Ein Jahr an der Bahnspitze: Pallas Umbau kommt voran, die Züge kaum

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Seit genau einem Jahr führt Evelyn Palla die Deutsche Bahn. Am 1. Oktober 2025 übernahm sie den Vorstandsvorsitz von Richard Lutz und damit einen Konzern mit erheblichen Problemen bei Infrastruktur, Pünktlichkeit und Wirtschaftlichkeit. Zwölf Monate später fällt die Bilanz unterschiedlich aus: Der Konzernumbau ist weit fortgeschritten und die wirtschaftlichen Zahlen haben sich verbessert. Im täglichen Zugverkehr ist die erhoffte Trendwende dagegen noch nicht erreicht.

Evelyn Palla bei der Deutschen Bahn steht dabei für einen Kurs, der stärker auf Wirtschaftlichkeit, dezentrale Verantwortung und konkrete Verbesserungen im Kerngeschäft setzt. Die frühere Konzernstrategie Starke Schiene wurde durch die neue Strategie DB 2035 ersetzt. Sie stellt Verlässlichkeit, Qualität und wirtschaftliche Tragfähigkeit in den Mittelpunkt und verabschiedet sich von mehreren früheren Wachstumszielen.

Pünktlichkeit bleibt das größte sichtbare Problem

Für Fahrgäste bleibt die Pünktlichkeit der entscheidende Schwachpunkt. Im ersten Halbjahr 2026 waren nach Bahnangaben lediglich 58,7 Prozent der Züge im Fernverkehr betrieblich pünktlich. Im ersten Halbjahr 2025 waren es noch 63,4 Prozent. Als pünktlich gilt dabei ein Zug, wenn seine Verspätung unter sechs Minuten bleibt. Auch die sogenannte Reisendenpünktlichkeit, die unter anderem Anschlussverluste berücksichtigt, sank von 68,7 auf 63,2 Prozent.

Eine deutliche Verbesserung zeigte sich auch im Sommer nicht. Im August erreichten nur 54,2 Prozent der Fernverkehrszüge ihre Halte mit weniger als sechs Minuten Verspätung. Die Reisendenpünktlichkeit lag bei 56,6 Prozent. Damit befanden sich die Werte weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau. Die Bahn nennt neben dem schlechten Zustand der Infrastruktur insbesondere das umfangreiche Baugeschehen sowie Wetterereignisse als Belastungen.

Der Vergleich zeigt zugleich, wie begrenzt der unmittelbare Einfluss eines Vorstandsumbaus auf den Betrieb ist. Das überlastete und in Teilen sanierungsbedürftige Schienennetz lässt sich nicht innerhalb eines Jahres erneuern. Palla selbst hat deshalb ihre längerfristigen Ziele auf mehrere Etappen bis 2035 ausgerichtet. Für den Fernverkehr sollen zunächst bis 2030 wieder deutlich bessere Werte erreicht werden, langfristig strebt die Bahn 80 Prozent Pünktlichkeit an.

Sanierung läuft, doch der ursprüngliche Zeitplan gerät ins Wanken

Bei der Infrastruktur wurde 2026 in großem Umfang gebaut. Im ersten Halbjahr waren von rund 28.000 geplanten Baustellen etwa 14.000 abgeschlossen. Die umfassende Erneuerung der 278 Kilometer langen Strecke Hamburg und Berlin endete im Juni. Dort wurden unter anderem mehr als 160 Kilometer Gleise und über 249 Weichen erneuert sowie 28 Bahnhöfe modernisiert.

Weitere Korridorsanierungen laufen oder beginnen. Die Strecke am rechten Rhein zwischen Troisdorf und Wiesbaden wird seit Juli umfassend erneuert. Am 2. Oktober startet zudem die nächste Bauphase auf dem wichtigen Korridor zwischen Lehrte und Berlin.

Allerdings hat Palla im September eine wesentliche Änderung angekündigt. Das bisherige Tempo von bis zu vier großen Korridorsanierungen jährlich sei nach einer Überprüfung nicht realistisch. Künftig rechnet sie mit zwei, in technisch begründeten Fällen mit drei Projekten pro Jahr. Das Konzept wird deshalb überarbeitet. Einen neuen Termin für den Abschluss des gesamten Programms nannte Palla zunächst nicht. Damit ist der bislang vorgesehene Zeitrahmen für die Sanierung der besonders belasteten Strecken nicht mehr in der bisherigen Form zu halten.

Konzernstruktur ist deutlich schlanker geworden

Schneller sichtbar sind die Veränderungen innerhalb des Unternehmens. Seit Anfang 2026 verfügt der Bahnvorstand nur noch über sechs statt zuvor acht Ressorts. Die eigenständigen Vorstandsbereiche Infrastruktur sowie Digitalisierung und Technik wurden aufgelöst und ihre Aufgaben neu verteilt. Bereits Ende 2025 hatte die Bahn zudem angekündigt, die Zahl der Topführungskräfte deutlich zu reduzieren.

Auch der Personalabbau in der Konzernleitung läuft nach Unternehmensangaben schneller als zunächst geplant. Ende Juli erklärte die Bahn, rund 30 Prozent des bis 2028 vorgesehenen Abbaus bereits umgesetzt zu haben. Bis zum 1. Januar 2027 soll der strukturelle Umbau weitgehend abgeschlossen sein. Von 2028 an sollen die Änderungen bei Personal und Sachkosten jährlich rund 500 Millionen Euro einsparen. Entscheidungen sollen zugleich stärker in die einzelnen Geschäftsfelder verlagert werden.

Wirtschaftlich hat sich die Bahn stabilisiert

Bei den Finanzen konnte Palla nach ihrem ersten Dreivierteljahr an der Konzernspitze bessere Zahlen vorlegen. Im ersten Halbjahr 2026 erreichte das Kerngeschäft ein Ergebnis nach Steuern von 147 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte dort noch ein Minus von 760 Millionen Euro gestanden. Das bereinigte operative Ergebnis verbesserte sich um mehr als 650 Millionen Euro auf 415 Millionen Euro, der Umsatz stieg um 1,8 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro.

Die Entwicklung resultierte nach Angaben des Unternehmens aus einer besseren operativen Entwicklung der Geschäftsfelder, ersten Kostensenkungen und dem Personalabbau in Konzernleitung und internen Dienstleistungsbereichen. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet die Bahn weiterhin ein positives Ergebnis, weist aber besonders bei DB Cargo auf wirtschaftliche Risiken hin.

Nach zwölf Monaten ist damit vor allem der organisatorische und wirtschaftliche Teil von Pallas Kurs sichtbar. Die Bahn ist schlanker strukturiert und schreibt im Kerngeschäft wieder schwarze Zahlen. Für Fahrgäste bleibt die Lage deutlich weniger verändert. Die Fernverkehrspünktlichkeit liegt noch unter dem Niveau des Vorjahres, während die umfangreichen Bauarbeiten das Netz kurzfristig zusätzlich belasten. Zugleich steht fest, dass die Sanierung der besonders belasteten Strecken mehr Zeit benötigen wird als bislang vorgesehen.

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