
Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer geht mit Rückenwind aus einem wichtigen US-Gerichtsverfahren in die nächste Bilanzvorlage. Am Dienstag, 3. November 2026, veröffentlicht das Unternehmen seine Ergebnisse für das dritte Quartal. Ein Erfolg im langjährigen Glyphosatstreit hatte die Bayer-Aktie am Freitag deutlich steigen lassen. Doch die Erwartungen an das operative Geschäft fallen verhaltener aus. Analysten rechnen trotz leicht steigender Umsätze mit einem Rückgang des bereinigten operativen Ergebnisses. Damit rücken neben den juristischen Risiken auch die wirtschaftliche Entwicklung und die hohe Verschuldung des Konzerns wieder stärker in den Vordergrund.
Die Quartalszahlen von Bayer dürften ein gemischtes Bild ergeben. Nach dem von Vara Research am 16. Oktober zusammengestellten Analystenkonsens wird für das dritte Quartal ein Konzernumsatz von durchschnittlich 9,92 Milliarden Euro erwartet. Im Vorjahreszeitraum hatte Bayer 9,66 Milliarden Euro umgesetzt. Das entspräche einem Anstieg von knapp drei Prozent. Beim operativen Ergebnis zeichnet sich dagegen eine schwächere Entwicklung ab. Das EBITDA vor Sondereinflüssen dürfte nach den Schätzungen von 1,51 Milliarden auf rund 1,43 Milliarden Euro zurückgehen. Das wäre ein Rückgang um knapp sechs Prozent.
Auch beim bereinigten Ergebnis je Aktie rechnen die Analysten mit einem Minus. Der Konsens liegt bei 0,36 Euro nach 0,49 Euro im dritten Quartal 2025. Belastungen werden insbesondere im Agrargeschäft erwartet, wo höhere Kosten, ungünstige Witterungsbedingungen und der Preisdruck auf die Profitabilität wirken könnten. In der Pharmasparte stehen dagegen die Umsätze mit neueren Medikamenten im Mittelpunkt. Besonders Nubeqa und Kerendia hatten zuletzt kräftig zugelegt.
Für Erleichterung an der Börse hatte bereits am Donnerstag, 29. Oktober, eine Entscheidung in den USA gesorgt. Eine Jury in St. Louis im Bundesstaat Missouri wies die Ansprüche von drei Klägerinnen gegen die Bayer-Tochter Monsanto einstimmig zurück. Die Frauen hatten ihre Krebserkrankungen auf den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup zurückgeführt und unter anderem einen fehlerhaften Produktentwurf sowie Fahrlässigkeit geltend gemacht. Das Verfahren war der erste Roundup-Prozess seit einer Grundsatzentscheidung des Obersten US-Gerichtshofs vom Juni 2026.
Der Supreme Court hatte am 25. Juni entschieden, dass bestimmte Klagen wegen fehlender Krebswarnhinweise nicht mit den bundesrechtlichen Vorgaben für die Produktkennzeichnung vereinbar sind. Die Entscheidung schränkt damit einen wichtigen bisherigen Klageweg ein. Das jüngste Urteil aus Missouri betrifft hingegen andere rechtliche Anspruchsgrundlagen und besitzt deshalb zusätzliche Bedeutung für Bayer. Es entscheidet allerdings nicht über sämtliche noch anhängigen Verfahren.
An der Börse reagierten Anleger mit deutlichen Kursgewinnen. Am Freitag, 30. Oktober, schloss die Bayer-Aktie im Xetra-Handel bei 50,58 Euro. Das entsprach einem Anstieg um 5,46 Prozent gegenüber dem Vortag. Damit überschritt das Papier wieder die Marke von 50 Euro. Zum Wochenauftakt gab die Aktie allerdings einen Teil ihrer Gewinne ab. Am Montag, 2. November, lag der Kurs laut den bei Gatrixx veröffentlichten Xetra-Daten um 11.06 Uhr bei 49,65 Euro und damit rund 1,84 Prozent unter dem Freitagsschluss.
Trotz des jüngsten Erfolgs bleibt der Glyphosatstreit eine erhebliche finanzielle Herausforderung. Seit der Übernahme des US-Konzerns Monsanto im Jahr 2018 beschäftigt die Auseinandersetzung um Roundup den Bayer-Konzern. In den USA sind nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters weiterhin rund 65.000 Klagen anhängig.
Bayer versucht, einen großen Teil dieser Rechtsstreitigkeiten durch einen umfassenden Vergleich zu beenden. Dafür sieht eine im Februar 2026 vorgestellte Vereinbarung Zahlungen von insgesamt bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar vor. Die Beträge sollen über einen Zeitraum von bis zu 21 Jahren fließen. Voraussetzung ist jedoch die endgültige gerichtliche Genehmigung. Nach einer Anhörung im September steht die abschließende Entscheidung eines Gerichts in Missouri weiterhin aus.
Der Konzern bestreitet weiterhin, dass Glyphosat bei bestimmungsgemäßer Anwendung Krebs verursacht. Die wissenschaftlichen Bewertungen unterscheiden sich: Die US-Umweltbehörde EPA hält Glyphosat nach ihrer bisherigen Einschätzung nicht für wahrscheinlich krebserregend, während die Internationale Agentur für Krebsforschung den Wirkstoff als wahrscheinlich krebserregend für Menschen eingestuft hat. Die EPA arbeitet derzeit an einer aktualisierten Risikobewertung.
Neben den rechtlichen Belastungen steht Bayer vor der Aufgabe, seine Bilanz zu stärken. Ende Juni lag die Nettofinanzverschuldung bei rund 33,65 Milliarden Euro. Für das Jahresende 2026 stellte das Unternehmen zuletzt einen Rückgang auf 29 bis 30 Milliarden Euro in Aussicht. Dabei berücksichtigt Bayer eine vereinbarte Minderheitsbeteiligung des Finanzinvestors Apollo an einer Gesellschaft mit Teilen des Verhütungsgeschäfts, für die eine Kapitaleinlage von drei Milliarden Euro vorgesehen ist.
Im zweiten Quartal hatte der Konzern seinen Umsatz auf 10,87 Milliarden Euro gesteigert. Das EBITDA vor Sondereinflüssen erhöhte sich um 1,9 Prozent auf 2,14 Milliarden Euro. Gleichzeitig fiel der freie Cashflow mit minus 371 Millionen Euro negativ aus, unter anderem wegen höherer Zahlungen im Zusammenhang mit Rechtsverfahren. Für das Gesamtjahr hatte Bayer zuletzt einen Umsatz zwischen 44,7 und 46,7 Milliarden Euro und ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 4,20 bis 4,70 Euro prognostiziert.
Die nun anstehenden Geschäftszahlen werden zeigen, wie sich die drei Konzernbereiche Crop Science, Pharmaceuticals und Consumer Health im dritten Quartal entwickelt haben und ob Bayer an seinen bisherigen Jahreszielen festhält. Die Veröffentlichung ist für Dienstag, 3. November, um 7.30 Uhr vorgesehen. Ab 10 Uhr erläutern Vorstandschef Bill Anderson und Finanzchefin Judith Hartmann die Ergebnisse bei einem Media Update. Die Investorenkonferenz beginnt um 14 Uhr.
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