Milliardentransfers bei Binance: Bitcoin gerät unter Druck, Hintergründe zunächst unklar

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Große Kryptowährungstransfers aus Wallets der Handelsplattform Binance haben am Donnerstagabend (29. Oktober 2026) für Unsicherheit am Kryptomarkt gesorgt. Innerhalb kurzer Zeit wurden digitale Vermögenswerte im Wert von mehr als zwei Milliarden US-Dollar bewegt. Gleichzeitig fiel der Bitcoin-Kurs zeitweise deutlich unter 79.000 Dollar. Ob die Transaktionen auf interne Umbuchungen oder einen unbefugten Zugriff zurückzuführen sind, blieb zunächst offen.

Anzeige

Binance-Wallets bewegen Kryptowährungen im Milliardenwert

Ausgangspunkt der Entwicklung waren auffällige Transaktionen auf der Ethereum-Blockchain. Nach den über den Blockchain-Explorer Etherscan dokumentierten und von BeInCrypto ausgewerteten Daten wurden am Donnerstag um 20.24 Uhr UTC, also 21.24 Uhr deutscher Zeit, rund 167.464 Ethereum aus einer als Binance 14 gekennzeichneten Wallet übertragen.

Wenige Sekunden später folgte eine weitere Überweisung von rund 28.005 Ethereum aus einer zweiten Binance-Wallet. Zusätzlich wurden zahlreiche Token bewegt, darunter der an den US-Dollar gekoppelte Stablecoin Tether (USDT) im Wert von etwa 1,6 Milliarden Dollar. Auch die Blockchain-Datenplattform Cexlens erfasste eine entsprechende große USDT-Übertragung an die betreffende Empfangsadresse.

Die Gelder gelangten zunächst an eine neu eingerichtete Adresse. Ein Teil der Kryptowährungen wurde anschließend an weitere Adressen übertragen.

Anzeige

Für die Binance-Transfers wurden unterschiedliche Gesamtwerte genannt. Der Marktinformationsdienst Tree News bezifferte das Volumen nach Angaben von BeInCrypto auf rund 2,53 Milliarden Dollar. Noch höhere Summen von bis zu 3,3 Milliarden Dollar ließen sich zunächst nicht als gesicherter Gesamtschaden bestätigen.

Hackerangriff auf Binance bislang nicht bestätigt

Die ungewöhnlichen Geldbewegungen lösten Befürchtungen über einen möglichen Sicherheitsvorfall aus. Eine unabhängige Bestätigung für einen Hackerangriff lag zunächst jedoch nicht vor.

Auch aus den Blockchain-Transaktionen allein lässt sich nicht ableiten, ob Kryptowährungen unbefugt übertragen wurden. Handelsplattformen bewegen regelmäßig größere Bestände zwischen unterschiedlichen Wallets, beispielsweise zur Verwaltung ihrer Reserven oder zur technischen Organisation von Einzahlungen und Auszahlungen.

Binance hatte bereits für den 28. Oktober Wartungsarbeiten an seinen Ethereum-Wallets angekündigt. Diese sollten nach Unternehmensangaben etwa eine Stunde dauern. Ob zwischen den angekündigten Arbeiten und den Transfers am folgenden Abend ein Zusammenhang besteht, war nicht bestätigt.

Zu den konkreten Milliardenbewegungen lag am späten Donnerstagabend zunächst keine öffentliche Erklärung von Binance vor. Auch eine bestätigte Stellungnahme von Unternehmensgründer und früherem Vorstandschef Changpeng Zhao zu diesem Vorgang war zunächst nicht bekannt.

Bitcoin fällt zeitweise auf rund 78.300 Dollar

Parallel zu den ungeklärten Geldbewegungen verstärkte sich der Verkaufsdruck am Kryptowährungsmarkt.

Nach von BeInCrypto veröffentlichten TradingView-Daten lag der Bitcoin-Kurs am Donnerstag gegen 21 Uhr deutscher Zeit bei rund 80.800 US-Dollar. Gegen 21.35 Uhr erreichte er zeitweise etwa 78.300 Dollar. Das entsprach einem Rückgang um ungefähr drei Prozent innerhalb von 35 Minuten.

Anschließend erholte sich die Kryptowährung zunächst wieder auf mehr als 79.100 Dollar. Auch Ethereum verlor deutlich und fiel zeitweise auf ungefähr 2.233 Dollar.

Der Kryptomarkt hatte allerdings bereits vor den Binance-Transfers unter Druck gestanden. Unsicherheit über die amerikanische Geldpolitik und Kursverluste bei Technologiewerten belasteten die Stimmung. Eine eindeutige Zuordnung sämtlicher Kursverluste zu den Wallet-Bewegungen ist daher nicht möglich.

Hohe Liquidationen verstärken die Bewegungen am Kryptomarkt

Der Kursrückgang traf insbesondere Anleger, die mit geliehenem Kapital auf steigende Kryptowährungspreise gesetzt hatten.

Nach einer Auswertung von Daten der Analyseplattform CoinGlass durch BeInCrypto wurden innerhalb einer Stunde gehebelte Kryptowährungspositionen im Umfang von rund 627,7 Millionen US-Dollar zwangsweise geschlossen. Etwa 606,6 Millionen Dollar entfielen dabei auf Positionen, die auf steigende Kurse ausgerichtet waren.

Allein auf Binance wurden demnach Positionen im Wert von rund 344,8 Millionen Dollar liquidiert. Weitere größere Liquidationen entfielen auf die Handelsplattformen Hyperliquid und Bybit.

Solche Zwangsschließungen können starke Kursbewegungen zusätzlich beschleunigen. Sinkt der Wert einer gehebelten Position unter bestimmte Sicherungsgrenzen, wird sie von der Handelsplattform automatisch geschlossen.

Ungewissheit über die Transfers belastet das Vertrauen

Die Vorgänge betreffen mit Binance eine der weltweit bedeutendsten Handelsplattformen für Kryptowährungen. Entsprechend aufmerksam werden größere Bewegungen ihrer digitalen Bestände verfolgt.

Die öffentlich dokumentierten Transfers belegen zunächst nur, dass erhebliche Kryptowährungsbestände zwischen Blockchain-Adressen bewegt wurden. Wem die empfangenden Adressen tatsächlich zuzurechnen sind und ob Binance die Kontrolle über die übertragenen Vermögenswerte behalten hat, war am Donnerstagabend nicht geklärt.

Ein bestätigter Verlust von Kundengeldern lag damit zunächst ebenso wenig vor wie eine gesicherte Erklärung für die ungewöhnlichen Transaktionen.

Stand: 29. Oktober 2026, 22.32 Uhr MEZ. Die genannten Kurse beziehen sich auf die jeweils angegebenen Handelszeiten.

Mit MS-Aktuell immer ohne Paywall lesen
Bei Google bevorzugen

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu