ist die invasive Ameisenart inzwischen in rund 90 Städten und Gemeinden in fast 25 Land- und Stadtkreisen nachgewiesen. Auch aus Hessen werden deutlich mehr bestätigte Vorkommen gemeldet als noch vor wenigen Jahren.
Eine besonders große Ameisen-Superkolonie befindet sich im Karlsruher Stadtteil Neureut. Das dort betroffene Gebiet erstreckt sich nach Angaben zur aktuellen Lage auf rund 100 Hektar. Damit gehört das Vorkommen zu den größten bekannten Ansiedlungen der Art in Deutschland. Bereits im Frühjahr hatte die Stadt Karlsruhe mehrere Kolonien im Stadtgebiet erfasst. Neben Neureut gelten auch Vorkommen in anderen Stadtteilen als Superkolonien.
Auch in Hessen wird die Ausbreitung inzwischen systematisch erfasst. Seit dem Start eines Bestimmungsservices des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie gingen innerhalb weniger Monate mehr als 300 Verdachtsmeldungen ein. Bis Ende September waren 45 Funde bestätigt. Fachleute prüfen eingereichte Bilder und Nachweise, um die Große Drüsenameise von ähnlichen Arten unterscheiden zu können.
Eines der größeren bekannten hessischen Vorkommen befindet sich im Gelnhäuser Stadtteil Meerholz. Dort kartierte ein Fachgutachter am 11. August 2026 ein Befallsgebiet von etwa 12,2 Hektar. Nach Einschätzung des Gutachters handelt es sich um eine Superkolonie. Besonders stark betroffen ist ein Bereich rund um die Straße Ziegelei. Die Stadt bereitet eine koordinierte Bekämpfung vor.
Der Begriff Superkolonie beschreibt nicht einfach ein besonders großes einzelnes Ameisennest. Tapinoma magnum bildet zahlreiche miteinander verbundene oder eng zusammenwirkende Nester. Anders als bei vielen heimischen Ameisenarten können in solchen Verbänden zahlreiche Königinnen leben. Zwischen benachbarten Teilnestern derselben Kolonie kommt es nicht zu den ausgeprägten Revierkämpfen, die das Wachstum vieler anderer Ameisenvölker begrenzen.
Dadurch kann sich ein zusammenhängender Verband über Grundstücke, Straßenzüge und größere Siedlungsflächen ausdehnen. Arbeiterinnen nutzen Fugen, Pflasterflächen, Mauern und andere geschützte Bereiche. Die unterirdischen Neststrukturen können sich weit verzweigen. In großen Kolonien leben Millionen Tiere, bei besonders ausgedehnten Vorkommen kann ihre Zahl deutlich höher liegen.
Tapinoma magnum stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Nach Angaben des Umweltbundesamtes erfolgt die Verschleppung nach Deutschland überwiegend über Warenlieferungen und insbesondere über mediterrane Pflanzen. Dazu gehören etwa Oliven- und Feigenbäume oder Palmen. Befinden sich Ameisen oder Teile einer Kolonie in den Wurzelballen, können sie unbemerkt an neue Standorte gelangen.
Das Bundesamt für Naturschutz führt die Große Drüsenameise als potenziell invasive Art auf seiner Beobachtungsliste. In Deutschland wurde sie erstmals 2009 nachgewiesen. Mittlerweile gilt die Art als etabliert. Sie steht allerdings nicht auf der Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten der EU-Verordnung, weil ihr natürliches Verbreitungsgebiet auch Teile der Europäischen Union umfasst.
Problematisch wird ein Befall vor allem durch die enorme Größe der Kolonien. Die Ameisen legen ihre Nester bevorzugt in warmen und trockenen Bereichen von Siedlungen an. Durch das Ausschachten von Erde können Pflastersteine und Gehwegplatten instabil werden. Die Tiere dringen außerdem in Gebäude ein und können dort Fassadenbereiche oder elektrische Einrichtungen beeinträchtigen. Auch Störungen von Strom- und Datenleitungen sind an stark betroffenen Standorten möglich.
Eine unmittelbare Gesundheitsgefahr für Menschen besteht nach Angaben des Umweltbundesamtes nicht. Die Tiere können sich jedoch verteidigen und ein Wehrsekret abgeben. Gleichzeitig gibt es ökologische Folgen. Wo sich große Kolonien von Tapinoma magnum etablieren, werden andere Ameisenarten zurückgedrängt. Eine sichere Bestimmung ist schwierig, weil mehrere Tapinoma-Arten äußerlich sehr ähnlich aussehen.
Seit 2025 koordinieren die Staatlichen Museen für Naturkunde Stuttgart und Karlsruhe ein Forschungsprojekt zu Tapinoma. Untersucht werden unter anderem die Ausbreitungsmechanismen der Tiere und Möglichkeiten, ihre weitere Verbreitung vorherzusagen. Außerdem sollen Verfahren entwickelt und bewertet werden, mit denen etablierte Kolonien möglichst wirksam eingedämmt werden können.
Die vollständige Beseitigung großer Superkolonien gilt als ausgesprochen schwierig. Kommunen setzen unter anderem Heißwasserverfahren, Fraßköder und professionelle Schädlingsbekämpfung ein. Karlsruhe behandelt betroffene Flächen beispielsweise mit einem speziellen Heißwassergerät. Entscheidend ist dabei ein flächendeckendes Vorgehen, weil unbehandelte Teilnester die Population erneut vergrößern können.
Die aktuellen Nachweise zeigen, dass die Große Drüsenameise inzwischen kein auf einzelne Fundorte begrenztes Phänomen mehr ist. Die zahlreichen bestätigten Vorkommen in Baden-Württemberg und die zunehmenden Funde in Hessen dokumentieren eine weitere Ausbreitung. Gleichzeitig wächst das Wissen darüber, wie die Tiere Superkolonien bilden und welche Maßnahmen ihre Ausbreitung zumindest begrenzen können.






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