
Der Bitcoin-Kurs hat seinen Anstieg am Donnerstag, 20. August 2026, fortgesetzt und sich deutlich oberhalb der Marke von 70.000 Dollar etabliert. Gegen 19.42 Uhr MESZ zeigte die Kursübersicht von CoinDesk rund 72.700 Dollar je Bitcoin. Damit lag die größte Kryptowährung auch im europäischen Abendhandel klar im Plus.
Für die Einordnung des Bitcoin-Kursanstiegs am 20. August 2026 ist allerdings entscheidend, zwischen der Bewegung am Donnerstag und dem wesentlich größeren 24-Stunden-Plus zu unterscheiden. Bitcoin wird rund um die Uhr gehandelt und besitzt deshalb keinen weltweit einheitlichen Börsenschluss wie eine Aktie. CoinDesk bezifferte den Anstieg seit 00.00 Uhr UTC am Donnerstag zeitweise auf rund 3,5 Prozent. Das entspricht einem Kursniveau von ungefähr 70.200 Dollar zum Tageswechsel. Auf 24-Stunden-Sicht war das Plus zeitweise erheblich größer, weil ein wesentlicher Teil der Rally bereits am Mittwoch begonnen hatte.
Am Donnerstag setzte sich zunächst die Kaufbewegung fort, die Bitcoin zuvor aus einer mehrwöchigen Handelsspanne geführt hatte. CoinDesk meldete im Tagesverlauf Kurse von mehr als 71.000 Dollar und später mehr als 72.000 Dollar. Reuters ermittelte am Donnerstag um 13.08 Uhr MESZ einen Bitcoin-Kurs von 71.505 Dollar. Zu diesem Zeitpunkt entsprach das einem Tagesplus von 3,48 Prozent.
Eine weitere Reuters-Erhebung sah Bitcoin am Donnerstag bei 71.465,81 Dollar und ebenfalls rund 3,47 Prozent im Plus. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Kryptowährung den höchsten Stand seit Anfang Juni erreicht.
Die Bewegung vom Donnerstag fällt damit kleiner aus als Zahlen von sechs, neun oder zeitweise rund elf Prozent vermuten lassen könnten. Solche Werte beziehen sich auf rollierende 24-Stunden-Zeiträume und umfassen dadurch einen beträchtlichen Teil des starken Kursanstiegs vom Mittwoch. Für den heutigen Handelstag lag das Plus gegenüber dem Tageswechsel um 00.00 Uhr UTC zeitweise bei etwa 3,5 Prozent.
Ein wichtiger Faktor für die Dynamik war die Positionierung am Terminmarkt. Bitcoin hatte sich zuvor rund sechs Wochen überwiegend in einer Spanne zwischen etwa 62.000 und 66.900 Dollar bewegt. Die geringe Schwankungsbreite hatte Marktteilnehmer dazu veranlasst, auf weitere Rückschläge oder ein Scheitern an der Oberseite dieser Spanne zu setzen.
Als Bitcoin diese Zone durchbrach, mussten zahlreiche Short-Positionen geschlossen werden. Dabei kaufen Händler Bitcoin oder entsprechende Derivate zurück, um ihre zuvor auf fallende Kurse ausgerichteten Positionen zu beenden. Solche erzwungenen Käufe können einen bereits laufenden Anstieg zusätzlich beschleunigen.
CoinDesk bezifferte die Liquidation von Short-Positionen im gesamten Kryptomarkt innerhalb von 24 Stunden auf rund drei Milliarden Dollar. Davon entfielen etwa 1,67 Milliarden Dollar auf Bitcoin. Mehr als eine Milliarde Dollar an Short-Positionen wurde demnach innerhalb einer einzigen Stunde liquidiert. Long-Liquidationen lagen im selben Zeitraum mit rund 263,5 Millionen Dollar deutlich niedriger.
Reuters beschrieb die Short-Eindeckungen ebenfalls als einen wesentlichen Verstärker der Rally. Vorausgegangen war eine Phase ungewöhnlich enger Kursschwankungen.
Der zweite wichtige Einfluss kommt aus den Vereinigten Staaten. Das US-Finanzministerium hatte angekündigt, die Größe seiner Rückkäufe länger laufender Staatsanleihen zu verdoppeln. Für Papiere mit Laufzeiten zwischen zehn und 30 Jahren sollen die Rückkäufe mindestens vier Milliarden Dollar je Operation erreichen. Die Ankündigung folgte auf einen kräftigen Ausverkauf am US-Anleihemarkt, durch den die Rendite 30-jähriger Staatsanleihen den höchsten Stand seit 2007 erreicht hatte.
Steigende Anleiherenditen gelten grundsätzlich als Belastung für risikoreichere Anlagen, weil sichere Staatsanleihen dadurch attraktiver werden. Die angekündigten Rückkäufe sorgten zunächst für Entspannung am Anleihemarkt und unterstützten andere Anlageklassen.
Die erste starke Reaktion auf die Treasury-Ankündigung erfolgte bereits am Mittwoch. Am Donnerstag wirkten die Folgen jedoch weiter. Damit ist die Maßnahme ein Hintergrundfaktor für den heutigen Anstieg, nicht ausschließlich ein neues Ereignis des Donnerstags. Reuters berichtete zugleich, dass die Renditen am Donnerstag erneut anzogen. Die Entspannung am Anleihemarkt war somit nicht durchgehend.
Parallel geriet der US-Dollar unter Druck. Der Euro erreichte gegenüber dem Dollar am Donnerstag zeitweise den höchsten Stand seit Mitte Mai. Reuters führte die Dollar-Schwäche unter anderem auf Sorgen über die US-Staatsfinanzen, Inflation und die Wirkung der Anleiherückkäufe zurück. Bitcoin und Gold profitierten in diesem Umfeld von einer verstärkten Nachfrage nach alternativen Anlageformen.
Der Dollar-Index lag im Tagesverlauf bei rund 98,82 Punkten. Ein schwächerer Dollar kann Dollar-notierte Vermögenswerte unterstützen. Die Entwicklung allein erklärt den Bitcoin-Anstieg allerdings nicht. Die außergewöhnlich hohe Zahl geschlossener Short-Positionen zeigt, dass auch technische Marktmechanismen einen erheblichen Anteil an der Bewegung hatten.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt der Kryptomarkt durch Äußerungen von US-Präsident Donald Trump. Er hatte am Mittwoch bei einer Veranstaltung mit Vertretern der Kryptobranche den Kongress aufgefordert, eine Fassung des sogenannten Clarity Act zu verabschieden. Das Gesetz soll die regulatorischen Zuständigkeiten für digitale Vermögenswerte zwischen der US-Börsenaufsicht SEC und der Rohstoffaufsicht CFTC klarer abgrenzen.
Die Äußerungen fielen allerdings erst, nachdem ein großer Teil der ursprünglichen Kursbewegung bereits eingesetzt hatte. Sie können deshalb nicht als alleiniger Auslöser des Anstiegs gelten. CoinDesk ordnete sie als zusätzlichen Impuls ein, der einer bereits laufenden Rally weiteren Auftrieb gab.
Auch Aktien aus der Kryptobranche legten am Donnerstag zu. Reuters zufolge stiegen Coinbase zeitweise um rund sechs Prozent und Strategy um rund vier Prozent. Damit erfasste die positive Bewegung nicht nur Bitcoin selbst, sondern auch börsennotierte Unternehmen mit engem Bezug zum Kryptomarkt.
Mit dem Anstieg über 70.000 Dollar hat Bitcoin zugleich mehrere viel beachtete Kursmarken zurückerobert. CoinDesk bezifferte den 200-Tage-Durchschnitt am Donnerstag auf rund 68.969 Dollar. Bitcoin lag damit deutlich darüber. Auch die durchschnittlichen Einstandskosten kurzfristiger Bitcoin-Halter von rund 67.138 Dollar wurden überschritten.
Solche Marken garantieren keine weitere Kursentwicklung. Sie spielen im kurzfristigen Handel jedoch eine Rolle, weil viele Marktteilnehmer und computergestützte Handelssysteme gleitende Durchschnitte und frühere Widerstandsbereiche beobachten.
Der Donnerstag zeigt damit vor allem eine Fortsetzung und Verstärkung des am Mittwoch begonnenen Ausbruchs. Gegenüber dem Tageswechsel lag Bitcoin am Donnerstag zeitweise rund 3,5 Prozent höher. Die wesentlich größeren 24-Stunden-Werte beinhalten dagegen bereits den vorangegangenen Handelstag. Für die heutige Bewegung waren insbesondere weitere Short-Eindeckungen, die Nachwirkungen der US-Anleihemaßnahmen und der schwächere Dollar relevant. Eine Aussage über die weitere Kursentwicklung lässt sich daraus nicht ableiten.
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