Hapag-Lloyd kämpft weiter um milliardenschwere ZIM-Übernahme

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Die geplante Übernahme der israelischen Reederei ZIM durch Hapag-Lloyd ist weiterhin nicht vom Tisch. Der Hamburger Schifffahrtskonzern hält an der milliardenschweren Transaktion fest und versucht zugleich, die Vorbehalte in Israel auszuräumen. Im Mittelpunkt stehen dabei Sicherheitsinteressen des israelischen Staates und die Frage, wie wichtige Schifffahrtsverbindungen auch nach einem Eigentümerwechsel unter israelischer Kontrolle bleiben können.

Anzeige

Die Hapag-Lloyd ZIM Übernahme war im Februar 2026 vereinbart worden. Hapag-Lloyd will sämtliche regulären Aktien von ZIM für 35 US-Dollar je Anteil übernehmen. Daraus ergibt sich ein Eigenkapitalwert von rund 4,2 Milliarden US-Dollar. Die Aktionäre von ZIM stimmten dem Zusammenschluss Ende April zu. Vollzogen werden kann die Transaktion jedoch erst, wenn auch die noch offenen behördlichen Genehmigungen erteilt sind.

Israels Zustimmung bleibt entscheidend

Eine besondere Rolle spielt dabei der israelische Staat. Er verfügt bei ZIM über einen sogenannten besonderen Staatsanteil, häufig als Golden Share bezeichnet. Damit sind Rechte verbunden, die unter anderem die strategische Bedeutung der Reederei für Israel absichern sollen. ZIM selbst weist in seinen Unternehmensunterlagen ausdrücklich darauf hin, dass die Zustimmung Israels eine Voraussetzung für den Abschluss der Übernahme ist.

Gegen das bisherige Modell gibt es in Israel erhebliche Vorbehalte. Insbesondere aus dem Sicherheitsbereich wurde Kritik daran laut, dass ein für das Land strategisch wichtiges Schifffahrtsunternehmen vollständig unter die Kontrolle eines ausländischen Konzerns geraten könnte. Auch Israels Verteidigungsminister Israel Katz hat sich gegen die bisherige Konstruktion ausgesprochen. Eine endgültige Freigabe durch den Staat lag bis zuletzt nicht vor.

Anzeige

Hapag-Lloyd reagiert darauf mit Änderungen an der geplanten Struktur. Nach dem überarbeiteten Modell soll ein Teil des heutigen ZIM-Geschäfts bei einem israelischen Unternehmen verbleiben. Der israelische Finanzinvestor FIMI soll eine eigenständige Reederei mit 16 Schiffen kontrollieren. Diese Gesellschaft soll zentrale direkte Verbindungen zwischen Israel und wichtigen Häfen in Europa, den USA, dem Mittelmeerraum und dem Schwarzen Meer sichern.

Hapag-Lloyd will Sicherheitsbedenken ausräumen

Das ursprüngliche Konzept sah bereits vor, die mit der Golden Share verbundenen Verpflichtungen auf das neue israelische Unternehmen zu übertragen. Inzwischen wird an zusätzlichen Anpassungen gearbeitet. Dazu gehören nach vorliegenden Angaben weitergehende Beschränkungen für ausländischen Einfluss auf die neue Gesellschaft sowie besondere Regelungen für strategisch sensible Transporte.

Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen hat deutlich gemacht, dass der Konzern an der Transaktion festhalten will. Die Gespräche mit israelischen Stellen wurden zuletzt intensiviert. Hapag-Lloyd versucht dabei, die Übernahme so zu strukturieren, dass einerseits ZIM in den deutschen Konzern integriert werden kann und andererseits ein eigenständiger israelischer Teil für strategische Aufgaben erhalten bleibt.

Auch die Eigentümerstruktur von Hapag-Lloyd spielt in der israelischen Debatte eine Rolle. Zum 30. Juni 2026 hielt die Qatar Investment Authority 12,3 Prozent an dem Hamburger Konzern, der saudi-arabische Public Investment Fund 10,2 Prozent. Jeweils 30 Prozent lagen bei CSAV und bei Klaus-Michael Kühne beziehungsweise dessen Beteiligungsgesellschaften. Die Stadt Hamburg hielt 13,9 Prozent.

Übernahme würde Hapag-Lloyd deutlich vergrößern

Für Hapag-Lloyd hätte die Übernahme erhebliche strategische Bedeutung. Der Konzern betreibt derzeit rund 300 Containerschiffe. Zusammen mit ZIM würde die Flotte nach Unternehmensangaben auf mehr als 400 Schiffe wachsen. Die gesamte Transportkapazität würde auf mehr als drei Millionen Standardcontainer, sogenannte TEU, steigen. Für 2027 kalkulieren die Unternehmen mit einem jährlichen Transportvolumen von mehr als 18 Millionen TEU.

ZIM ist insbesondere auf Routen über den Pazifik, innerhalb Asiens, im Atlantik, in Lateinamerika sowie im östlichen Mittelmeer stark vertreten. Hapag-Lloyd könnte durch die Übernahme sein bestehendes Netzwerk in mehreren dieser Fahrtgebiete ausbauen. ZIM wurde bei Bekanntgabe der Vereinbarung als weltweit zehntgrößte Containerreederei bezeichnet.

Die Transaktion ist damit sowohl ein wirtschaftliches als auch ein sicherheitspolitisches Projekt. Während die Aktionäre von ZIM dem Verkauf bereits zugestimmt haben, liegt der entscheidende Hebel weiterhin beim israelischen Staat. Hapag-Lloyd und ZIM peilen bislang einen Abschluss im vierten Quartal 2026 an. Ob dieser Zeitplan gehalten werden kann, hängt vor allem von den noch ausstehenden Genehmigungen und der endgültigen Ausgestaltung des israelischen Geschäfts ab.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu