
Der Chemiekonzern BASF veröffentlicht am Mittwoch, 28. Oktober 2026, seine Geschäftszahlen für das dritte Quartal. Analysten rechnen mit einem Umsatz von rund 15,7 Milliarden Euro. Gleichzeitig gibt es Bewegung bei der möglichen Übernahme des Spezialchemieunternehmens Evonik. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters soll BASF sein Angebot auf rund 11,2 Milliarden Euro erhöht haben. Eine offizielle Bestätigung der neuen Summe liegt bislang nicht vor.
Die BASF Quartalszahlen 2026 für das dritte Quartal sollen am Mittwoch um 7 Uhr veröffentlicht werden. Eine Telefonkonferenz für Analysten ist für 8.30 Uhr vorgesehen, die Pressekonferenz beginnt um 10.30 Uhr. Vorstandschef Markus Kamieth und Finanzvorstand Dirk Elvermann werden die Ergebnisse erläutern.
Nach einer vom Analyseunternehmen Vara Research zusammengestellten Konsensschätzung erwarten Finanzanalysten für das dritte Quartal einen Umsatz von durchschnittlich 15,665 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA vor Sondereinflüssen) wird auf rund 1,495 Milliarden Euro geschätzt.
Beim Ergebnis nach Steuern und Anteilen Dritter liegt die durchschnittliche Erwartung bei 196 Millionen Euro. Die Schätzungen berücksichtigen das Coatings-Geschäft als nicht fortgeführten Geschäftsbereich. Es handelt sich ausdrücklich um Prognosen unabhängiger Analysten und nicht um bereits veröffentlichte Unternehmensergebnisse.
Im zweiten Quartal 2026 hatte BASF seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 16 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro gesteigert. Das EBITDA vor Sondereinflüssen erreichte 2,4 Milliarden Euro und lag damit deutlich über dem Vorjahreswert.
Aufgrund der besseren Geschäftsentwicklung erhöhte der Konzern im Juli seine Prognose für das Gesamtjahr. BASF erwartet seither ein EBITDA vor Sondereinflüssen zwischen 6,9 und 7,7 Milliarden Euro. Zuvor hatte die Spanne bei 6,2 bis 7,0 Milliarden Euro gelegen.
Für den freien Cashflow hält das Unternehmen an einer erwarteten Größenordnung zwischen 1,5 und 2,3 Milliarden Euro fest. Ob BASF diese Prognosen nach dem dritten Quartal verändert, ist noch offen.
Neben den Geschäftszahlen steht der mögliche Zusammenschluss von BASF und Evonik im Mittelpunkt. Bereits am 25. September hatte BASF offiziell bestätigt, eine Übernahme des Essener Spezialchemiekonzerns zu prüfen. Evonik bestätigte damals den Eingang einer unverbindlichen Kontaktaufnahme, erklärte jedoch, dass zu diesem Zeitpunkt keine Gespräche stattfänden.
Ende September wurde bekannt, dass Evonik einen ersten Übernahmevorstoß offenbar als finanziell unzureichend zurückgewiesen hatte. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen lag das ursprüngliche Angebot bei etwa 22,15 Euro je Aktie und bewertete Evonik mit rund 10,3 Milliarden Euro.
Am 23. Oktober berichtete Reuters unter Berufung auf zwei mit den Vorgängen vertraute Personen, BASF habe die Offerte auf 24 Euro je Aktie erhöht. Daraus ergebe sich eine Bewertung von etwa 11,18 Milliarden Euro.
Evonik und die RAG-Stiftung als größter Anteilseigner äußerten sich gegenüber Reuters nicht zu den Angaben. Ein verbindliches öffentliches Übernahmeangebot mit bestätigtem Angebotspreis lag zunächst nicht vor.
Um für den möglichen Zusammenschluss zu werben, hat BASF auch konkrete Zusagen an die Beschäftigten formuliert.
Vorstandschef Markus Kamieth erklärte am 22. Oktober in einer Videobotschaft, BASF würde bei einer Übernahme die bestehenden Standortvereinbarungen von Evonik übernehmen. Damit blieben betriebsbedingte Kündigungen entsprechend diesen Vereinbarungen bis 2032 ausgeschlossen. Auch Tarifverträge und die bestehende Sozialpartnerschaft sollten erhalten bleiben.
Darüber hinaus stellte Kamieth in Aussicht, Essen als wichtigen Unternehmensstandort zu erhalten. Dort solle mindestens ein Vorstandsressort angesiedelt bleiben. BASF könne sich außerdem vorstellen, die Chemieparks in Marl und Wesseling weiterzubetreiben, deren Betreibergesellschaft Evonik derzeit verkaufen möchte.
Diese Zusagen stehen unter dem Vorbehalt eines tatsächlichen Zusammenschlusses. Kamieth machte zugleich deutlich, dass BASF nicht bereit sei, eine Übernahme um jeden Preis durchzuführen.
Ein möglicher Zusammenschluss von BASF und Evonik hätte erhebliche Bedeutung für die europäische Chemieindustrie. Beide Unternehmen sind international tätig, verfügen aber über unterschiedliche Schwerpunkte.
Während BASF unter anderem Basischemikalien, Kunststoffe und industrielle Vorprodukte herstellt, konzentriert sich Evonik stärker auf Spezialchemikalien, etwa für Beschichtungen, Kunststoffe und Tierernährung.
BASF sieht nach eigenen Angaben insbesondere im gemeinsamen Einkauf, in der Forschung und bei der Versorgung mit chemischen Vorprodukten wirtschaftliche Vorteile. Der Konzern verweist dabei auf den wachsenden Wettbewerb durch Hersteller aus Asien und dem Nahen Osten.
Der mögliche Zusammenschluss fällt in eine Phase, in der Europas Chemieunternehmen mit hohen Kosten, schwacher Nachfrage und zunehmendem internationalen Konkurrenzdruck konfrontiert sind. Welche wirtschaftlichen Einsparungen durch eine Übernahme tatsächlich erreichbar wären, ist bislang nicht beziffert und bestätigt.
Auch die Rolle der RAG-Stiftung bleibt bedeutsam. Als größter Evonik-Aktionär könnte sie einen erheblichen Einfluss auf den Ausgang des Übernahmevorstoßes haben. Die Stiftung dient der langfristigen Finanzierung von Folgekosten des deutschen Steinkohlebergbaus.
Mit der Veröffentlichung der Zahlen für das dritte Quartal erhält BASF eine neue Grundlage zur Bewertung seiner wirtschaftlichen Entwicklung. Dabei stehen insbesondere die operative Ertragskraft, der freie Cashflow und der Ausblick auf das Gesamtjahr im Mittelpunkt.
Die mögliche Übernahme von Evonik ist davon unabhängig weiterhin offen. Eine Einigung zwischen den Unternehmen wurde bislang nicht bekannt gegeben. Auch der zuletzt genannte Kaufpreis von rund 11,2 Milliarden Euro beruht auf Informationen aus Unternehmenskreisen und ist nicht offiziell bestätigt.
Sollte BASF tatsächlich ein öffentliches Übernahmeangebot vorlegen, wären die verbindlichen Bedingungen erst dem entsprechenden Angebotsdokument zu entnehmen. Zudem könnte ein Zusammenschluss von dieser Größenordnung wettbewerbsrechtliche Prüfungen erforderlich machen.
Die weitere Entwicklung hängt somit sowohl von den wirtschaftlichen Voraussetzungen bei BASF als auch von den Entscheidungen der beteiligten Unternehmen und Aktionäre ab.
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