
Aryzta schließt zwei Werke in Deutschland. Der Schweizer Hersteller von Tiefkühlbackwaren will seine Fabriken in Nordhausen in Thüringen und Gerolzhofen in Bayern aufgeben. Die Produktion für den Einzelhandel und die Gastronomie soll künftig am Standort Eisleben in Sachsen-Anhalt gebündelt werden. Die Neuordnung kündigte der Konzern am Montag, 26. Oktober 2026, an. Sie soll überwiegend in den Jahren 2026 und 2027 umgesetzt werden.
Von den Werksschließungen sind Hunderte Beschäftigte betroffen. Nach Angaben eines Unternehmenssprechers gegenüber der Schweizer Nachrichtenagentur AWP geht Aryzta von insgesamt rund 600 betroffenen Mitarbeitern aus. Einem großen Teil sollen Arbeitsplätze in Eisleben angeboten werden. Unter dem Strich rechnet das Unternehmen deshalb mit einem Abbau von etwa 250 Stellen.
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) nennt allerdings andere Beschäftigtenzahlen. Demnach arbeiten in Nordhausen rund 170 Menschen und in Gerolzhofen etwa 270. Wie viele Mitarbeiter tatsächlich ihre Arbeitsplätze verlieren und wie viele nach Eisleben wechseln können, ist bislang nicht abschließend geklärt.
Hinter den Schließungen steht eine umfassende Neuorganisation des Deutschlandgeschäfts. Aryzta hatte bereits im August angekündigt, seine Aktivitäten auf dem deutschen Markt zu überprüfen. Nun will das Unternehmen Produktionskapazitäten konzentrieren und sein Sortiment verkleinern.
Insbesondere Produkte mit geringen Absatzmengen oder dauerhaft schwacher Rentabilität sollen aus dem Angebot verschwinden. Damit will der Konzern seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern und die Produktion stärker an die Nachfrage anpassen.
Für die Umstrukturierung veranschlagt Aryzta einmalige Kosten von 56 bis 61 Millionen Euro. Während der Umsetzung könnte der Umsatz in Deutschland um rund 35 bis 40 Millionen Euro zurückgehen. Mittelfristig erwartet der Konzern durch die Maßnahmen eine Verbesserung seiner operativen Ergebnismarge auf Konzernebene um 0,6 bis 0,8 Prozentpunkte.
Die Ankündigung stößt auf deutlichen Widerstand. Die Gewerkschaft NGG kritisiert, dass die Beschäftigten die Folgen der wirtschaftlichen Neuausrichtung tragen müssten. Gewerkschaftsvertreter Olaf Klenke wirft dem Unternehmen vor, mit den Schließungen höhere Gewinne erzielen und wieder Ausschüttungen an die Aktionäre ermöglichen zu wollen. Die Gewerkschaft fordert Perspektiven für die betroffenen Belegschaften und Standorte.
Auch die Linke im Thüringer Landtag reagierte mit Kritik. Fraktionschef Christian Schaft bezeichnete die Entscheidung als unverantwortlich und forderte die Landesregierung auf, sich gegen den Verlust von Industriearbeitsplätzen einzusetzen.
Die arbeits- und gewerkschaftspolitische Sprecherin Lena Saniye Güngör warnte zudem vor den langfristigen Folgen eines Beschäftigungsabbaus für ländliche Regionen. Weniger Arbeitsplätze könnten die Abwanderung verstärken und bestehende Versorgungsstrukturen zusätzlich belasten.
Für Nordhausen bedeutet die Entscheidung das geplante Ende einer langjährigen Produktionsstätte. Seit 2005 werden dort unter anderem Brötchen, Ciabatta, Baguettes und Berliner hergestellt. Im Jahr 2013 übernahm Aryzta den Standort von der Großbäckerei Klemme.
Es ist nicht die erste Neuordnung des Unternehmens in Mitteldeutschland. Bereits 2019 schloss Aryzta Produktionsstandorte in Artern in Thüringen und Mansfeld in Sachsen-Anhalt. Damals waren insgesamt rund 200 Beschäftigte betroffen.
Mit Eisleben soll künftig ein zentraler deutscher Produktionsstandort im Mittelpunkt stehen. Ob alle bislang an den beiden anderen Werken hergestellten Produkte dort weitergeführt werden, ist noch offen.
Aryzta hat seinen Sitz in Schlieren bei Zürich und ist international tätig. Das Unternehmen betreibt Geschäfte unter anderem in Europa, Asien, Australien und Neuseeland und ist an der Schweizer Börse notiert.
Trotz der geplanten Werksschließungen erwartet Aryzta für das Geschäftsjahr 2026 ein operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von rund 300 Millionen Euro. Die Prognose berücksichtigt noch keine einmaligen Umstrukturierungskosten. Zudem rechnet der Konzern mit einem freien Cashflow von etwa 100 Millionen Euro.
Ab 2027 will Aryzta wieder Kapital an seine Aktionäre zurückführen. Während der Konzern seine Produktionsstruktur in Deutschland verkleinert, baut er sein Geschäft in Frankreich durch weitere Übernahmen aus.
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