Kleinanzeigen nutzt Chatverläufe für KI und erlaubt Widerspruch

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Grzegorz Walczak

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Kleinanzeigen verarbeitet Nachrichten zwischen Nutzern mit Künstlicher Intelligenz, um automatisierte Antwortvorschläge für gewerbliche Verkäufer bereitzustellen und weiterzuentwickeln. Dabei können auch Konversationsdaten von Interessenten in eine Qualitätsanalyse einfließen. Wer das nicht möchte, kann der Nutzung widersprechen.

Die Funktion gehört zu einer größeren KI-Offensive des Online-Marktplatzes. Kleinanzeigen hatte seinen sogenannten PRO Antwortvorschlag für gewerbliche Anbieter im Juli 2026 öffentlich vorgestellt. Die Technik soll Unternehmen dabei unterstützen, schneller auf Anfragen potenzieller Käufer zu reagieren. Grundlage für einen Antwortentwurf sind unter anderem Angaben aus der jeweiligen Anzeige und der bisherige Austausch im Nachrichtenverlauf.

KI-Antworten richten sich an gewerbliche Verkäufer

Der KI-Antwortassistent erstellt mit Hilfe eines großen Sprachmodells Antwortvorschläge für gewerbliche Verkäufer. Im regulären Einsatz werden diese Texte nicht automatisch an Interessenten verschickt. Der Verkäufer kann einen Vorschlag übernehmen, verändern oder verwerfen und muss die Nachricht selbst absenden.

Kleinanzeigen weist zugleich darauf hin, dass solche Texte fehlerhaft, unvollständig oder veraltet sein können. Die Verantwortung für eine versendete Nachricht bleibt deshalb beim jeweiligen Anbieter.

In einer Beta-Version können einzelne Verkäufer zusätzlich eine automatische Beantwortung bestimmter Anfragen aktivieren. Nach Angaben des Unternehmens greift diese Möglichkeit nur dann, wenn sich die Antwort aus den Informationen der Anzeige ableiten lässt. Fragen etwa zu Preisverhandlungen oder zur Vereinbarung eines Abholtermins werden weiterhin lediglich als Entwurf bereitgestellt. Automatisch erzeugte Antworten sollen im Nachrichtenverlauf entsprechend gekennzeichnet werden.

Konversationsdaten fließen in Qualitätsanalyse ein

Für die Funktion verarbeitet Kleinanzeigen auch Konversationsdaten. Das Unternehmen stützt die Verarbeitung personenbezogener Daten im Zusammenhang mit dem KI-Antwortassistenten auf ein berechtigtes Interesse nach Artikel 6 Absatz 1 Buchstabe f der Datenschutz-Grundverordnung. Dasselbe gilt nach den rechtlichen Hinweisen des Unternehmens für die Analyse und Verbesserung des Dienstes.

Die KI-Analyse bei Kleinanzeigen dient dabei nicht dem Training der zugrunde liegenden KI-Modelle. Kleinanzeigen erklärt ausdrücklich, dass Konversationsdaten nicht für das Training solcher Modelle verwendet werden. Auch auf Daten aus dem Nutzerkonto soll der Antwortassistent für diesen Zweck nicht zugreifen.

Für die Qualitätsanalyse nennt das Unternehmen zusätzliche Schutzmaßnahmen. Dazu gehört eine vorherige Filterung der Daten. Informationen, die zu diesem Analysezweck übermittelt werden, sollen spätestens nach 30 Tagen gelöscht und anschließend nicht weiterverarbeitet werden.

Kleinanzeigen empfiehlt Nutzern außerdem, in Nachrichten nur personenbezogene Angaben zu übermitteln, die für die jeweilige Anfrage oder Transaktion tatsächlich erforderlich sind. Besonders sensible Informationen, etwa Gesundheitsdaten, Bonitätsinformationen oder Geschäftsgeheimnisse, sollten nach Angaben des Unternehmens nicht unnötig in Nachrichten eingegeben werden.

Nutzer können der Auswertung widersprechen

Interessenten müssen die Analyse ihrer Unterhaltungen mit gewerblichen Verkäufern nicht akzeptieren. Kleinanzeigen sieht dafür eine Widerspruchsmöglichkeit in den Kontoeinstellungen vor. Wer dort der Verwendung der Funktion widerspricht, verhindert nach Angaben des Unternehmens, dass Gespräche mit gewerblichen Verkäufern für die Verbesserung der automatisierten Antwortvorschläge analysiert werden.

Der Widerspruch hat zugleich Auswirkungen auf die Kommunikation mit gewerblichen Anbietern. Diese können den KI-Antwortassistenten anschließend in Konversationen mit dem betreffenden Nutzer nicht mehr einsetzen. Damit erhält der Interessent auch keine Antworten, die mit Hilfe dieser Funktion vorbereitet wurden.

Auch gewerbliche Verkäufer können die Funktion abschalten. Dies geschieht über das Business Portal von Kleinanzeigen. Danach werden ihnen keine KI-basierten Antwortvorschläge mehr angeboten und ihre entsprechenden Konversationen werden nicht mehr zur Verbesserung dieser Vorschläge analysiert.

Sicherheitsfilter für Nachrichten sind davon zu unterscheiden

Die Verarbeitung für den KI-Antwortassistenten ist nicht mit den allgemeinen Sicherheitsprüfungen des Nachrichtensystems gleichzusetzen. Kleinanzeigen beschreibt unabhängig davon eine automatisierte Filterung von Nachrichten, die dem Schutz vor Spam, Phishing, verdächtigen Aktivitäten und Verstößen gegen die Plattformregeln dient. Auffällige Nachrichten können in bestimmten Fällen zusätzlich geprüft werden.

Diese Sicherheitsmechanismen verfolgen einen anderen Zweck als die Erstellung und Verbesserung von KI-Antwortvorschlägen. Ein Widerspruch gegen den Antwortassistenten bedeutet daher nicht, dass sämtliche automatisierten Prüfungen von Nachrichten auf der Plattform abgeschaltet werden.

Kleinanzeigen baut KI-Funktionen auf der Plattform aus

Der Antwortassistent ist nur ein Teil der KI-Funktionen des früher unter dem Namen eBay Kleinanzeigen bekannten Portals. Das Unternehmen bietet unter anderem Unterstützung bei der Erstellung von Anzeigen und KI-Funktionen für die Immobiliensuche an.

Kleinanzeigen hatte im Juli erklärt, Künstliche Intelligenz schrittweise in weitere Bereiche der Plattform integrieren zu wollen. Beim PRO Antwortvorschlag steht zunächst die Kommunikation gewerblicher Anbieter mit Interessenten im Mittelpunkt. Für Nutzer bedeutet dies zugleich, dass Inhalte aus ihren Gesprächen technisch verarbeitet werden können, auch wenn sie selbst kein gewerbliches Konto besitzen.

Entscheidend ist deshalb die vorhandene Wahlmöglichkeit: Wer nicht möchte, dass Gespräche mit gewerblichen Verkäufern für den KI-Antwortassistenten verwendet werden, kann der Funktion über die Kontoeinstellungen widersprechen.

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