
BioNTech hat nach einem schwachen zweiten Quartal seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 deutlich reduziert. Der Mainzer Biotechnologiekonzern rechnet inzwischen mit Erlösen zwischen 1,6 und 1,9 Milliarden Euro. Im März hatte die erwartete Spanne noch bei 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro gelegen. Die BioNTech Jahresprognose 2026 spiegelt damit vor allem die schwächere Nachfrage nach Covid-19-Impfstoffen und verschobene erwartete Umsätze wider.
Die Zahlen beziehen sich auf die am 4. August veröffentlichten ungeprüften Ergebnisse für die drei beziehungsweise sechs Monate bis zum 30. Juni 2026. Seit der Vorlage des Quartalsberichts hat BioNTech weitere Entwicklungen bei seinem Covid-19-Impfstoff und in der Onkologie-Pipeline bekanntgegeben.
Die Umsatzerlöse lagen im zweiten Quartal 2026 bei 105,6 Millionen Euro. Im entsprechenden Vorjahresquartal waren es 260,8 Millionen Euro. Damit gingen die Erlöse innerhalb eines Jahres um rund 59,5 Prozent zurück.
Auch im gesamten ersten Halbjahr blieb der Umsatz deutlich unter dem Vorjahresniveau. Für die sechs Monate bis zum 30. Juni 2026 lagen die Erlöse bei 223,7 Millionen Euro, nach 443,6 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2025.
BioNTech führte den Rückgang im Wesentlichen auf eine geringere Nachfrage nach seinen Covid-19-Impfstoffen zurück. Bei der Jahresprognose berücksichtigt das Unternehmen zudem, dass in Deutschland in der Impfsaison 2026 vorhandene Impfstoffbestände genutzt werden. Hinzu kommen meilensteinbezogene Erlöse aus einem auslizenzierten Forschungs- und Entwicklungsprogramm, die BioNTech nicht mehr für 2026 erwartet.
Der Konzern geht nach seiner im August veröffentlichten Planung weiterhin davon aus, einen großen Teil des Jahresumsatzes erst in der zweiten Jahreshälfte zu erzielen. Insbesondere erwartet BioNTech im dritten Quartal einen Umsatz von 613 Millionen Euro aus der Zusammenarbeit mit Bristol Myers Squibb. Dabei handelt es sich um eine Unternehmensprognose und noch nicht um realisierte Erlöse.
Parallel zum Umsatzrückgang weitete sich der Verlust aus. Der Nettoverlust nach IFRS lag im zweiten Quartal 2026 bei 820,8 Millionen Euro. Im zweiten Quartal 2025 waren es 386,6 Millionen Euro. Der Verlust erhöhte sich damit im Jahresvergleich um rund 112 Prozent.
Für das erste Halbjahr 2026 lag der Nettoverlust bei 1,353 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2025 waren es 802,4 Millionen Euro. Das unverwässerte und verwässerte Ergebnis je Aktie lag im zweiten Quartal 2026 bei minus 3,24 Euro, nach minus 1,60 Euro ein Jahr zuvor.
Ein wesentlicher Kostenblock bleibt die Forschung und Entwicklung. Die entsprechenden IFRS-Aufwendungen lagen im zweiten Quartal bei 551,0 Millionen Euro, gegenüber 509,1 Millionen Euro im Vorjahresquartal. BioNTech verwies unter anderem auf höhere Ausgaben für Immunonkologie-Programme und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, insbesondere für Pumitamig und Gotistobart. Hinzu kamen Wertminderungen immaterieller Vermögenswerte und die Einbeziehung der Ende 2025 übernommenen CureVac-Aktivitäten.
Die adjustierten Forschungs- und Entwicklungskosten lagen im zweiten Quartal bei 477,1 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr erwartet BioNTech inzwischen adjustierte Forschungs- und Entwicklungskosten von 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro. Zuvor hatte die Prognose bei 2,2 bis 2,5 Milliarden Euro gelegen.
Trotz der hohen Verluste verfügt der Konzern weiterhin über erhebliche finanzielle Reserven. Zum 30. Juni 2026 lagen Zahlungsmittel, Zahlungsmitteläquivalente und liquide Wertpapieranlagen zusammen bei 16,634 Milliarden Euro.
Davon entfielen 9,741 Milliarden Euro auf Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente. Weitere 5,035 Milliarden Euro waren als kurzfristige liquide Wertpapieranlagen ausgewiesen, 1,858 Milliarden Euro als langfristige liquide Wertpapieranlagen.
Die hohe Liquiditätsposition ist für BioNTech von besonderer Bedeutung, weil das Unternehmen parallel zum zurückgehenden Covid-19-Geschäft erhebliche Mittel in die Entwicklung neuer Krebsmedikamente investiert. Gleichzeitig läuft ein Aktienrückkaufprogramm. Im zweiten Quartal kaufte BioNTech nach eigenen Angaben American Depositary Shares im Gesamtwert von 151,6 Millionen US-Dollar zurück.
Der strategische Schwerpunkt hat sich seit dem Höhepunkt des Covid-19-Impfstoffgeschäfts deutlich in Richtung Onkologie verschoben. Bei Vorlage der Q2-Zahlen meldete BioNTech 14 laufende zulassungsrelevante klinische Studien sowie mehr als zehn neuartige Kombinationstherapien in häufigen Krebsarten.
Zu den wichtigen Kandidaten zählt Pumitamig, ein gemeinsam mit Bristol Myers Squibb entwickelter bispezifischer Immunmodulator. Er kombiniert die Hemmung von PD-L1 mit der Neutralisierung von VEGF-A. BioNTech untersucht den Kandidaten unter anderem bei verschiedenen Formen von Lungenkrebs, Brustkrebs, Darmkrebs und Magenkrebs.
Am 20. August teilte BioNTech mit, allein das Entwicklungsprogramm für Lungenkrebs umfasse inzwischen mehr als 16 laufende klinische Studien. Dazu gehören nach Unternehmensangaben fünf Phase-3-Studien. Für die World Conference on Lung Cancer vom 12. bis 15. September 2026 in Seoul sind weitere klinische Daten angekündigt.
Solche Studienergebnisse bedeuten noch keine Zulassung. Die Wirksamkeit und Sicherheit der jeweiligen experimentellen Therapien müssen in den vorgesehenen klinischen Programmen weiter geprüft und anschließend von den zuständigen Behörden bewertet werden.
Ende August gab es zugleich einen Rückschlag in einem mRNA-Onkologieprogramm. BioNTech teilte am 28. August mit, gemeinsam mit Genentech eine Phase-2-Studie mit Autogene Cevumeran bei bestimmten Patientinnen und Patienten mit operiertem Darmkrebs zu beenden.
Ein unabhängiges Kontrollgremium hatte nach Angaben des Unternehmens eine zahlenmäßige Unausgewogenheit beim Gesamtüberleben zwischen den Studiengruppen festgestellt und kam zu dem Schluss, dass eine Fortsetzung der Untersuchung das Ergebnis zur Wirksamkeit voraussichtlich nicht mehr verändern würde. Nach Angaben BioNTechs wurden dabei keine neuen Sicherheitssignale für den Wirkstoffkandidaten festgestellt.
Die Entscheidung betrifft diese konkrete Phase-2-Studie. Autogene Cevumeran wird von BioNTech und Genentech auch in anderen klinischen Entwicklungsprogrammen untersucht.
Beim kommerziell bereits etablierten Covid-19-Geschäft ist ein zum Zeitpunkt der Quartalszahlen noch laufendes Zulassungsverfahren inzwischen abgeschlossen. Die Europäische Kommission hatte die an die XFG-Variante angepasste Impfstoffversion für die Saison 2026/2027 bereits am 29. Juli für Personen ab sechs Monaten genehmigt.
Am 27. August genehmigte auch die US-Arzneimittelbehörde FDA die aktualisierte Comirnaty-Formulierung für die Saison 2026/2027. In den USA umfasst die Zulassung Personen ab 65 Jahren sowie Menschen zwischen fünf und 64 Jahren mit mindestens einer Grunderkrankung, die das Risiko eines schweren Covid-19-Verlaufs erhöht.
Damit bleibt das Covid-19-Impfstoffgeschäft zwar ein wichtiger Umsatzfaktor für BioNTech, seine wirtschaftliche Bedeutung ist gegenüber den Pandemie-Jahren jedoch deutlich gesunken. Ob und wann die umfangreiche Onkologie-Pipeline diesen Rückgang durch neue zugelassene Produkte ausgleichen kann, hängt von den Ergebnissen der laufenden klinischen Studien und den anschließenden regulatorischen Entscheidungen ab.
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