
Der insolvente Automobilzulieferer Bayrak Technik stellt seine Produktion im niedersächsischen Rehburg-Loccum ein. Das Werk im Landkreis Nienburg soll zum 31. Januar 2027 geschlossen werden. Rund 270 Beschäftigte verlieren dadurch ihren Arbeitsplatz. Auch der zweite Produktionsstandort im hessischen Gedern ist von der Einstellung der Fertigung betroffen. Nach monatelanger Suche konnte kein Käufer für die Werke gefunden werden. Das Unternehmen bestätigte die geplante Schließung am Donnerstag, 5. November 2026, gegenüber dem NDR.
Die Entscheidung beendet die Hoffnung auf eine Fortführung der bisherigen Produktion. Seit April befindet sich Bayrak in Rehburg in einer erneuten Insolvenzphase. Zwischenzeitlich hatten Zahlungen von Kunden die Fortsetzung des Betriebs ermöglicht. Nun sind Aufträge weggefallen, während die Suche nach einem Investor ohne Ergebnis blieb. Für die Beschäftigten sollen die Löhne und Gehälter noch bis Ende Januar 2027 gesichert sein.
Von der Entscheidung ist nicht nur das Stammwerk in Niedersachsen betroffen. Nach Angaben der Regionalzeitung Die Harke gehen am Standort Gedern in Hessen weitere rund 130 Arbeitsplätze verloren. Damit betrifft das Ende der Produktion an beiden Standorten insgesamt etwa 400 Beschäftigte.
Die Fertigung soll bis zur endgültigen Schließung schrittweise reduziert werden. Für den Standort Rehburg nennt das Unternehmen den 31. Januar 2027 als Endtermin. Die Belegschaft war nach Angaben der Regionalzeitung bereits in der vergangenen Woche über die Entscheidung informiert worden.
Bayrak Technik produziert unter anderem Gummi- und Kunststoffteile für die Automobilindustrie. Zum Sortiment gehören Dichtungen, Lagerungselemente und weitere technische Komponenten. In Rehburg liegt der Schwerpunkt auf Gummiformteilen und Verbindungen aus Gummi und Metall. Das Werk in Gedern ist insbesondere auf die Verarbeitung von Elastomeren und Kunststoffen ausgerichtet. Daneben bediente das Unternehmen auch Anwendungen außerhalb der Fahrzeugindustrie.
Die Schließung folgt auf eine längere wirtschaftliche Krise. Im Frühjahr 2026 hatte Insolvenzverwalter Manuel Sack noch versucht, beide Produktionsstandorte durch eine Fortführung des laufenden Geschäftsbetriebs zu erhalten. Nach seinen damaligen Angaben gab es erste Gespräche mit möglichen Investoren.
Eine Lösung für die Übernahme der Werke kam jedoch nicht zustande. Hinzu kommt der Rückzug von Kundenaufträgen aus den beiden Produktionsstandorten. Diese Entwicklung hat die Perspektive für eine Fortführung erheblich verschlechtert.
Schon bei der erneuten Insolvenz im Frühjahr war Bayrak auf finanzielle Unterstützung seiner Auftraggeber angewiesen. Die Zahlungen ermöglichten zunächst die Weiterproduktion und dienten auch zur Finanzierung der Beschäftigtengehälter. Eine dauerhaft tragfähige Finanzierung konnte daraus offenbar nicht entstehen.
Welche Unternehmen zuletzt ihre Aufträge zurückgezogen haben und welchen Umfang diese hatten, wurde zunächst nicht näher bekannt. Auch zu möglichen Angeboten aus der Investorensuche lagen keine konkreten Angaben vor.
Die aktuelle Entwicklung hat eine längere Vorgeschichte. Am 22. April 2026 ordnete das Amtsgericht Syke die vorläufige Insolvenzverwaltung über die Bayrak Technik GmbH an. Das reguläre Insolvenzverfahren wurde anschließend am 1. Juli 2026 eröffnet. Zum Insolvenzverwalter bestellte das Gericht Rechtsanwalt Manuel Sack von der Kanzlei Brinkmann & Partner. Das Verfahren wird unter dem Aktenzeichen 15 IN 95/26 geführt.
Als Ursachen für die erneute Zahlungsunfähigkeit hatte Sack im Mai insbesondere hohe Kosten aus der Umstrukturierung des Unternehmens und unerwartete Umsatzrückgänge Ende 2025 sowie Anfang 2026 genannt.
Bereits zuvor hatte Bayrak mehrere wirtschaftliche Krisen durchlaufen. Im Jahr 2023 übernahm die türkische Bayrak Lastik den insolventen Automobilzulieferer Rüster. Damals gehörten noch vier Produktionsstandorte mit insgesamt etwa 600 Beschäftigten zum Unternehmen.
Später wurde die Produktion auf weniger Standorte konzentriert. Ein im Jahr 2024 eingeleitetes Insolvenzverfahren mit Sanierungsbemühungen wurde im Herbst 2025 beendet, ohne dass die wirtschaftlichen Probleme dauerhaft überwunden werden konnten. Die erneute Insolvenz im April 2026 verschärfte die Situation weiter.
Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) hatte bereits im Mai deutliche Kritik an der Unternehmensführung geäußert. Nach ihrer Darstellung handelte es sich um die vierte Insolvenz des Betriebs innerhalb von fünf Jahren.
Der zuständige Gewerkschaftssekretär Julian Grabes machte damals insbesondere Fehler bei der Unternehmensführung für die erneuten Schwierigkeiten verantwortlich. Nach Darstellung der IGBCE war die Zusammenlegung der Produktion von vier auf zwei Standorte gegen Bedenken des Betriebsrats umgesetzt worden.
Die Gewerkschaft vertrat die Auffassung, dass die Umstrukturierung wirtschaftlich und organisatorisch nicht ausreichend abgesichert gewesen sei. Diese Bewertung ist eine Position der Arbeitnehmervertretung und keine gerichtlich festgestellte Ursache der Insolvenz.
Noch im Frühjahr hatte die IGBCE auf die Wettbewerbsfähigkeit der Produkte verwiesen und sich für den Erhalt der Arbeitsplätze eingesetzt. Zugleich forderte sie Transparenz während des Insolvenzverfahrens und eine zuverlässige Finanzierung der Gehälter.
Für die Belegschaft hat die angekündigte Werksschließung erhebliche Konsequenzen. Nach den vorliegenden Angaben wurde mit dem Betriebsrat bereits ein Interessenausgleich und ein Sozialplan vereinbart. Damit sind wesentliche Regelungen zum Umgang mit dem geplanten Personalabbau getroffen worden.
Ein Interessenausgleich regelt bei einer Betriebsänderung die geplanten Maßnahmen zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat. Ein Sozialplan soll wirtschaftliche Nachteile für die betroffenen Arbeitnehmer ausgleichen oder abmildern. Dazu können beispielsweise finanzielle Leistungen oder Unterstützungsangebote beim beruflichen Übergang gehören.
Welche konkreten Vereinbarungen bei Bayrak getroffen wurden, ist bislang nicht öffentlich bekannt. Insbesondere zu möglichen Abfindungen, einer Transfergesellschaft oder weiteren Unterstützungsmaßnahmen lagen zunächst keine gesicherten Einzelheiten vor.
Nach Angaben der Regionalzeitung sind die Lohn- und Gehaltszahlungen noch bis Ende Januar 2027 gesichert. Für die Beschäftigten fällt der angekündigte Wegfall ihrer Arbeitsplätze damit zeitlich mit dem Ende der Produktion zusammen.
Die Entwicklung bei Bayrak steht im Zusammenhang mit einer angespannten Lage der deutschen Automobilzulieferindustrie. Viele Unternehmen müssen gleichzeitig mit schwacher Nachfrage, gestiegenen Kosten und hohen Investitionen für neue Fahrzeugtechnologien umgehen.
Besonders kleinere und mittelständische Zulieferer sind von diesen Veränderungen betroffen. Sie hängen häufig von Aufträgen weniger großer Automobilhersteller ab und verfügen über geringere finanzielle Reserven, um längere wirtschaftliche Schwächephasen abzufedern.
Wie angespannt die Situation ist, verdeutlicht eine Erhebung des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) aus dem Mai 2026. Von 116 befragten Unternehmen gaben 54 Prozent an, derzeit Arbeitsplätze in Deutschland abzubauen. Lediglich drei Prozent berichteten von einem Beschäftigungsaufbau. Außerdem erklärten 67 Prozent, geplante Investitionen in Deutschland zu verschieben, ins Ausland zu verlagern oder vollständig zu streichen.
Der Branchenverband verweist insbesondere auf hohe Standortkosten, bürokratische Anforderungen und die finanziellen Belastungen des technologischen Wandels. Hinzu kommen der internationale Wettbewerb und die veränderte Nachfrage nach Fahrzeugen und Komponenten.
Bei Bayrak waren nach den Angaben aus dem Insolvenzverfahren vor allem die Kosten früherer Umstrukturierungen und unerwartete Umsatzverluste ausschlaggebend für die erneute finanzielle Krise. Mit der nun angekündigten Einstellung der Produktion steht für die rund 400 Beschäftigten an beiden betroffenen Standorten das Ende ihrer bisherigen Arbeitsplätze bevor.
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