
Der Bitcoin-Kurs unter 77.000 US-Dollar hat in der Nacht zum Samstag erneut die Nervosität am Kryptomarkt sichtbar gemacht. Auf Binance fiel die größte Kryptowährung zeitweise auf 76.991,63 US-Dollar. Dieser Stand wurde für Samstag, 12. September, 3.52 Uhr koreanischer Zeit gemeldet, entsprechend Freitagabend europäischer Zeit. Am Samstagmorgen hatte sich Bitcoin bereits wieder erholt. CoinMarketCap zeigte gegen 8.05 Uhr MESZ einen Kurs von rund 77.250 US-Dollar. Damit lag Bitcoin innerhalb von 24 Stunden leicht im Plus.
Die Bewegung unter 77.000 Dollar war damit zunächst kein neuer größerer Kurssturz, sondern ein kurzfristiger Rückfall innerhalb einer seit Tagen schwankungsreichen Marktphase. Bereits am 10. September hatte Bitcoin die Marke unterschritten. CoinMarketCap weist für diesen Tag einen Schlussstand von 76.568 Dollar um 0.00 Uhr UTC aus. Anfang der Woche hatte der Kurs noch oberhalb von 80.000 Dollar gelegen. Am 6. September lag der entsprechende Tageswert bei rund 80.350 Dollar.
Ein wesentlicher Hintergrund für die erhöhte Unsicherheit an den Finanzmärkten ist die Entwicklung der US-Zinsen. Die Verbraucherpreise in den Vereinigten Staaten stiegen im August um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat und um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit erhöhten sich die Erwartungen, dass die US-Notenbank Federal Reserve bei ihrer nächsten Sitzung den Leitzins anheben könnte. Am Freitag wurde an den Terminmärkten eine Wahrscheinlichkeit von knapp 90 Prozent für eine Zinserhöhung eingepreist.
Für Kryptowährungen ist diese Entwicklung relevant, weil höhere Zinsen sichere verzinste Anlagen attraktiver machen können. Gleichzeitig steigen die Finanzierungskosten an den Kapitalmärkten. Bitcoin reagiert zwar nicht immer unmittelbar oder in gleicher Richtung auf Veränderungen der Geldpolitik, hat sich in Phasen steigender Marktzinsen aber wiederholt ähnlich wie andere risikoreiche Anlageklassen bewegt.
Auch die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bleibt auf einem hohen Niveau. Sie erreichte am Freitag zeitweise 4,979 Prozent und näherte sich damit der Marke von fünf Prozent. Später ging sie auf rund 4,93 Prozent zurück. Der Anstieg der langfristigen Zinsen hatte in den vergangenen Tagen nicht nur Kryptowährungen, sondern auch andere Teile der Finanzmärkte beschäftigt.
Zusätzlichen Gegenwind lieferten zuletzt die US-amerikanischen Bitcoin-Spot-ETFs. Daten von Farside Investors zeigen für den 8. September Nettoabflüsse von 46,6 Millionen US-Dollar. Am 9. September folgten 120,2 Millionen Dollar, am 10. September weitere 282,7 Millionen Dollar. Zusammengenommen ergaben sich damit innerhalb dieser drei Handelstage Nettoabflüsse von rund 449,5 Millionen Dollar.
Die Zahlen zeigen eine deutliche Veränderung gegenüber einigen Tagen zuvor. Am 3. September waren noch Nettozuflüsse von rund 730,8 Millionen Dollar registriert worden, am 4. September weitere 174,6 Millionen Dollar. Die ETF-Ströme schwanken allerdings stark von Tag zu Tag und erlauben allein keine zuverlässige Aussage über die weitere Kursentwicklung von Bitcoin.
Seit der Zulassung börsengehandelter Bitcoin-Spot-Produkte in den USA sind deren Kapitalbewegungen zu einem wichtigen Faktor für den Kryptomarkt geworden. Sie ermöglichen institutionellen und privaten Anlegern ein Engagement in Bitcoin über regulierte Wertpapierprodukte, ohne die Kryptowährung unmittelbar halten zu müssen.
Der Kryptomarkt entwickelte sich am Samstagmorgen nicht einheitlich. Ethereum lag laut CoinMarketCap gegen 8.05 Uhr MESZ bei rund 2.514 US-Dollar und damit etwa 2,5 Prozent höher als 24 Stunden zuvor. Der Kurs hatte am 10. September noch bei rund 2.437 Dollar gelegen.
Auch Solana konnte sich von den jüngsten Verlusten erholen. CoinMarketCap zeigte am Samstagmorgen einen Kurs von rund 102 US-Dollar. Innerhalb von 24 Stunden lag die Kryptowährung damit etwa zwei Prozent im Plus. XRP bewegte sich bei rund 1,35 bis 1,36 Dollar und zeigte ebenfalls keine vergleichbar starke Abwärtsbewegung.
Damit war der kurze Rückgang von Bitcoin unter 77.000 Dollar am Samstag nicht mit einem flächendeckenden Ausverkauf sämtlicher großer Kryptowährungen verbunden. Insbesondere Ethereum hatte sich zuvor deutlich erholt und gegenüber Bitcoin an relativer Stärke gewonnen. Das Verhältnis von Ethereum zu Bitcoin lag am Samstag bei rund 0,0325 Bitcoin je Ether und damit höher als noch zu Beginn der Woche.
Für die kommenden Handelstage dürfte die Geldpolitik der US-Notenbank ein wichtiger Einflussfaktor bleiben. Die Kombination aus erhöhter Inflation, hohen Ölpreisen und gestiegenen Anleiherenditen hat die Erwartungen an die Fed deutlich verändert. Brent-Rohöl lag am Freitag trotz eines Tagesrückgangs noch oberhalb von 104 Dollar je Barrel und damit rund neun Prozent höher als eine Woche zuvor.
Gleichzeitig zeigten sich die US-Aktienmärkte am Freitag wieder fester. Der S&P 500 gewann 0,86 Prozent, der Nasdaq 0,96 Prozent und der Dow Jones 0,98 Prozent. Über die gesamte Woche blieben S&P 500 und Nasdaq jedoch im Minus. Das spricht gegen die Einordnung der jüngsten Bitcoin-Bewegung als isoliertes Ereignis. Mehrere Anlageklassen reagieren derzeit auf Veränderungen bei Inflation, Energiepreisen und Zinserwartungen.
Der Bitcoin-Kurs unter 77.000 US-Dollar blieb am Samstag zunächst nur eine kurzfristige Bewegung. Entscheidend für die weitere Entwicklung sind neben den Kapitalströmen in Bitcoin-ETFs vor allem die Reaktion der internationalen Finanzmärkte auf die nächste Entscheidung der Federal Reserve und die Entwicklung der langfristigen Anleiherenditen. Eine verlässliche Kursprognose lässt sich daraus nicht ableiten.
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