
Biomethan rückt 2026 wieder stärker in den Fokus der Energiepolitik. Der aktuelle Anlass ist die neue Ausschreibungsrunde in Deutschland, bei der die Bundesnetzagentur wieder Förderzuschläge für Biomethananlagen vergeben hat. Zugleich wächst der europäische Markt, während die EU den Ausstieg aus russischem Gas verbindlich vorantreibt. Das erneuerbare Gas gilt damit erneut als möglicher Baustein für Versorgungssicherheit, Wärmewende und flexible Stromproduktion. Der Markt bleibt jedoch angespannt.
Die Bundesnetzagentur hat für den Gebotstermin 1. April 2026 sechs Gebote für Biomethananlagen mit einem Volumen von 38.024 Kilowatt bezuschlagt. Der durchschnittliche, mengengewichtete Zuschlagswert lag bei 23,08 Cent je Kilowattstunde. Der niedrigste erfolgreiche Gebotswert betrug 22,99 Cent je Kilowattstunde, der höchste 23,12 Cent je Kilowattstunde. Das Ausschreibungsvolumen war zuvor wegen drohender Unterzeichnung auf 60.908 Kilowatt reduziert worden. Die Ergebnisse zeigen, dass wieder Projekte in das Förderverfahren gekommen sind. Sie zeigen aber auch, dass die Nachfrage nach Förderzuschlägen weiter unter dem möglichen Volumen blieb.
Auf europäischer Ebene bleibt Biomethan Teil der Energie- und Klimastrategie. Die EU-Kommission verweist auf das REPowerEU-Ziel, die Produktion von Biomethan bis 2030 auf 35 Milliarden Kubikmeter pro Jahr zu steigern. Dafür wird ein Investitionsbedarf von rund 37 Milliarden Euro genannt. Biomethan ist technisch interessant, weil es nach der Aufbereitung in bestehende Gasnetze eingespeist und in Strom, Wärme, Industrie oder Verkehr eingesetzt werden kann. Dadurch unterscheidet es sich von vielen erneuerbaren Energien, die stärker von neuen Leitungen, Speichern oder Verbrauchstechnologien abhängig sind.
Der politische Kontext ist die europäische Abkehr von russischen Energieimporten. Nach Angaben der EU-Kommission sank der Anteil russischer Gasimporte von 45 Prozent im Jahr 2022 auf 12 Prozent im Jahr 2025. Die REPowerEU-Gasverordnung trat am 3. Februar 2026 in Kraft. Sie sieht ein dauerhaftes Ende russischer LNG-Importe im Jahr 2026 und russischer Pipelinegasimporte im Jahr 2027 vor. Biomethan kann diese Mengen nicht allein ersetzen. Es kann aber als heimisch erzeugbares erneuerbares Gas dazu beitragen, den Importbedarf zu senken und flexible Energie bereitzustellen.
In Deutschland bleibt die Lage gemischt. Nach Daten der Deutschen Energie-Agentur wurden 2024 rund 10 Terawattstunden Biomethan in etwa 230 Anlagen erzeugt und eingespeist. Hinzu kamen 3,5 Terawattstunden Importe aus dem Ausland. Die dena beschreibt den deutschen Markt dennoch als angespannt. Als Belastungen nennt sie unter anderem geringere Nachfrage, den Einbruch im EEG-Geschäft, politische Unsicherheit, fehlende Anreize, niedrige Preise, Insolvenzen und Betrugsfälle. Dass erfolgreiche Gebote in der aktuellen Ausschreibung sehr nah am Höchstwert lagen, unterstreicht den wirtschaftlichen Druck auf neue Projekte.
Europaweit meldete die European Biogas Association zusammen mit Gas Infrastructure Europe für Ende des zweiten Quartals 2026 eine Biomethan-Kapazität von 8,2 Milliarden Kubikmetern pro Jahr. Das entspricht nach Branchenangaben einem Plus von einem Milliarden Kubikmeter binnen eines Jahres. Die Zahl der Anlagen stieg demnach von 1.678 auf 1.975. Zugleich bleibt der Ausbau ungleich verteilt. Nach Angaben der Verbände entfällt der Großteil der europäischen Produktion auf wenige Länder. Eine unabhängige Bestätigung aller Detailzahlen lag zunächst nicht vor.
Für die Akzeptanz von Biomethan ist entscheidend, aus welchen Rohstoffen es hergestellt wird und wie Lieferketten kontrolliert werden. In Deutschland wurde der zulässige Maisanteil im Substratmix für Ausschreibungen 2026 auf 25 Masseprozent gesenkt. Damit soll der Einsatz von Energiepflanzen begrenzt werden. Auf EU-Ebene soll die Union Database mehr Transparenz schaffen. Sie erfasst Transaktionen erneuerbarer und recycelter gasförmiger Kraftstoffe, darunter Biomethan, und soll das Risiko von Unregelmäßigkeiten, Betrug und Doppelzählungen senken.
Die aktuellen Zuschläge sind ein Signal, aber noch kein Beleg für einen breiten Neustart des deutschen Biomethanmarktes. Unklar blieb zunächst, ob die verbesserten Förderbedingungen ausreichen, um mehr Betreiber und Investoren in neue Projekte zu bringen. Für den weiteren Ausbau zählen vor allem Planungssicherheit, verlässliche Nachhaltigkeitsnachweise, wettbewerbsfähige Erlöse und schnellere Genehmigungen. Biomethan bleibt damit ein Baustein der Energiewende, aber kein einfacher Ersatz für Erdgas.
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