BioNTech treibt Umbau seines Produktionsnetzes voran

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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BioNTech treibt den angekündigten Umbau seines internationalen Produktionsnetzes voran. Das Mainzer Biotechnologieunternehmen prüft weiterhin mögliche Verkäufe seiner Standorte in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur sowie von Standorten der übernommenen CureVac. Diese Prüfung soll nach Angaben des Unternehmens bis Ende September fortgesetzt werden. Einen Verkauf oder einen Käufer für diese Standorte hat BioNTech bislang nicht bekanntgegeben.

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Damit konkretisiert BioNTech den Zeitplan für einen Umbau, der bereits Anfang Mai angekündigt worden war. Damals erklärte das Unternehmen, den Betrieb an mehreren Produktionsstätten aufgeben zu wollen. Insgesamt könnten davon bis zu rund 1.860 Stellen betroffen sein. Für die einzelnen Werke werden allerdings auch Teilverkäufe oder vollständige Veräußerungen geprüft. Gelingt eine solche Lösung, könnte ein Standort zumindest teilweise unter einem neuen Eigentümer weitergeführt werden.

Marburg und Idar-Oberstein gehören zu den geprüften Standorten

In Deutschland betrifft die Prüfung insbesondere die BioNTech-Produktionsstätten in Marburg und Idar-Oberstein. Hinzu kommen Standorte der Ende 2025 übernommenen CureVac, darunter Tübingen. BioNTech hatte im Mai angekündigt, den Betrieb in Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen bis Ende 2027 zu beenden, sofern sich keine andere Lösung ergibt. In Singapur soll der Betrieb nach der bisherigen Planung im ersten Quartal 2027 auslaufen.

Offiziell bestätigt war am Donnerstag lediglich, dass das Ausloten möglicher Veräußerungen bis Ende September weiterläuft. Ob bis dahin für sämtliche Standorte Käufer gefunden werden oder konkrete Verträge vorliegen werden, ist damit nicht zugesichert. Namen möglicher Interessenten veröffentlichte BioNTech zunächst nicht.

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Der Standort Marburg hat dabei besondere Bedeutung. BioNTech baute das dortige Werk während der Corona-Pandemie zu einem wichtigen Teil seiner europäischen mRNA-Produktion aus. In Singapur hatte das Unternehmen 2022 eine Produktionsanlage von Novartis übernommen. Sie sollte ursprünglich BioNTechs Produktionskapazitäten im asiatisch-pazifischen Raum erweitern und mehr als 100 Arbeitsplätze schaffen.

BioNTech verkauft JPT an einen von DUBAG beratenen Fonds

Dass BioNTech grundsätzlich bereit ist, Unternehmensteile im Zuge der Neuordnung abzugeben, zeigt eine parallel bekanntgegebene Transaktion. Die Tochter BioNTech Diagnostics hat eine Vereinbarung geschlossen, nach der ein von der Münchner DUBAG Group beratener Fonds sämtliche Anteile an JPT Peptide Technologies übernehmen soll.

Der Vollzug steht noch unter Bedingungen und wird nach Angaben von BioNTech im Laufe des Jahres 2026 erwartet. JPT ist auf peptidbasierte Produkte und Dienstleistungen für Forschung und Entwicklung spezialisiert. Die Transaktion ist Bestandteil der geplanten Konsolidierung des Produktionsnetzes.

Damit unterscheidet sich der Stand bei JPT von der Lage der Werke in Marburg, Idar-Oberstein und Singapur. Dort läuft die Suche nach möglichen Veräußerungsoptionen noch.

Bis zu 1.860 Stellen können von dem Umbau betroffen sein

BioNTech hatte den Produktionsumbau im Mai mit veränderten Lieferanforderungen, vorhandenen Kapazitäten bei Partnern, Überkapazitäten infolge von Unternehmensübernahmen und auslaufenden Verträgen begründet. Bis zu rund 1.860 Stellen könnten von den geplanten Veränderungen insgesamt betroffen sein.

Darin enthalten sind auch ehemalige CureVac-Beschäftigte. Nach früheren Unternehmensangaben sind dort rund 820 Stellen betroffen, ein großer Teil davon am früheren CureVac-Hauptsitz in Tübingen. Welche Zahl von Arbeitsplätzen letztlich tatsächlich entfällt, hängt auch davon ab, ob Standorte oder Unternehmensbereiche an neue Eigentümer übergehen können.

BioNTech erwartet nach vollständiger Umsetzung der Maßnahmen im Jahr 2029 wiederkehrende jährliche Einsparungen von rund 500 Millionen Euro. Das Unternehmen will dadurch nach eigener Darstellung Kapital für seine wachsende Medikamentenpipeline freisetzen.

Fokus verschiebt sich zunehmend auf Krebsmedikamente

Der Umbau fällt in eine Phase tiefgreifender Veränderungen bei BioNTech. Die Nachfrage nach Covid-19-Impfstoffen liegt deutlich unter dem Niveau der Pandemiejahre. Gleichzeitig investiert das Unternehmen hohe Summen in die Entwicklung neuer Krebsmedikamente.

Im ersten Halbjahr 2026 erzielte BioNTech einen Umsatz von 223,7 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es 443,6 Millionen Euro gewesen. Das Unternehmen führte den Rückgang im Wesentlichen auf die geringere Nachfrage nach seinen Covid-19-Impfstoffen zurück. Der Nettoverlust erhöhte sich von 802,4 Millionen auf 1,353 Milliarden Euro. Gleichzeitig stiegen die Forschungs- und Entwicklungskosten im Halbjahr von 1,035 Milliarden auf 1,108 Milliarden Euro.

BioNTech verfügte zum Ende des zweiten Quartals zugleich über liquide Mittel, Zahlungsmitteläquivalente und Wertpapieranlagen von insgesamt rund 16,6 Milliarden Euro. Das Unternehmen verfolgt weiterhin das Ziel, sich bis 2030 zu einem Biopharmaunternehmen mit mehreren vermarkteten Produkten zu entwickeln. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Onkologie.

Die Produktionskonsolidierung ist deshalb nicht mit einem generellen Rückzug aus Forschung und Arzneimittelentwicklung gleichzusetzen. Sie betrifft vor allem Kapazitäten, die BioNTech nach eigener Einschätzung künftig nicht vollständig benötigt oder die durch Kapazitäten von Partnern ersetzt werden können. Nach Angaben des Unternehmens sollen die Maßnahmen weder den kommerziellen Bedarf noch klinische Programme oder bestehende vertragliche Verpflichtungen beeinträchtigen.

BioNTech-Aktie zuletzt mit deutlichen Schwankungen

Auch die BioNTech-Aktie bewegte sich zuletzt deutlich. Eine unmittelbare negative Kursreaktion auf die Mitteilung vom Donnerstag lässt sich jedoch anhand des Xetra-Handels nicht feststellen.

Am Handelsplatz Xetra wurde der Titel am Donnerstag, 27. August 2026, mit 97,05 Euro geführt. Das entsprach einem Plus von 1,20 Prozent gegenüber dem vorherigen Schlusskurs. Einen Tag zuvor hatte die Aktie dort bei 95,90 Euro geschlossen und 4,10 Prozent verloren. Die Angaben beziehen sich auf die von Investing.com ausgewiesenen Xetra-Tagesdaten für den 27. August.

Deutlich wird damit vor allem, dass die Aktie gegenwärtig stärkeren Schwankungen unterliegt. Aus einzelnen Tagesbewegungen lässt sich nicht belastbar ableiten, welcher Anteil davon auf die Standortplanung, Geschäftszahlen oder andere Nachrichten zurückzuführen ist.

Für BioNTech geht es in den kommenden Wochen nun vor allem um die praktische Umsetzung der bereits angekündigten Konsolidierung. Bis Ende September will das Unternehmen die möglichen Veräußerungsoptionen für Marburg, Idar-Oberstein, Singapur und die CureVac-Standorte weiter ausloten. Erst konkrete Vereinbarungen würden zeigen, welche Werke tatsächlich geschlossen werden und welche unter einem neuen Eigentümer eine Perspektive erhalten könnten.

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