
Der Chemiekonzern BASF muss bei der geplanten Übernahme des Konkurrenten Evonik offenbar mit einer weiteren Absage rechnen. Nach Informationen der Financial Times vom 30. Oktober 2026 will Evonik auch das verbesserte Angebot über rund 11,18 Milliarden Euro zurückweisen. Der gebotene Preis von 24 Euro je Aktie sei dem Unternehmen demnach weiterhin zu niedrig. Eine offizielle Bestätigung für eine erneute Ablehnung lag am Freitagmorgen zunächst nicht vor.
Im Ringen zwischen BASF und Evonik steht erneut die Bewertung des Essener Spezialchemiekonzerns im Mittelpunkt. Bereits am 23. Oktober war bekannt geworden, dass BASF sein bisheriges Angebot von 22,15 Euro auf 24 Euro je Aktie erhöht haben soll.
Damit würde der Kauf sämtlicher Evonik-Aktien rund 11,18 Milliarden Euro kosten. Gegenüber dem ursprünglich genannten Angebot von etwa 10,3 Milliarden Euro entspräche dies einer Erhöhung um rund 880 Millionen Euro.
Die Financial Times berichtet nun unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, dass Evonik auch den höheren Preis nicht für angemessen halte. Das Unternehmen könnte demnach in den kommenden Tagen Stellung beziehen.
Eine erneute Ablehnung war bis Freitagmorgen jedoch nicht offiziell bestätigt. Evonik lehnte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters eine Stellungnahme zu dem aktuellen Bericht ab.
Das grundsätzliche Übernahmeinteresse von BASF ist dagegen offiziell bekannt. Bereits am 25. September 2026 bestätigte BASF Sondierungen mit Evonik und der RAG-Stiftung über einen möglichen Zusammenschluss. Ausgang und weiterer Verlauf seien offen, erklärte der Konzern damals.
Evonik veröffentlichte am selben Tag eine Pflichtmitteilung. Darin bestätigte der Vorstand eine unverbindliche Kontaktaufnahme durch BASF im Zusammenhang mit einem möglichen freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot für sämtliche Aktien. Zum damaligen Zeitpunkt fanden nach Angaben von Evonik keine Gespräche statt.
Ende September wurde anschließend bekannt, dass Evonik einen ersten Übernahmevorschlag über etwa 22,15 Euro je Aktie zurückgewiesen haben soll. Diese Angaben beruhten auf Informationen aus Unternehmenskreisen. Eine offizielle Bestätigung der damaligen Angebotshöhe gab es nicht.
Auch für das inzwischen berichtete höhere Angebot liegen bislang keine veröffentlichten verbindlichen Angebotsbedingungen vor.
BASF hatte zuletzt versucht, die Vorteile eines möglichen Zusammenschlusses stärker hervorzuheben. Vorstandschef Markus Kamieth erklärte in einer veröffentlichten Videobotschaft, dass BASF bei einer Übernahme bestehende Standortvereinbarungen von Evonik übernehmen würde.
Damit würden nach seinen Angaben betriebsbedingte Kündigungen bis 2032 ausgeschlossen bleiben. Auch Tarifverträge und die Zusammenarbeit mit Arbeitnehmervertretungen sollten erhalten bleiben.
Zudem stellte Kamieth in Aussicht, wichtige Unternehmensfunktionen und Forschungsaktivitäten am Standort Essen zu erhalten beziehungsweise auszubauen.
Die Zusagen stehen unter dem Vorbehalt eines tatsächlichen Zusammenschlusses. Einen abgeschlossenen Übernahmevertrag gibt es bislang nicht.
Bei der Vorstellung der BASF-Quartalszahlen am 28. Oktober machte Kamieth zudem deutlich, dass eine mögliche Übernahme wirtschaftlichen Mehrwert schaffen müsse. BASF werde nicht um jeden Preis zugreifen.
Eine zentrale Rolle bei einem möglichen Verkauf kommt der RAG-Stiftung zu. Sie hält rund 43 Prozent der Evonik-Aktien und ist damit der größte Anteilseigner des Unternehmens.
Die Stiftung finanziert mit ihren Kapitalanlagen unter anderem dauerhafte Verpflichtungen aus dem früheren deutschen Steinkohlebergbau. Eine mögliche Veränderung ihrer Evonik-Beteiligung wäre deshalb auch für die langfristige Vermögensverwaltung der Stiftung von Bedeutung.
Eine Entscheidung über die Unterstützung des verbesserten BASF-Angebots war zunächst nicht bekannt.
Nach Informationen der Financial Times hält Evonik derzeit an einer eigenständigen Unternehmensstrategie fest. Gleichzeitig könnte der Konzern laut dem Bericht für weitere Gespräche offen sein, sofern BASF sein Angebot nochmals verbessert und die wirtschaftlichen Vorteile eines Zusammenschlusses deutlicher darlegt. Eine unabhängige Bestätigung dafür lag zunächst nicht vor.
Eine Übernahme würde zwei der bedeutendsten deutschen Chemieunternehmen zusammenführen. BASF verfügt über ein breites Portfolio von Grundchemikalien bis zu spezialisierten Industrieprodukten. Evonik konzentriert sich vor allem auf Spezialchemikalien, darunter Zusatzstoffe für Kunststoffe, Inhaltsstoffe für Pflegeprodukte und Produkte für die Tierernährung.
BASF sieht in einem möglichen Zusammenschluss die Chance, seine Position im internationalen Wettbewerb zu stärken. Insbesondere die Konkurrenz durch Chemieunternehmen aus Asien und dem Nahen Osten hatte Kamieth als Herausforderung für die europäische Industrie bezeichnet.
Wirtschaftlich befindet sich BASF nach eigenen Angaben derzeit auf einem Wachstumskurs. Im dritten Quartal 2026 stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 14 Prozent auf 16,4 Milliarden Euro. Zugleich hob der Konzern seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr an.
Ob die Gespräche über eine mögliche Übernahme von Evonik fortgesetzt werden, blieb am Freitag offen. Eine verbindliche Einigung zwischen den Unternehmen wurde nicht bekannt gegeben.
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