BASF will Evonik mit Beschäftigungszusagen gewinnen

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Chemiekonzern BASF verstärkt seine Bemühungen um eine Übernahme des Konkurrenten Evonik. Vorstandschef Markus Kamieth hat sich am Donnerstag (22. Oktober 2026) in einer Videobotschaft direkt an die Beschäftigten des Essener Unternehmens gewandt. Er stellt den Erhalt bestehender Standortvereinbarungen und den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis 2032 in Aussicht. Gleichzeitig gibt es Hinweise auf eigene Übernahmepläne von Evonik in den USA. Eine Einigung zwischen den beiden deutschen Chemiekonzernen ist weiterhin nicht bekannt.

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BASF stellt Kündigungsschutz bis 2032 in Aussicht

Kamieth versucht mit seiner Videobotschaft insbesondere Bedenken hinsichtlich möglicher Arbeitsplatzverluste und Standortschließungen zu begegnen. Sollte BASF Evonik übernehmen, wolle der Konzern die bestehenden Standortvereinbarungen fortführen. Auch Tarifverträge und die Zusammenarbeit mit Arbeitnehmervertretungen sollen erhalten bleiben.

Darüber hinaus stellt BASF in Aussicht, wichtige Führungsfunktionen in Essen zu belassen. Mindestens ein Vorstandsressort sowie Leitungsaufgaben für Geschäftsbereiche sollen dort angesiedelt bleiben. Auch die Forschung und Entwicklung in Nordrhein-Westfalen möchte der Ludwigshafener Konzern stärken.

Ein weiteres Thema sind die Chemieparks Marl und Wesseling. Evonik verfolgt derzeit den Verkauf seiner Infrastrukturgesellschaft Syneqt, die rund 3.500 Menschen beschäftigt. BASF hält es dagegen für möglich, beide Chemieparks auch künftig selbst zu betreiben. Verbindlich beschlossen ist dies nicht.

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Evonik hatte zunächst kein Interesse an Verhandlungen

Die mögliche BASF-Übernahme von Evonik beschäftigt die Chemieindustrie seit Ende September. Am 25. September bestätigte BASF Sondierungen mit Evonik und deren größter Aktionärin, der RAG-Stiftung. Evonik erklärte am selben Tag, eine unverbindliche Ansprache erhalten zu haben, die auf ein öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien abziele. Gespräche fanden nach damaliger Unternehmensangabe nicht statt.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hatte BASF zunächst etwa 22,15 Euro je Evonik-Aktie geboten. Das entsprach einem Aktienwert von rund 10,3 Milliarden Euro. Evonik soll den Vorschlag als zu niedrig zurückgewiesen haben. Offiziell bestätigt wurde dieser Kaufpreis von den beteiligten Unternehmen nicht.

Zuletzt gab es zudem Hinweise, dass BASF eine höhere Offerte erwägen könnte. Eine entsprechende verbindliche Ankündigung liegt jedoch nicht vor. Kamieth betonte in seiner Videobotschaft, dass BASF zwar gesprächsbereit sei, einen Zusammenschluss aber nicht zu jedem Preis anstrebe.

RAG-Stiftung wird zum entscheidenden Faktor

Eine Schlüsselrolle kommt der RAG-Stiftung zu. Sie kontrolliert rund 44 Prozent der Evonik-Aktien und ist damit die mit Abstand größte Anteilseignerin des Unternehmens. Die Stiftung finanziert mit ihren Kapitalerträgen die dauerhaften Folgekosten des deutschen Steinkohlebergbaus, darunter das Abpumpen von Grubenwasser.

Das Kuratorium der Stiftung befasste sich bereits am 9. Oktober mit dem Übernahmeinteresse von BASF. Die Inhalte und Ergebnisse der Beratungen wurden nicht veröffentlicht. Eine Zustimmung zu einem Verkauf des Aktienpakets ist bislang nicht bekannt.

Kamieth wandte sich in seiner Botschaft auch unmittelbar an die Stiftung. Aus seiner Sicht könnte ein Verkauf der Beteiligung dazu beitragen, deren langfristige Finanzierungsaufgaben abzusichern. Die Stiftung verfolgt bereits seit Längerem das Ziel, ihre Evonik-Beteiligung zu reduzieren.

Politik und Gewerkschaft äußern Bedenken

In der nordrhein-westfälischen Landespolitik stößt eine mögliche Übernahme auf Widerstand. Wirtschaftsministerin Mona Neubaur hatte sich im Landtag gegen einen Verkauf von Evonik an BASF positioniert und den Erhalt der Arbeitsplätze und Standorte hervorgehoben.

Die SPD hatte gefordert, das Land solle selbst Evonik-Aktien erwerben und gemeinsam mit der RAG-Stiftung eine Mehrheit sichern. Ein entsprechender Antrag wurde im Landtag abgelehnt.

Auch die Chemiegewerkschaft IGBCE sieht den Zusammenschluss kritisch. Ihr Vorsitzender Michael Vassiliadis hatte bereits Ende September deutlich gemacht, dass die Größe eines fusionierten Unternehmens allein keine bessere Zukunft für die Beschäftigten garantiere. Die Gewerkschaft verlangt langfristige Investitionen und Perspektiven für die deutschen und europäischen Produktionsstandorte.

Evonik prüft offenbar selbst einen Milliardenkauf in den USA

Zusätzliche Bewegung bringt ein möglicher Zukauf von Evonik. Nach Informationen des Handelsblatts beschäftigt sich der Spezialchemiekonzern mit einer Übernahme des amerikanischen Wettbewerbers Ashland. Die Überlegungen sollen bereits vor dem Bekanntwerden des BASF-Interesses begonnen haben.

Demnach hat Evonik die Investmentbanken JPMorgan und Perella Weinberg Partners mit der Suche nach möglichen Übernahmezielen beauftragt. Ashland kommt auf einen Börsenwert von ungefähr 3,3 Milliarden US-Dollar.

Ein Kauf könnte Evonik insbesondere bei Spezialchemikalien für Kosmetikprodukte und industrielle Anwendungen stärken. Zugleich würde eine größere Übernahme die finanzielle Ausgangslage und möglicherweise auch die Struktur des Unternehmens verändern, das BASF erwerben möchte.

Evonik wollte die Informationen auf Anfrage von Reuters nicht kommentieren. Auch BASF äußerte sich dazu nicht. Ein verbindliches Kaufangebot für Ashland ist bislang nicht bestätigt. Ebenso gibt es keinen belastbaren Nachweis dafür, dass ein möglicher Zukauf der Abwehr von BASF dienen soll.

Evonik-Aktie gerät unter Druck

An der Börse reagierten Anleger am Donnerstag zurückhaltend auf die neuen Entwicklungen. Vor allem die Meldung über einen möglichen Ashland-Kauf belastete die Evonik-Aktie.

Zeitweise fiel das Papier deutlich: Laut dem Börsenportal ARIVA notierte die Evonik-Aktie am 22. Oktober 2026 um 12.58 Uhr im Frankfurter Handel 4,11 Prozent im Minus. Im weiteren Handelsverlauf verringerte sich der Verlust wieder. Die BASF-Aktie schloss den Xetra-Handel am 22. Oktober um 17.35 Uhr bei 52,37 Euro und damit rund 0,4 Prozent unter dem Vortagesschluss. Das geht aus den Kursdaten von Aktien Deutschland hervor, die auf Yahoo Finance beziehungsweise EOD Historical Data beruhen.

Für BASF steht bei dem Vorhaben der Ausbau seiner Stellung im internationalen Chemiegeschäft im Mittelpunkt. Kamieth sieht insbesondere bei Rohstoffen, Einkauf, Forschung und industrieller Infrastruktur wirtschaftliche Vorteile eines Zusammenschlusses. Beide Konzerne stehen angesichts schwacher Nachfrage, hoher Kosten und wachsender Konkurrenz aus Asien und dem Nahen Osten unter erheblichem Anpassungsdruck.

Ob die wirtschaftlichen Vorteile ausreichen, um Evonik und deren Anteilseigner zu überzeugen, ist weiterhin offen. Ebenso fehlen eine verbindliche Übernahmevereinbarung und konkrete Bedingungen für einen möglichen Zusammenschluss.

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