
Vier Wochen vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus sieht eine neue Umfrage die Linke deutlich an der Spitze. In der am Samstag veröffentlichten Erhebung des Instituts Forsa im Auftrag von t-online erreicht die Partei mit ihrer Spitzenkandidatin Elif Eralp 22 Prozent. CDU und AfD folgen mit jeweils 18 Prozent. Die Grünen kommen auf 16 Prozent, während die SPD mit 12 Prozent auf dem fünften Platz liegt.
Die Zahlen markieren eine auffällige Verschiebung im Berliner Wahlkampf. Noch wenige Tage zuvor hatte eine INSA-Erhebung die CDU mit 20 Prozent knapp vor der Linken mit 19 Prozent gesehen. Auch andere Befragungen der vergangenen Wochen zeigten wechselnde Spitzenreiter und geringe Abstände zwischen mehreren Parteien. Die neue Forsa-Erhebung ist deshalb eine Momentaufnahme und keine Prognose für das Ergebnis am 20. September.
Für die Umfrage zur Berlin-Wahl 2026 befragte Forsa nach Angaben des Auftraggebers zwischen dem 4. und 18. August insgesamt 1.535 Menschen. Die statistische Fehlertoleranz wird mit bis zu drei Prozentpunkten angegeben. Damit können insbesondere kleinere Abstände zwischen den Parteien nicht als sicherer Vorsprung für den Wahltag verstanden werden.
Der Abstand zwischen der Linken und den beiden zweitplatzierten Parteien beträgt in der Forsa-Erhebung vier Prozentpunkte. CDU und AfD erreichen jeweils 18 Prozent. Die Grünen liegen zwei Punkte dahinter bei 16 Prozent. Besonders schwach fällt das Ergebnis für die SPD aus. Die Partei, die gemeinsam mit der CDU die Berliner Landesregierung trägt, kommt lediglich auf 12 Prozent.
BSW und FDP würden nach den Forsa-Zahlen den Einzug in das Abgeordnetenhaus verpassen. Das BSW erreicht vier Prozent, die FDP drei Prozent. Für den Einzug über die Landes- oder Bezirkslisten gilt grundsätzlich eine Fünf-Prozent-Hürde.
Die deutliche Führung der Linken lässt sich nicht ohne Weiteres auf alle jüngeren Erhebungen übertragen. INSA hatte bei einer Mitte August veröffentlichten Befragung die CDU bei 20 Prozent gesehen. Die Linke kam dort auf 19 Prozent, die AfD auf 17 Prozent, die Grünen auf 16 Prozent und die SPD auf 15 Prozent.
Eine Civey-Erhebung vom 5. August hatte dagegen bereits die Linke an der Spitze gesehen. Sie erreichte dort 21 Prozent, gefolgt von der CDU mit 19 Prozent, der AfD mit 18 Prozent und den Grünen mit 17 Prozent. Die SPD lag auch in dieser Befragung mit 12 Prozent deutlich hinter den vier stärkeren Parteien.
Damit wechseln sich Linke und CDU in den jüngsten klassischen Sonntagsfragen an der Spitze ab. Auffällig stabil ist dagegen die Position der SPD im hinteren Teil des Feldes. In mehreren aktuellen Erhebungen erreicht sie nur Werte zwischen 12 und 15 Prozent.
Verglichen mit der Wiederholungswahl zum Abgeordnetenhaus im Februar 2023 wären die Verschiebungen erheblich. Damals gewann die CDU mit 28,2 Prozent der Zweitstimmen. SPD und Grüne kamen jeweils auf rund 18,4 Prozent. Die Linke erreichte 12,2 Prozent und die AfD 9,1 Prozent. Die FDP scheiterte mit 4,6 Prozent am Einzug.
Sollten sich die aktuellen Größenordnungen am Wahltag bestätigen, würde die Linke gegenüber 2023 deutlich zulegen, während die CDU einen beträchtlichen Teil ihres damaligen Stimmenanteils verlieren würde. Auch die AfD läge deutlich über ihrem Ergebnis von 2023. Für die SPD zeichnet sich dagegen in den Umfragen ein wesentlich schwächeres Resultat als bei der letzten Wahl ab.
Berlin wird derzeit von CDU und SPD regiert. Der bisherige Regierende Bürgermeister Kai Wegner tritt bei der Wahl nicht erneut als Spitzenkandidat seiner Partei an. Für die CDU geht Finanz- und Kultursenator Stefan Evers ins Rennen. Die Linke tritt mit Elif Eralp an, die SPD mit Steffen Krach, die Grünen mit Werner Graf und die AfD mit Kristin Brinker.
Die Forsa-Zahlen machen zugleich deutlich, dass eine Regierungsbildung nach der Wahl schwierig werden könnte. Nach der aktuellen Verteilung würde keines der naheliegenden Zweierbündnisse eine Mehrheit erreichen. Rechnerisch kämen dagegen unter anderem Linke, Grüne und SPD gemeinsam auf 50 Prozent der Stimmen. CDU, Grüne und SPD erreichten zusammen 46 Prozent. Wie viele Mandate daraus tatsächlich entstehen würden, hängt jedoch auch davon ab, welche kleineren Parteien die Fünf-Prozent-Hürde überwinden.
Gewählt wird am 20. September 2026. Neben dem Abgeordnetenhaus werden auch die Bezirksverordnetenversammlungen neu bestimmt. Erstmals dürfen bei einer regulären Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus auch 16- und 17-Jährige abstimmen. Wahlberechtigt sind deutsche Staatsangehörige ab 16 Jahren, die die weiteren gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen und seit mindestens drei Monaten in Berlin wohnen oder sich dort gewöhnlich aufhalten.
Die kommenden Wochen bleiben damit für mehrere Parteien entscheidend. Die neue Forsa-Erhebung verschafft der Linken erstmals in einer der jüngsten Umfragen einen deutlicheren Abstand zur Konkurrenz. Gleichzeitig zeigen die Unterschiede zwischen Forsa, INSA und Civey, dass das Rennen um Platz eins weiterhin offen ist.
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