
Die Applied-Materials-Aktie fällt trotz Rekordzahlen deutlich. Dabei hat der US-Halbleiterausrüster in seinem dritten Geschäftsquartal 2026 sowohl beim Umsatz als auch beim bereinigten Gewinn die Erwartungen übertroffen. Auch die Prognose für das laufende vierte Geschäftsquartal lag über dem Analystenkonsens. An der Börse reichte das dennoch nicht aus. Die Aktie schloss am Freitag, 14. August, bei 507,18 Dollar und damit 5,12 Prozent niedriger. Zeitweise war der Abschlag noch größer.
Applied Materials legte seine Zahlen am Donnerstag, 13. August, nach US-Börsenschluss vor. Berichtet wurde über das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026, das am 26. Juli endete. Der Umsatz erreichte mit 9,115 Milliarden Dollar einen Rekordwert und lag 25 Prozent über dem Vorjahresquartal. Nach Daten von LSEG hatten Analysten im Durchschnitt mit rund 8,99 Milliarden Dollar gerechnet.
Der Gewinn je Aktie nach US-Rechnungslegung stieg von 2,22 auf 3,17 Dollar. Auf bereinigter Basis verdiente Applied Materials 3,50 Dollar je Aktie nach 2,48 Dollar im Vorjahr. Der von FactSet erfasste Konsens hatte bei etwa 3,40 Dollar gelegen. Auch die Profitabilität verbesserte sich. Die bereinigte Bruttomarge stieg von 48,9 auf 50,4 Prozent.
Für das vierte Geschäftsquartal stellt Applied Materials einen Umsatz von rund 10,25 Milliarden Dollar in Aussicht. Die mögliche Spanne reicht jeweils 500 Millionen Dollar nach oben oder unten. Das Unternehmen erwartet zudem einen bereinigten Gewinn je Aktie von rund 4,02 Dollar mit einer Bandbreite von 20 Cent.
Damit liegen beide Mittelpunkte oberhalb der damaligen Konsensschätzungen. LSEG bezifferte die durchschnittliche Umsatzerwartung auf etwa 9,54 Milliarden Dollar und die Gewinnerwartung auf 3,69 Dollar je Aktie. Applied Materials rechnet zugleich mit einer bereinigten Bruttomarge von rund 50,4 Prozent. Gerade dieser weitgehend unveränderte Margenausblick wurde von Teilen des Marktes als weniger dynamisch bewertet als erhofft.
Das wichtigste Geschäftsfeld Semiconductor Systems steigerte seinen Quartalsumsatz auf 7,04 Milliarden Dollar. Das waren 27 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und 18 Prozent mehr als im vorangegangenen Quartal. Foundry, Logic und andere Anwendungen machten 67 Prozent dieses Segmentumsatzes aus. Der Anteil von DRAM stieg von 22 auf 26 Prozent, während Flash-Speicher auf sieben Prozent kam. Nach Unternehmensangaben legten die DRAM-Erlöse einschließlich HBM-Packaging gegenüber dem Vorjahr um 52 Prozent zu.
Auch Applied Global Services erreichte einen Rekord. Der Servicebereich setzte 1,781 Milliarden Dollar um, 22 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die operative Marge stieg auf 30,1 Prozent. Der Bereich Other, in dem inzwischen unter anderem das Displaygeschäft ausgewiesen wird, erzielte 294 Millionen Dollar Umsatz. Für das laufende Quartal stellt Applied Materials rund 7,9 Milliarden Dollar mit Semiconductor Systems und etwa 1,84 Milliarden Dollar mit Global Services in Aussicht.
Ein weiterer Wachstumsschwerpunkt ist das Advanced Packaging, das bei leistungsfähigen KI-Chips und HBM-Speichern eine zunehmend wichtige Rolle spielt. Applied Materials erwartet inzwischen, dass die Erlöse in diesem Bereich im Kalenderjahr 2026 um mehr als 70 Prozent wachsen. Zuvor hatte das Unternehmen mit mehr als 50 Prozent gerechnet.
China bleibt für Applied Materials trotz der amerikanischen Exportbeschränkungen ein bedeutender Absatzmarkt. Im dritten Geschäftsquartal entfielen nach Unternehmensangaben 26 Prozent der gemeinsamen Umsätze von Semiconductor Systems und Applied Global Services auf China. Bezogen auf den gesamten Konzernumsatz lag der Anteil bei rund 28 Prozent. Im Vorjahresquartal waren es noch 35 Prozent gewesen.
Die US-Exportregeln begrenzen weiterhin, welche Anlagen, Komponenten und Dienstleistungen Applied Materials an bestimmte chinesische Kunden liefern darf. Eine Verschärfung der Vorschriften hatte das Unternehmen zuvor mit einer Belastung für den Umsatz im Geschäftsjahr 2026 in Verbindung gebracht. Gleichzeitig hat sich die Nachfrage in zulässigen Bereichen besser entwickelt als zwischenzeitlich erwartet. Applied Materials rechnet deshalb inzwischen mit einem Anstieg seines China-Umsatzes im Kalenderjahr 2026, insbesondere durch Investitionen in die 28-Nanometer-Fertigung.
Die politische Unsicherheit bleibt dennoch ein strukturelles Risiko für amerikanische Ausrüster. Wettbewerber aus anderen Ländern unterliegen teilweise anderen Beschränkungen. Dadurch können chinesische Hersteller bei bestimmten Anlagen auf alternative Anbieter ausweichen. Applied Materials nennt Änderungen bei Exportvorschriften und Genehmigungsverfahren entsprechend weiterhin ausdrücklich als Geschäftsrisiko.
Nach Veröffentlichung der Zahlen fiel die Applied-Materials-Aktie bereits im nachbörslichen Handel um mehr als fünf Prozent. Im regulären Handel am Freitag setzte sich der Verkaufsdruck fort. Die Aktie schloss bei 507,18 Dollar, ein Tagesverlust von 5,12 Prozent. Das Tagestief lag zeitweise unter 497 Dollar.
Trotz des Rücksetzers ist die Entwicklung seit Jahresbeginn außergewöhnlich stark. Ende 2025 hatte die Aktie bei 256,99 Dollar geschlossen. Bis zum 14. August ergibt sich daraus ein Kursplus von rund 97 Prozent. Im Juni hatte der Kurs zwischenzeitlich sogar Rekordstände erreicht, bevor im Juli eine deutliche Korrektur einsetzte.
Mehrere Analysten verwiesen nach den Zahlen darauf, dass die Resultate grundsätzlich stark ausgefallen seien, der Vorsprung gegenüber den ohnehin hohen Erwartungen aber kleiner gewesen sei als bei einigen Konkurrenten. Morgan Stanley bewertete das Quartal als solide, sah jedoch keinen außergewöhnlich starken Bericht innerhalb einer insgesamt sehr dynamischen Berichtssaison der Halbleiterausrüster. Das Haus reduzierte sein Kursziel geringfügig von 646 auf 642 Dollar und beließ die Einstufung bei Equal Weight.
BofA Securities senkte das Kursziel von 720 auf 650 Dollar, hielt aber an der Einstufung Buy fest. Als Gründe für die vorsichtigere Bewertung wurden unter anderem das geringere sequenzielle Wachstum im Vergleich zu Lam Research und der weitgehend konstante Margenausblick genannt. Bernstein ging in die andere Richtung, erhöhte das Kursziel von 675 auf 700 Dollar und bestätigte die Einstufung Outperform. Diese Kursziele sind Analystenschätzungen und keine Unternehmensprognosen.
JPMorgan erhöhte sein Kursziel nach den Zahlen von 515 auf 660 Dollar. Jefferies hielt an einem Ziel von 770 Dollar fest. Auch Citi, UBS und Mizuho blieben nach den Zahlen grundsätzlich positiv gestimmt. Der von Visible Alpha erfasste Durchschnitt der Kursziele lag am Freitag bei etwa 675 Dollar. Die Bewertungen spiegeln Erwartungen der jeweiligen Analysten wider und geben keine Gewissheit über die weitere Kursentwicklung.
Die Kursreaktion zeigt ein typisches Problem stark gestiegener Wachstumsaktien. Entscheidend ist an der Börse nicht allein, ob Umsatz und Gewinn steigen oder den veröffentlichten Konsens übertreffen. Nach einer starken Rally können in den Kursen bereits Erwartungen enthalten sein, die deutlich über den offiziellen Analystenschätzungen liegen. Dann kann selbst ein sogenannter Beat and Raise, also bessere Zahlen kombiniert mit einer höheren Prognose, eine negative Kursreaktion auslösen.
Bei Applied Materials kommt der Vergleich mit anderen Halbleiterausrüstern hinzu. Nach LSEG-Daten wurde die Aktie nach den Zahlen mit rund dem 32-Fachen der für die kommenden zwölf Monate erwarteten Gewinne bewertet. Bei einer solchen Bewertung reagieren Anleger besonders sensibel darauf, wie schnell Umsatz, Gewinn und Margen relativ zur Konkurrenz wachsen. Summit Insights sah Applied Materials beim Umsatzwachstum zuletzt hinter einigen Wettbewerbern. Das ist eine Analysteneinschätzung und keine Feststellung des Unternehmens.
Lam Research hatte Ende Juli deutlich stärkere Signale geliefert. Im Ende Juni abgeschlossenen Quartal stieg der Umsatz auf 6,72 Milliarden Dollar und übertraf damit die durchschnittliche LSEG-Erwartung von 6,67 Milliarden Dollar. Für das folgende Quartal stellte Lam sogar rund 8,1 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht, während der Analystenkonsens zuvor bei etwa 7,09 Milliarden Dollar gelegen hatte. Die Lam-Aktie sprang nach den Zahlen zeitweise um mehr als 20 Prozent.
Auch ASML hatte im Juli die Erwartungen erhöht. Der niederländische Hersteller von Lithografieanlagen erzielte im zweiten Quartal 9,3 Milliarden Euro Umsatz und 2,9 Milliarden Euro Nettogewinn. Zugleich hob ASML seine Prognose für den Jahresumsatz 2026 auf 43 bis 45 Milliarden Euro an. Zuvor hatte das Unternehmen 36 bis 40 Milliarden Euro erwartet. Für die Bruttomarge werden nun 54 bis 56 Prozent angepeilt.
Damit trifft Applied Materials auf einen Markt, in dem die Nachfrage nach Anlagen für führende Logikchips, DRAM, HBM und Advanced Packaging außergewöhnlich kräftig ist. Gleichzeitig hat genau diese Entwicklung die Erwartungen an die großen Ausrüster stark erhöht. Die jüngste Kursreaktion bei Applied Materials ist deshalb weniger Ausdruck schwacher Geschäftszahlen als eines ungewöhnlich hohen Maßstabs, den Anleger derzeit an die Branche anlegen.






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