
Die Deutsche Bahn will ab Frühjahr 2027 wieder Glyphosat zur Bekämpfung von Pflanzenbewuchs im Gleisbereich einsetzen. Damit vollzieht der Konzern eine Kehrtwende gegenüber seinem 2023 umgesetzten Ausstieg aus dem umstrittenen Unkrautvernichtungsmittel. Die Infrastrukturtochter DB InfraGO begründet die Entscheidung mit der unzureichenden Wirksamkeit bisheriger Alternativen und den Anforderungen an die Betriebssicherheit. Der Einsatz soll auf einen begrenzten Umfang beschränkt bleiben. Die erforderlichen Anträge beim Eisenbahn-Bundesamt sind bereits gestellt.
Seit 2023 verzichtet die Deutsche Bahn vollständig auf Glyphosat. Stattdessen setzt sie auf eine Kombination aus mechanischer Vegetationspflege, digitaler Überwachung und dem Herbizid Pelargonsäure. Nach Angaben von DB InfraGO hat sich insbesondere die Wirkung dieses Ersatzmittels als unzureichend erwiesen. Zudem seien mechanische Verfahren personalintensiv und mit zeitweiligen Einschränkungen des Zugverkehrs verbunden. Der Konzern verweist darauf, dass Pflanzen im Gleisbereich unter anderem die Sicht auf Signale beeinträchtigen oder Rettungswege einschränken können.
Der Aufwand für die Vegetationskontrolle hat erheblich zugenommen. Nach Angaben der Bahn stieg das entsprechende Budget von rund neun Millionen Euro im Jahr 2020 auf etwa 60 Millionen Euro im Jahr 2025. Der Konzern sieht darin eine Folge des höheren Pflegeaufwands. Glyphosat soll künftig ergänzend zu mechanischen Verfahren eingesetzt werden. Noch 2017 hatte die Bahn nach damaligen Angaben rund 67 Tonnen des Wirkstoffs verwendet. Welche Mengen ab 2027 vorgesehen sind, wurde zunächst nicht konkretisiert.
Für den geplanten Wiedereinsatz von Glyphosat auf Bahngleisen gelten besondere rechtliche Anforderungen. Die Europäische Union hat die Genehmigung des Wirkstoffs im November 2023 bis zum 15. Dezember 2033 verlängert. Daraus ergibt sich jedoch keine uneingeschränkte Erlaubnis für sämtliche Anwendungen. In Deutschland ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf sogenanntem Nichtkulturland, zu dem auch Gleisanlagen gehören, nach dem Pflanzenschutzgesetz grundsätzlich untersagt. Ausnahmen sind unter bestimmten Voraussetzungen möglich.
Für die Flächen der Deutschen Bahn ist das Eisenbahn-Bundesamt zuständig. Die Behörde muss unter anderem prüfen, ob die angestrebte Wirkung mit zumutbarem Aufwand auf andere Weise erreicht werden kann und ob überwiegende öffentliche Interessen gegen die Anwendung sprechen. Nach Angaben von DB InfraGO wäre der Glyphosat-Einsatz derzeit auf etwa einem Drittel des Schienennetzes rechtlich zulässig. Das bedeutet allerdings nicht, dass diese Flächen vollständig behandelt werden sollen. Welche Streckenabschnitte tatsächlich für den geplanten Einsatz genehmigt werden und welche Auflagen gelten, war zunächst offen.
Glyphosat ist ein Breitbandherbizid, das zahlreiche Pflanzenarten abtötet. Umweltverbände kritisieren insbesondere die Folgen für die biologische Vielfalt, weil mit dem Verlust von Wildpflanzen auch Nahrungsgrundlagen und Lebensräume von Insekten und anderen Tieren verschwinden können. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert weiterhin ein vollständiges Verbot glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel, ausdrücklich auch auf Bahngleisen. Der Deutsche Naturschutzring hatte den Glyphosat-Ausstieg der Bahn im März 2023 als Fortschritt für den Umwelt- und Artenschutz begrüßt. Auch die damaligen Bundesminister Cem Özdemir und Volker Wissing hatten die Entscheidung unterstützt.
Umstritten bleibt außerdem die gesundheitliche Bewertung des Wirkstoffs. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation, stufte Glyphosat 2015 als wahrscheinlich krebserregend für Menschen ein. Die Europäische Chemikalienagentur ECHA kam dagegen 2022 zu dem Ergebnis, dass die wissenschaftlichen Kriterien für eine Einstufung als krebserregend nicht erfüllt seien. Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stellte bei ihrer Risikobewertung 2023 keine kritischen Problembereiche fest, verwies allerdings auf bestehende Datenlücken.
Mit der geplanten Rückkehr zu Glyphosat steht die Deutsche Bahn erneut vor dem Spannungsfeld zwischen Betriebssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz. Die Bahn verweist darauf, dass auch Eisenbahnunternehmen in anderen europäischen Ländern wie der Schweiz, den Niederlanden und Polen den Wirkstoff zur Vegetationskontrolle nutzen. In Deutschland hängt die Umsetzung des angekündigten Kurswechsels von den erforderlichen behördlichen Genehmigungen ab.
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