Befesa hebt Ergebnisprognose an: US-Steuergutschrift sorgt für Kurssprung

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der im SDAX notierte Industrierecycler Befesa erhöht seine Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2026. Ausschlaggebend ist eine erwartete Steuergutschrift aus einem amerikanischen Förderprogramm für die Produktion wichtiger Industriemetalle. Das Unternehmen rechnet dadurch mit einem zusätzlichen Ergebnisbeitrag von rund 26 Millionen Euro. An der Börse reagierten Anleger mit deutlichen Kursgewinnen. Allerdings steht die endgültige Anerkennung der Förderung durch die amerikanische Steuerbehörde noch aus.

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Befesa erwartet höheres operatives Ergebnis

Der Verwaltungsrat des luxemburgischen Unternehmens beschloss am Mittwoch, 28. Oktober 2026, die Jahresprognose anzuheben. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, kurz EBITDA, soll nun bei 286 bis 296 Millionen Euro liegen.

Bisher lag die prognostizierte Spanne bei 250 bis 270 Millionen Euro. Die neue Einschätzung berücksichtigt einen erwarteten positiven Beitrag aus dem amerikanischen Förderprogramm von rund 26 Millionen Euro.

Auch ohne diese Steuergutschrift rechnet Befesa inzwischen mit einer leicht verbesserten Geschäftsentwicklung. Die Prognose für das bereinigte EBITDA ohne den Fördereffekt liegt jetzt bei 260 bis 270 Millionen Euro. Damit wurde die Untergrenze der bisherigen Erwartung um zehn Millionen Euro angehoben, während die Obergrenze unverändert blieb.

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Die höhere Gesamtprognose beruht somit überwiegend auf der erwarteten steuerlichen Entlastung. Der zugrunde liegende operative Geschäftsausblick hat sich dagegen nur moderat verbessert.

US-Förderprogramm begünstigt Zinkproduktion

Grundlage der erwarteten Steuergutschrift ist der amerikanische Inflation Reduction Act. Das unter der früheren US-Regierung eingeführte Gesetz enthält unter anderem steuerliche Anreize für die Herstellung und Verarbeitung strategisch wichtiger Materialien.

Befesa beruft sich auf Abschnitt 45X des amerikanischen Steuerrechts. Dieser sieht für bestimmte kritische Mineralien eine Steuergutschrift in Höhe von zehn Prozent der anrechenbaren Produktionskosten vor.

Zu den grundsätzlich förderfähigen Materialien gehört auch Zink. Die entsprechenden Vorschriften knüpfen die Förderung unter anderem an Anforderungen an die Verarbeitung, den Reinheitsgrad und die berücksichtigungsfähigen Kosten.

Befesa betreibt im amerikanischen Mooresboro im Bundesstaat North Carolina eine Anlage zur Raffination von hochreinem Zink. Nach Einschätzung des Unternehmens erfüllt die dortige Produktion die Voraussetzungen für das Förderprogramm.

Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet Befesa eine Steuergutschrift von rund 29 Millionen US-Dollar. Umgerechnet entspricht dies nach dem vom Unternehmen verwendeten Wechselkurs ungefähr 26 Millionen Euro.

US-Steuerbehörde muss Ansprüche prüfen

Die finanzielle Wirkung ist bislang nicht endgültig gesichert. Befesa erklärte, gemeinsam mit seinen Steuerberatern von einer Berechtigung zur Inanspruchnahme der Förderung auszugehen.

Das Unternehmen hat bereits eine Registrierungsnummer der amerikanischen Steuerbehörde Internal Revenue Service, kurz IRS, erhalten. Anschließend wurde ein Förderanspruch für das Geschäftsjahr 2025 eingereicht.

Dieser Antrag umfasst rund 34 Millionen US-Dollar beziehungsweise nach der Unternehmensrechnung etwa 30 Millionen Euro.

Die Registrierung bedeutet allerdings noch keine abschließende Genehmigung. Sowohl die Förderhöhe als auch die Voraussetzungen für die Bilanzierung und die spätere Auszahlung unterliegen weiterhin der Prüfung durch den IRS.

Befesa plant, den erwarteten Förderbetrag für 2026 im vierten Quartal als Verringerung der operativen Kosten zu berücksichtigen. Dadurch würde das bereinigte EBITDA steigen.

Ein tatsächlicher Zahlungseingang aus dem Förderprogramm wird für 2026 jedoch nicht erwartet. Für den bereits geltend gemachten Anspruch aus dem Geschäftsjahr 2025 rechnet das Unternehmen mit einer Auszahlung im ersten Halbjahr 2027.

Steuergutschriften könnten bis 2033 helfen

Befesa sieht in dem amerikanischen Förderprogramm auch eine längerfristige Unterstützung seines Geschäfts.

Nach derzeitiger Einschätzung könnte das Unternehmen unter den geltenden Voraussetzungen bis einschließlich 2033 von entsprechenden Steuergutschriften profitieren.

Als mögliche jährliche Größenordnung nennt Befesa einen positiven Ergebnisbeitrag zwischen 25 und 30 Millionen Euro. Die tatsächliche Höhe hängt unter anderem von den anrechenbaren Produktionskosten ab.

Allerdings sieht das Fördermodell nach Unternehmensangaben eine schrittweise Reduzierung vor. Für 2031 sollen noch 75 Prozent, für 2032 noch 50 Prozent und für 2033 noch 25 Prozent des ansonsten anwendbaren Förderbetrags berücksichtigt werden.

Voraussetzung bleibt, dass Befesa die gesetzlichen Anforderungen weiterhin erfüllt und sich die maßgeblichen Rahmenbedingungen nicht entsprechend ändern. Eine endgültige Zusage für die kommenden Jahre liegt damit nicht vor.

Höherer Gewinn je Aktie erwartet

Die angenommene Förderung verändert auch weitere Finanzziele des Konzerns.

Unter Einbeziehung der Steuergutschrift erwartet Befesa für 2026 einen Gewinn je Aktie von mehr als 2,90 Euro. Ohne diesen Effekt liegt die entsprechende Unternehmensprognose bei mehr als 2,20 Euro.

Auch bei der Verschuldung berücksichtigt der Konzern die erwartete Entlastung. Das Verhältnis der Nettoverschuldung zum bereinigten EBITDA soll zum Jahresende unter Einbeziehung der Förderung bei ungefähr 1,8 liegen. Ohne den Effekt rechnet Befesa mit einem Wert von etwa 2,0.

Unverändert bleibt dagegen die Investitionsplanung von rund 70 Millionen Euro. Beim operativen Cashflow erwartet das Unternehmen weiterhin ein Wachstum im einstelligen Prozentbereich.

Damit macht die neue Prognose deutlich, dass ein höheres bilanzielles Ergebnis nicht unmittelbar mit zusätzlichen verfügbaren Zahlungsmitteln gleichzusetzen ist.

Befesa-Aktie gewinnt deutlich an Wert

Die Anhebung der Ergebnisprognose löste am Mittwoch eine positive Börsenreaktion aus.

Nach einer am 28. Oktober 2026 veröffentlichten Kursangabe von wallstreetONLINE lag die Befesa-Aktie um 13.56 Uhr im Handel auf Tradegate bei 35,75 Euro. Das entsprach einem Plus von 7,36 Prozent gegenüber dem Vortag.

Die Kursentwicklung folgte auf die Veröffentlichung der neuen Unternehmensprognose. Dabei rückte insbesondere die Aussicht auf zusätzliche Ergebnisbeiträge aus der amerikanischen Zinkproduktion in den Mittelpunkt.

Allerdings bleibt die Bewertung des Fördereffekts mit Unsicherheiten verbunden. Neben der abschließenden Prüfung durch die US-Steuerbehörde spielen die tatsächlichen Produktionskosten und die weitere Entwicklung der amerikanischen Förderregeln eine Rolle.

Recycling von Industriemetallen als Geschäftsmodell

Befesa ist auf die Behandlung und Wiederverwertung industrieller Reststoffe spezialisiert. Zu den wichtigsten Geschäftsfeldern gehören das Recycling von Stahlwerksstäuben und die Aufbereitung von Rückständen aus der Aluminiumindustrie.

Bei der Stahlproduktion fallen unter anderem metallhaltige Stäube an. Befesa verarbeitet entsprechende Rückstände und gewinnt daraus wieder nutzbare Rohstoffe zurück.

Das Unternehmen verbindet damit industrielle Entsorgungsdienstleistungen mit der Rückgewinnung von Metallen. Die Anlagen befinden sich unter anderem in Europa, Asien und Nordamerika.

Die Zinkraffination in den Vereinigten Staaten spielt bei der jetzt angekündigten Ergebnisverbesserung eine besondere Rolle. Während das klassische Recyclinggeschäft von industriellen Produktionsmengen und Metallmärkten beeinflusst wird, könnte die amerikanische Steuergutschrift einen zusätzlichen Ergebnisbeitrag ermöglichen.

Weitere Geschäftszahlen folgen am Donnerstag

Bereits für Donnerstag, 29. Oktober 2026, hat Befesa die Veröffentlichung seiner Quartalszahlen angekündigt.

Dann sollen weitere Informationen zur operativen Entwicklung des Industrie-Recyclers vorliegen. Die jetzt beschlossene Anhebung der Jahresprognose geht dieser regulären Finanzberichterstattung voraus.

Für die weitere Geschäftsentwicklung bleibt maßgeblich, in welchem Umfang die erwarteten Förderansprüche tatsächlich anerkannt werden und wie sich das Recyclinggeschäft unabhängig von der steuerlichen Entlastung entwickelt.

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