
Der geplante Börsengang des US-KI-Unternehmens Anthropic soll auch deutschen Privatanlegern offenstehen. Trade Republic hat angekündigt, als zugelassener Broker an der Aktienausgabe teilzunehmen. Auch Revolut und weitere Finanzdienstleister sind für das internationale Angebot vorgesehen. Anthropic hat am Dienstag, 3. November 2026, eine entsprechende Liste veröffentlicht. Wann die Zeichnung beginnt und zu welchem Preis die Aktien ausgegeben werden, ist allerdings noch offen.
Der Berliner Neobroker Trade Republic hatte seine Kunden bereits am Montagabend über die geplante Beteiligung am Anthropic-Börsengang informiert. Das Unternehmen will als zugelassener Broker auftreten und weitere Einzelheiten in den kommenden Tagen bekannt geben. Damit könnten Kunden Aktien des Entwicklers des KI-Assistenten Claude bereits vor dem ersten regulären Börsenhandel zeichnen.
Auch der britische Finanzdienstleister Revolut hat gegenüber der WirtschaftsWoche bestätigt, seinen Kunden die Teilnahme ermöglichen zu wollen. Eine unabhängige Grundlage für die geplante Beteiligung beider Anbieter liefert zudem Anthropic selbst: Das US-Unternehmen führt Trade Republic und Revolut ausdrücklich unter den vorgesehenen Finanzintermediären auf.
Die Liste umfasst für den Europäischen Wirtschaftsraum beziehungsweise die Schweiz insgesamt elf Anbieter. Neben den beiden Finanzplattformen gehören unter anderem die Deutsche Bank, BNP Paribas, Crédit Agricole, flatexDEGIRO, eToro, Interactive Brokers, Saxo Bank, Nordnet und UBS dazu.
Die gemeinsame Aufstellung bedeutet allerdings nicht automatisch, dass jeder Anbieter in sämtlichen aufgeführten Ländern eine Zeichnung anbieten wird. Welche konkreten Bedingungen für deutsche Kunden gelten, ist noch nicht vollständig bekannt.
Anthropic will Privatanleger in Deutschland und acht weiteren Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums berücksichtigen. Vorgesehen sind Angebote in Dänemark, Finnland, Frankreich, Irland, den Niederlanden, Norwegen, Spanien und Schweden. Hinzu kommt die Schweiz.
Auch außerhalb Europas sollen Privatanleger beteiligt werden können. Das Unternehmen nennt Australien, Kanada, Japan und Großbritannien als weitere Märkte.
Die Aktien selbst sollen nach den bisherigen Planungen nicht an europäischen Börsen notiert werden. Stattdessen hat Anthropic eine Zulassung zum Nasdaq Global Select Market in den USA unter dem Börsenkürzel ANT beantragt.
Für das europäische Aktienangebot ist ein gesonderter Verkaufsprospekt vorgesehen. Dieser soll von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin, gebilligt und anschließend veröffentlicht werden. Erst auf dieser Grundlage können die endgültigen Bedingungen des europäischen Angebots festgelegt werden.
Für Trade Republic wäre der Anthropic-Börsengang nicht der erste Zugang zu einer großen amerikanischen Neuemission. Bereits im Juni 2026 konnten Kunden des Neobrokers beim Börsengang des Raumfahrtunternehmens SpaceX Aktien vor der ersten regulären Börsennotierung zeichnen.
Dabei gaben Anleger über die App an, welchen Betrag sie investieren wollten. Die endgültige Zahl der zugeteilten Aktien hing von der verfügbaren Menge und der Nachfrage ab.
Eine Zeichnung ist grundsätzlich noch kein abgeschlossener Aktienkauf. Anleger melden zunächst ihr Interesse an einer bestimmten Anzahl von Aktien oder einem bestimmten Investitionsbetrag an. Über die tatsächliche Zuteilung wird anschließend entschieden.
Bei stark nachgefragten Börsengängen können Anleger deshalb deutlich weniger Aktien erhalten als ursprünglich beantragt. Auch eine vollständige Nichtberücksichtigung ist möglich.
Ob Trade Republic beim Anthropic-Börsengang dieselben Gebühren und Zuteilungsverfahren wie bei SpaceX anwenden wird, war am Dienstag noch nicht abschließend bekannt.
Der geplante Anthropic-Börsengang ist inzwischen über erste Ankündigungen hinausgegangen. Das Unternehmen veröffentlichte am 26. Oktober 2026 einen Registrierungsentwurf bei der US-Börsenaufsicht SEC. Am 2. November folgte eine aktualisierte Fassung mit zusätzlichen Finanzdaten.
Allerdings enthält der vorläufige Prospekt weiterhin keine verbindliche Preisspanne und keine endgültige Anzahl der angebotenen Aktien. Auch der genaue Börsentermin steht noch nicht fest.
Als mögliches Zeitfenster gilt die zweite Novemberhälfte 2026. Ein konkreter erster Handelstag wurde von Anthropic bislang nicht bestätigt.
Damit sind auch Aussagen über den endgültigen Börsenwert des Unternehmens noch nicht möglich. Dieser hängt unter anderem vom Ausgabepreis und der Zahl der nach dem Börsengang ausstehenden Aktien ab.
Mit der aktualisierten SEC-Einreichung hat Anthropic weitere Einblicke in seine Geschäftsentwicklung ermöglicht. Das Unternehmen meldete für die ersten neun Monate 2026 einen Umsatz von rund 33,2 Milliarden US-Dollar. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es rund 2,5 Milliarden Dollar.
Dem kräftigen Wachstum stehen weiterhin hohe Ausgaben gegenüber. Für Rechenleistung und Infrastruktur verbuchte Anthropic in den ersten neun Monaten 2026 Aufwendungen von rund 18,8 Milliarden Dollar. Der operative Verlust lag im selben Zeitraum bei etwa 1,26 Milliarden Dollar.
Diese Zahlen verdeutlichen die finanziellen Dimensionen des Geschäfts mit leistungsfähigen KI-Modellen. Für die Entwicklung, den Betrieb und die Bereitstellung solcher Systeme benötigen Unternehmen große Rechenkapazitäten.
Der Börsengang würde Anthropic Zugang zu zusätzlichem Eigenkapital ermöglichen. Nach Angaben im SEC-Prospekt sollen mögliche Einnahmen unter anderem für den laufenden Geschäftsbetrieb, Investitionen in Recheninfrastruktur und die Beschäftigung weiterer Fachkräfte verwendet werden.
Trotz der Ankündigungen können Privatanleger derzeit noch keine regulären Anthropic-Aktien im Rahmen des geplanten Börsengangs zeichnen. Zunächst müssen die maßgeblichen Angebotsunterlagen und die konkreten Zeichnungsbedingungen vorliegen.
Dazu gehören insbesondere der Zeitraum für die Zeichnung, mögliche Mindestbeträge, Gebühren und das Verfahren zur Verteilung der Aktien.
Auch ein erfolgreicher Börsengang würde keine Kursgewinne garantieren. Der erste Börsenkurs kann über oder unter dem festgelegten Ausgabepreis liegen. Anthropic weist im Zusammenhang mit dem europäischen Aktienangebot ausdrücklich auf die Risiken einer Aktienanlage bis hin zum möglichen Totalverlust hin.
Mit der geplanten Beteiligung von Trade Republic, Revolut und weiteren Anbietern könnte der Zugang zu internationalen Börsengängen für deutsche Privatanleger breiter werden. Ob und in welchem Umfang Anleger tatsächlich Anthropic-Aktien erhalten, entscheidet sich jedoch erst mit den endgültigen Angebotsbedingungen und der Zuteilung.
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