
Die Zukunft des Audi-Werks Neckarsulm ist nach dem neuen Umbauprogramm des Volkswagen-Konzerns wieder offen. Der Aufsichtsrat des Mutterkonzerns hat Anfang September einem weitreichenden Zukunftsplan zugestimmt. Für mehrere deutsche Standorte, darunter Neckarsulm, kann Volkswagen nach der derzeitigen Planung langfristig keine wettbewerbsfähige Folgebelegung garantieren. Bis Ende Juni 2027 soll deshalb ein Konzept für eine neue europäische Produktionsstruktur vorliegen.
Damit ist eine Schließung des Audi-Werks nicht beschlossen. Der Konzern will vielmehr prüfen, wie die betroffenen Standorte wirtschaftlicher betrieben und künftig ausgelastet werden können. Neben einer weiteren Fahrzeugproduktion sollen auch alternative Nutzungsmöglichkeiten untersucht werden. In der Diskussion wird dabei unter anderem eine Nutzung von Automobilwerken durch die Verteidigungsindustrie genannt. Für Neckarsulm gibt es dafür bislang jedoch weder ein bestätigtes Projekt noch einen bekannten Produktionsauftrag.
Volkswagen begründet den Handlungsbedarf mit erheblichen Überkapazitäten in seinem europäischen Produktionsnetz. Der Konzern beziffert die Kapazität, die derzeit über der erwarteten Nachfrage liegt, auf mehr als 500.000 Fahrzeuge pro Jahr. Gleichzeitig soll die Wirtschaftlichkeit des europäischen Produktionsverbunds deutlich verbessert werden.
Besonders im Fokus stehen die Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm. Für diese Standorte kann Volkswagen nach eigenen Angaben gestaffelt für die Jahre ab 2031 bis 2034 derzeit keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gewährleisten. Das bedeutet nicht, dass die Werke zu diesen Terminen automatisch schließen. Entscheidend wird sein, ob sich bis dahin neue Produkte, andere Produktionsaufgaben oder zusätzliche Geschäftsfelder finden lassen.
Für Neckarsulm ist die Ausgangslage besonders bedeutsam. Audi beschäftigt dort rund 15.500 Menschen. Produziert werden unter anderem die Baureihen A5, A6 und A8 sowie der vollelektrische e-tron GT. Der Standort umfasst neben der klassischen Fahrzeugfertigung auch Entwicklungsbereiche und hoch spezialisierte Produktionsanlagen. In den vergangenen Jahren wurde unter anderem die Lackiererei umfassend modernisiert.
Die Frage nach der langfristigen Auslastung begleitet das Werk bereits seit mehreren Jahren. Audi und Arbeitnehmervertreter hatten 2025 eine Zukunftsvereinbarung geschlossen. Darin wurde unter anderem die Beschäftigungssicherung bis Ende 2033 verlängert. Für Neckarsulm wurde die Produktion von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor bis 2032 bestätigt. Eine Verlängerung bis 2035 sollte geprüft werden.
Außerdem war vorgesehen, ein volumenstarkes Elektrofahrzeug nach Neckarsulm zu bringen. Hinzu kamen Pläne, den Standort als Leitwerk für Künstliche Intelligenz und Digitalisierung weiterzuentwickeln. Ein Standortfonds von 250 Millionen Euro sollte Investitionen in neue Produktionsplattformen ermöglichen. Die aktuelle Konzernplanung zeigt allerdings, dass diese Maßnahmen allein noch keine dauerhaft gesicherte Auslastung für die Zeit nach 2033 garantieren.
Schon im Sommer 2026 hatte sich der Kostendruck konkret auf den Produktionsalltag ausgewirkt. Audi kündigte an, die Nachtschicht in Neckarsulm ab November zu streichen. Rund 1.200 Beschäftigte sollten auf andere Schichten verteilt werden. Das Unternehmen begründete die Maßnahme mit dem Ziel, die Produktion effizienter und kostengünstiger aufzustellen.
Besondere Aufmerksamkeit erhält die Frage, ob bislang für Autos genutzte Werke künftig auch für die Verteidigungsindustrie produzieren könnten. Volkswagen prüft für gefährdete Standorte ausdrücklich alternative Verwendungsmöglichkeiten. Konzernchef Oliver Blume hatte zudem bereits Möglichkeiten wie Kooperationen mit der Verteidigungsbranche für nicht ausreichend ausgelastete Produktionskapazitäten ins Spiel gebracht.
Das bedeutet jedoch nicht, dass für Neckarsulm bereits eine Umstellung auf Rüstungsproduktion geplant ist. Eine konkrete Vereinbarung mit einem Rüstungskonzern, bestimmte Produkte oder eine entsprechende Investitionsentscheidung für das Audi-Werk waren zunächst nicht bekannt. Die Verteidigungsindustrie ist damit eine denkbare Variante innerhalb einer deutlich breiteren Debatte über alternative Nutzungen.
Dass solche Modelle innerhalb des Volkswagen-Konzerns grundsätzlich möglich sind, zeigt die Entwicklung am Standort Osnabrück. Dort soll nach dem Ende der bisherigen Fahrzeugproduktion eine neue industrielle Nutzung mit Bezug zur Verteidigungsbranche entstehen. Dieses Projekt lässt sich jedoch nicht automatisch auf Neckarsulm übertragen. Größe, technische Ausstattung, Belegschaftsstruktur und bestehende Modellplanung unterscheiden sich von Werk zu Werk.
Der Druck auf Neckarsulm ist Teil eines wesentlich größeren Konzernumbaus. Volkswagen will seine Produktionskapazitäten stärker an die tatsächliche Nachfrage anpassen. Der Konzern hatte sein Produktionsnetz ursprünglich für mehr als zwölf Millionen Fahrzeuge jährlich ausgelegt und die Kapazitäten bereits um rund zwei Millionen Einheiten reduziert. In Europa und China sollen weitere Anpassungen folgen.
Zugleich plant Volkswagen, sein Modellangebot deutlich zu straffen, Entwicklungs- und Produktionsstrukturen stärker zusammenzuführen und Kosten zu senken. Hintergrund sind unter anderem der intensive Wettbewerb in China, schwächere Nachfrage auf einzelnen Märkten und hohe Produktionskosten in Europa.
Für die Zukunft des Audi-Werks Neckarsulm beginnt damit eine entscheidende Phase. Bis Ende Juni 2027 soll feststehen, wie ein wirtschaftlich tragfähiges europäisches Produktionsnetz aussehen kann. Neckarsulm muss darin eine belastbare Aufgabe erhalten, wenn die Fahrzeugproduktion langfristig gesichert werden soll. Welche Lösung sich durchsetzt, ist derzeit offen. Fest steht bislang nur, dass Volkswagen neben neuen Fahrzeugprojekten auch andere industrielle Nutzungsmöglichkeiten ausdrücklich prüfen will.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu