Bethlehem-Krankenhaus in Stolberg beantragt Insolvenz in Eigenverwaltung

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

Teilen:

Das Bethlehem-Krankenhaus in Stolberg bei Aachen muss wirtschaftlich saniert werden. Die Betreibergesellschaft hat beim Amtsgericht Aachen ein vorläufiges Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Rund 1.200 Beschäftigte sind von der Entwicklung betroffen. Für Patientinnen und Patienten soll sich zunächst nichts ändern. Der Krankenhausbetrieb läuft nach Angaben der Verantwortlichen uneingeschränkt weiter. Hintergrund sind gestiegene Betriebskosten und finanzielle Belastungen durch gesetzliche Änderungen im Gesundheitswesen.

Anzeige

Insolvenzverfahren am Bethlehem-Krankenhaus soll Sanierung ermöglichen

Die Bethlehem Gesundheitszentrum Stolberg GmbH stellte den Insolvenzantrag am 2. November 2026. Öffentlich bekannt wurde das Verfahren am folgenden Tag. Das Unternehmen gehört mehrheitlich zur Alexianer Gruppe, die bundesweit Krankenhäuser und weitere Gesundheitseinrichtungen betreibt.

Bei dem beantragten Verfahren handelt es sich um eine vorläufige Eigenverwaltung. Anders als bei einem regulären Insolvenzverfahren soll die bisherige Geschäftsführung die wirtschaftliche Neuordnung selbst verantworten. Ein gerichtlich bestellter Sachwalter überwacht den Prozess und berücksichtigt dabei insbesondere die Interessen der Gläubiger.

Das Amtsgericht Aachen hat Rechtsanwalt Mark Boddenberg zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Geschäftsführer Tobias Holzschneider bleibt im Amt. Bei der Sanierung wird er von Rechtsanwalt Till Forster unterstützt, der als Generalhandlungsbevollmächtigter tätig ist.

Anzeige

Die Eigenverwaltung soll ermöglichen, die wirtschaftlichen Strukturen des Krankenhauses zu verändern, ohne den laufenden Betrieb einzustellen. Eine endgültige Entscheidung über sämtliche Sanierungsmaßnahmen liegt bislang nicht vor. Auch die formelle Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist vom zunächst beantragten vorläufigen Verfahren zu unterscheiden.

Rund 1.200 Beschäftigte von Insolvenz betroffen

Besonders groß ist die Unsicherheit für die rund 1.200 Beschäftigten des Bethlehem Gesundheitszentrums. Welche Auswirkungen die Sanierung auf einzelne Arbeitsplätze haben wird, steht bislang nicht fest.

Die Verantwortlichen wollen sowohl die medizinischen Leistungsbereiche als auch den Personalaufwand überprüfen. Damit sind Veränderungen innerhalb der Klinik möglich. Konkrete Entscheidungen über die Schließung einzelner Abteilungen oder die Zahl möglicherweise wegfallender Arbeitsplätze wurden zunächst nicht bekannt gegeben.

Geschäftsführer Holzschneider erklärte gegenüber dem WDR, dass die einzelnen Abteilungen untersucht werden sollen. Die Umstrukturierung solle spätestens 2029 abgeschlossen sein. Für Beschäftigte, deren bisherige Tätigkeit durch Veränderungen betroffen sein könnte, wolle das Krankenhaus nach alternativen Einsatzmöglichkeiten suchen.

Die Löhne und Gehälter sind nach Angaben der für das Verfahren verantwortlichen Stellen zunächst durch Insolvenzgeld abgesichert. Diese gesetzliche Leistung schützt Arbeitnehmer bei einer Insolvenz grundsätzlich für einen Zeitraum von bis zu drei Monaten vor dem maßgeblichen Insolvenzereignis vor Lohnausfällen. Sie bedeutet allerdings keine dauerhafte Beschäftigungsgarantie.

Patientenversorgung soll trotz Insolvenz weiterlaufen

Für Patientinnen und Patienten hat die Insolvenz zunächst keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Behandlung. Das Bethlehem Gesundheitszentrum erklärte, dass sowohl geplante Operationen als auch weitere medizinische Behandlungen und Therapien unverändert stattfinden sollen.

Auch die ärztliche und pflegerische Betreuung werde fortgesetzt. Die Klinik teilte außerdem mit, dass die Bezahlung neuer Lieferungen und Dienstleistungen gewährleistet sei. Damit sollen die Voraussetzungen für einen geordneten Krankenhausbetrieb während der Sanierung erhalten bleiben.

Die Alexianer Gruppe hält nach eigenen Angaben am Standort Stolberg fest. Zugleich soll im Verfahren untersucht werden, unter welchen wirtschaftlichen und organisatorischen Bedingungen das Krankenhaus langfristig betrieben werden kann.

Welche medizinischen Angebote dauerhaft in ihrer bisherigen Form bestehen bleiben, ist damit noch nicht abschließend entschieden. Andere Einrichtungen der Alexianer Gruppe sind nach Angaben des Unternehmens von dem Insolvenzverfahren nicht betroffen.

Gestiegene Kosten und neue gesetzliche Vorgaben belasten die Klinik

Als wesentliche Ursachen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten nennt die Krankenhausleitung höhere Ausgaben für Personal, Energie und Medizinprodukte. Hinzu kommen nach Darstellung des Unternehmens finanzielle Belastungen durch Veränderungen der gesetzlichen Krankenhausfinanzierung.

Insbesondere verweist Geschäftsführer Holzschneider auf das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Durch die gesetzlichen Vorgaben erwartet die Klinik nach eigenen Berechnungen zusätzliche finanzielle Einbußen in Millionenhöhe.

Das Gesetz soll die Ausgabenentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung begrenzen. Für Krankenhäuser gelten in den Jahren 2027 bis 2029 neue Vorgaben für die Steigerung der Vergütung. Dadurch sollen die Ausgaben der Krankenkassen weniger stark wachsen.

Aus Sicht des Bethlehem Gesundheitszentrums verschärfen diese Regelungen die bereits bestehende wirtschaftliche Belastung. Wie hoch die gesamten Verbindlichkeiten der Gesellschaft sind und welchen konkreten Finanzierungsbedarf die Sanierung auslöst, wurde zunächst nicht beziffert. Auch eine unabhängig bestätigte Berechnung der vom Krankenhaus erwarteten zusätzlichen Millionenbelastung lag zunächst nicht vor.

Wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser bundesweit angespannt

Die Insolvenz in Stolberg fällt in eine Zeit erheblicher wirtschaftlicher Schwierigkeiten vieler deutscher Krankenhäuser. Gestiegene Personal- und Sachkosten sowie Unsicherheiten über die künftige Vergütung medizinischer Leistungen setzen zahlreiche Einrichtungen unter Druck.

Wie angespannt die Situation ist, verdeutlicht das Krankenhaus-Konjunkturbarometer des Deutschen Krankenhausinstituts aus dem August 2026. Demnach erwarteten 61 Prozent der befragten Krankenhäuser eine weitere Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Situation innerhalb der folgenden sechs Monate.

Nur neun Prozent der Einrichtungen gaben an, ihre laufenden Betriebsausgaben unbegrenzt aus vorhandenen liquiden Mitteln finanzieren zu können. Bei den übrigen Häusern reichten die verfügbaren Mittel im Durchschnitt noch für etwa vier Wochen. An der Befragung beteiligten sich 274 Allgemeinkrankenhäuser.

Parallel dazu befindet sich das deutsche Krankenhauswesen in einem grundlegenden Umbau. Die Krankenhausreform soll medizinische Leistungen stärker bündeln, Qualitätsanforderungen vereinheitlichen und die Finanzierung verändern.

Ein zentraler Bestandteil ist die geplante Vorhaltevergütung. Krankenhäuser sollen damit künftig nicht mehr ausschließlich von der Zahl behandelter Fälle abhängig sein. Nach gesetzlichen Anpassungen wird die neue Finanzierung schrittweise eingeführt und soll ab 2030 vollständig wirksam werden.

Ob diese Veränderungen die finanzielle Situation einzelner Einrichtungen verbessern, hängt unter anderem von deren Leistungsangebot, Versorgungsauftrag und wirtschaftlicher Struktur ab.

Zukunft des Bethlehem Gesundheitszentrums noch nicht abschließend geklärt

Für das Bethlehem-Krankenhaus steht nun die Entwicklung eines wirtschaftlich tragfähigen Sanierungskonzepts im Mittelpunkt. Nach den bisherigen Angaben sollen sowohl die medizinische Ausrichtung als auch die internen Kostenstrukturen überprüft werden.

Die Krankenhausleitung verfolgt das Ziel, den Standort zu erhalten und die medizinische Versorgung langfristig sicherzustellen. Die Alexianer Gruppe will im Verfahren prüfen, welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen.

Für die rund 1.200 Beschäftigten bleiben damit wesentliche Fragen offen. Insbesondere die künftige Personalstruktur und mögliche Veränderungen einzelner medizinischer Bereiche sind noch nicht abschließend geklärt. Bestätigt ist zunächst, dass der Klinikbetrieb während der eingeleiteten Sanierung fortgesetzt werden soll.

Mit MS-Aktuell immer ohne Paywall lesen
Bei Google bevorzugen

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu