BASF und Evonik: Übernahmepläne treffen auf Widerstand

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die mögliche BASF-Übernahme von Evonik bleibt auch am Montag, 19. Oktober 2026, offen. Zwar hat BASF sein Interesse an dem Essener Spezialchemiekonzern offiziell bestätigt. Ein verbindliches Kaufangebot oder eine Einigung über den Zusammenschluss sind jedoch nicht bekannt. Die nordrhein-westfälische Landesregierung lehnt eine Übernahme ab. Gleichzeitig hat sich die RAG-Stiftung, der größte Aktionär von Evonik, noch nicht öffentlich für einen Verkauf ihrer Beteiligung ausgesprochen.

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Beide Unternehmen bestätigen Kontakt, aber keine Einigung

BASF teilte am 25. September mit, dass es Sondierungen mit Evonik und der RAG-Stiftung über eine mögliche Übernahme gegeben habe. Ausgang und weiterer Verlauf seien offen. Der Ludwigshafener Konzern verwies darauf, dass er mögliche Zukäufe regelmäßig auf ihre wirtschaftliche und strategische Eignung prüfe.

Evonik bestätigte am selben Tag eine unverbindliche Kontaktaufnahme von BASF. Diese zielte nach Angaben des Vorstands auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Evonik-Aktien. Zugleich erklärte Evonik ausdrücklich, dass zu diesem Zeitpunkt keine Gespräche stattfänden. Eine spätere Aufnahme formeller Verhandlungen wurde bis zum 19. Oktober nicht offiziell bekannt gegeben.

Berichtete Offerte von 10,3 Milliarden Euro zurückgewiesen

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters aus dem Umfeld der Beteiligten hatte BASF zunächst rund 22,15 Euro je Evonik-Aktie in Aussicht gestellt. Das hätte einem Kaufpreis von etwa 10,3 Milliarden Euro für sämtliche Aktien entsprochen. Evonik soll den Vorschlag als zu niedrig zurückgewiesen haben. Weder die genaue Angebotshöhe noch die berichtete Ablehnung wurden von den Unternehmen in dieser Form offiziell bestätigt.

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Reuters berichtete am 9. Oktober außerdem, BASF könne bei direkten Verhandlungen einen höheren Preis erwägen. Eine konkrete neue Offerte wurde nicht veröffentlicht. Damit bleibt auch unklar, zu welchen finanziellen Bedingungen die Unternehmen überhaupt eine Einigung erzielen könnten.

RAG-Stiftung mit 43,8 Prozent in Schlüsselposition

Die RAG-Stiftung bestätigte Ende September, dass auch sie von BASF wegen eines möglichen öffentlichen Übernahmeangebots angesprochen worden sei. Sie hält nach eigenen Angaben rund 43,8 Prozent der Evonik-Aktien und ist damit der wichtigste Einzelaktionär.

Am 9. Oktober informierte der Stiftungsvorstand das Kuratorium über das Übernahmeinteresse. Die Stiftung bestätigte diesen Vorgang, äußerte sich aber nicht zu vertraulichen Beratungsinhalten und gab keine Verkaufsentscheidung bekannt.

Für die Stiftung steht nicht allein der Wert ihrer Beteiligung im Mittelpunkt. Sie finanziert aus den Erträgen ihres Vermögens langfristige Folgekosten des früheren deutschen Steinkohlebergbaus, unter anderem die Wasserhaltung in stillgelegten Bergwerken. Deshalb hätte ein vollständiger Verkauf der Evonik-Aktien auch Folgen für die Struktur ihrer Kapitalanlagen.

Landesregierung gegen Übernahme, SPD-Antrag abgelehnt

In der nordrhein-westfälischen Landespolitik gibt es deutlichen Widerstand. Wirtschaftsministerin Mona Neubaur erklärte am 14. Oktober im Landtag, dass die Landesregierung die Übernahme ablehne. Sie verwies auf die Bedeutung des Unternehmens für Beschäftigung und industrielle Wertschöpfung.

Die SPD wollte die Eigenständigkeit von Evonik und die Arbeitsplätze besonders absichern. Dazu brachte sie unter anderem einen möglichen Einstieg des Landes als Aktionär ins Gespräch. Ihr Antrag scheiterte jedoch am 14. Oktober. Nach dem offiziellen Beschlussprotokoll stimmten CDU, Grüne, FDP und AfD dagegen. Auch die Landesregierung sprach sich nicht für einen Aktienkauf durch Nordrhein-Westfalen aus.

Beschäftigungsgarantien für möglichen Deal noch nicht bestätigt

Besonders umstritten sind die Folgen für Standorte und Belegschaften. Reuters berichtete am 12. Oktober unter Berufung auf zwei BASF nahestehende Personen, dass der Ludwigshafener Konzern bei einer Übernahme bereit wäre, bestehende Beschäftigungs- und Standortzusagen zu übernehmen. Demnach sollen betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland bis 2032 ausgeschlossen bleiben. BASF bestätigte diese Angaben nicht selbst.

Unabhängig von dem Übernahmevorstoß plant Evonik bereits einen erheblichen Stellenabbau. Laut Unternehmensmitteilung vom 22. September sollen im laufenden Umbauprogramm weltweit 3.200 Arbeitsplätze entfallen, davon rund 2.150 in Deutschland. Diese Kürzungen wurden nicht infolge der BASF-Pläne beschlossen.

Die Chemiegewerkschaft IG BCE fordert verbindliche Perspektiven für Beschäftigte und Investitionen. Gewerkschaftschef Michael Vassiliadis verlangte außerdem eine klare Haltung der RAG-Stiftung zu einem möglichen Verkauf.

Börse bewertet die Übernahmechance weiter

Die Aussicht auf einen Zusammenschluss bewegt auch die Aktien. Nach der offiziellen Bestätigung der Kontaktaufnahme am 25. September stieg die Evonik-Aktie laut Reuters an diesem Handelstag um 7,2 Prozent. Die BASF-Aktie verlor gleichzeitig 3,6 Prozent.

Am 19. Oktober zeigte eine über MarketScreener veröffentlichte Tradegate-Kursindikation für Evonik um 9.43 Uhr 21,44 Euro, ein Plus von 0,09 Prozent. Dieser Kurs lag unter den berichteten 22,15 Euro je Aktie. Die Differenz ist kein Beleg dafür, dass ein neues Angebot unmittelbar bevorsteht.

Beide Konzerne stehen unter dem Druck schwacher Nachfrage, hoher Energiekosten und wachsender Konkurrenz aus Asien. BASF erzielte 2025 rund 60 Milliarden Euro Umsatz und gehört zu den größten Chemiekonzernen weltweit. Evonik stellt unter anderem Spezialchemikalien für Kunststoffe, Beschichtungen und Futtermittel her. Ein Zusammenschluss wäre daher auch für den internationalen Wettbewerb in der Chemieindustrie relevant. Über Preis, Zustimmung der Aktionäre und mögliche behördliche Genehmigungen ist bislang jedoch nichts entschieden.

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