
Der Bund investiert Milliarden in das deutsche Schienennetz. Trotzdem reicht die bisherige Finanzplanung nicht aus, um sämtliche vorgesehenen Ausbauvorhaben abzusichern. Mit dem Anfang Oktober vorgestellten Infraplan 2026 will das Bundesverkehrsministerium die Entwicklung der Eisenbahninfrastruktur besser steuern. Für den Ausbau des Schienennetzes enthält das neue Konzept konkrete Ziele bis 2030. Eine vollständige Finanzierung aller langfristig geplanten Projekte ist damit allerdings nicht verbunden.
Am 6. Oktober stellte das Bundesverkehrsministerium seinen ersten Infraplan vor. Das Dokument bündelt Maßnahmen für die Jahre 2026 bis 2030 und soll künftig jährlich aktualisiert werden. Im Bereich Neu- und Ausbau nennt der Plan 14 Vorhaben beziehungsweise Teilabschnitte, deren Inbetriebnahme innerhalb dieses Zeitraums vorgesehen ist. Dazu gehören unter anderem Arbeiten an der Verbindung Karlsruhe bis Basel, der zweigleisige Ausbau zwischen Lübbenau und Cottbus sowie Projekte zwischen Angermünde und Stettin. Für den gesamten Zeitraum sieht das Ministerium den Neubau von 155 Gleiskilometern vor.
Berücksichtigt wurden dabei Maßnahmen, für die zum Zeitpunkt der Planung belastbare Inbetriebnahmetermine und eine gesicherte Finanzierung vorlagen. Einzelne Projekte stehen weiterhin unter dem Vorbehalt ausstehender Baurechte. Damit bildet der Infraplan vor allem den derzeit absehbaren Fortschritt ab. Zahlreiche weitere Vorhaben befinden sich noch in der Planung oder haben eine längere Umsetzungsperspektive. Wann diese vollständig realisiert werden können, hängt unter anderem von Genehmigungen und künftigen Haushaltsentscheidungen ab.
Die Deutsche Bahn beziffert die im Entwurf des Bundeshaushalts 2027 vorgesehenen Investitionen in die Bundesschienenwege auf rund 20,8 Milliarden Euro. Davon entfallen 2,9 Milliarden Euro auf den Bedarfsplan Schiene, der zentrale Neu- und Ausbauvorhaben umfasst. Gegenüber 2026 steigen die dafür vorgesehenen Mittel um rund 500 Millionen Euro. Gleichzeitig sinkt der gesamte Ansatz für Investitionen in die Bundesschienenwege gegenüber 2026 um rund 1,1 Milliarden Euro. Ein erheblicher Teil der Mittel ist für die Sanierung und Modernisierung des bestehenden Netzes vorgesehen.
Für die Jahre 2028 bis 2030 sind weitere 63,4 Milliarden Euro für die Bundesschienenwege eingeplant. Selbst mit diesen Beträgen sind die notwendigen Investitionsbedarfe laut dem Halbjahresbericht der Deutschen Bahn noch nicht vollständig abgedeckt. Bereits laufende Großprojekte beanspruchen erhebliche finanzielle Mittel. Das Bundesverkehrsministerium weist zudem darauf hin, dass der Spielraum für neue Vorhaben aufgrund bestehender Verpflichtungen in den kommenden Jahren weitgehend ausgeschöpft ist.
Wie groß der Abstand zwischen den geplanten Projekten und den verfügbaren Finanzmitteln ist, verdeutlichte bereits eine parlamentarische Anfrage im März 2026. Der Grünen-Abgeordnete Tarek Al-Wazir bezog sich dabei auf 57 Neu- und Ausbauvorhaben des Bedarfsplans und einen rechnerisch verbleibenden Mittelbedarf von rund 187,7 Milliarden Euro. Unter der Annahme dauerhaft unveränderter jährlicher Investitionen von 2,56 Milliarden Euro ergäbe sich eine Umsetzungsdauer von mehr als 73 Jahren. Diese Berechnung war jedoch ausdrücklich ein theoretisches Szenario und kein offizieller Fertigstellungstermin.
Die Bundesregierung verwies in ihrer Antwort darauf, dass die Rechnung von gleichbleibenden Investitionsmitteln ausgehe. Tatsächlich sehe die mittelfristige Finanzplanung steigende Mittel vor. Zugleich wolle die Regierung neben der vorrangigen Sanierung des bestehenden Schienennetzes auch den Neu- und Ausbau voranbringen. Einen verbindlichen Zeitpunkt, zu dem sämtliche vorgesehenen Ausbauprojekte abgeschlossen sein sollen, enthält der neue Infraplan nicht.
Für eine verlässlichere Finanzierung plant das Bundesverkehrsministerium einen Eisenbahninfrastrukturfonds. Dieser soll langfristig angelegte Projekte über mehrere Haushaltsjahre hinweg finanziell absichern. Außerdem soll der Infraplan gesetzlich verankert und stärker mit der Haushaltsplanung verbunden werden. Das langfristige Zielnetz 2035 befindet sich noch in der Ausarbeitung. Frühestens mit dem Infraplan 2027 soll eine systematische Ausrichtung der einzelnen Maßnahmen an diesem Zielnetz erfolgen.
Parallel haben Bund und Deutsche Bahn am 9. Oktober das Programm zur umfassenden Sanierung stark beanspruchter Strecken angepasst. Zwischen 2027 und 2031 sind nun 13 statt ursprünglich 21 Korridorsanierungen vorgesehen. Die übrigen Maßnahmen sollen verschoben und nicht gestrichen werden. Diese Arbeiten betreffen vor allem die Erneuerung vorhandener Infrastruktur und sind vom zusätzlichen Streckenausbau zu unterscheiden. Für Reisende und Güterverkehrsunternehmen kommt es langfristig auf beide Bereiche an: ein zuverlässiges Bestandsnetz und zusätzliche Kapazitäten auf besonders stark belasteten Verbindungen.
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