Digitale Behörden: Drei Viertel der Unternehmen sehen Standortnachteil

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Grzegorz Walczak

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Die Verwaltungsdigitalisierung in Deutschland bleibt aus Sicht vieler Unternehmen weit hinter den Anforderungen der Wirtschaft zurück. Nach einer am Montag, 12. Oktober 2026, veröffentlichten Bitkom-Umfrage betrachten 75 Prozent der befragten Betriebe die mangelnde Digitalisierung ihrer zuständigen Behörden als internationalen Standortnachteil. Besonders auffällig ist die geringe Zahl vollständig digitaler Kommunikationswege: Nur zwei Prozent der Unternehmen können ausschließlich digital mit der Verwaltung kommunizieren.

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Nur zwei Prozent kommunizieren ausschließlich digital mit Behörden

Die Ergebnisse zeigen, wie stark digitale und analoge Verfahren im Behördenalltag weiterhin miteinander verbunden sind. Bei 60 Prozent der befragten Unternehmen bieten die zuständigen Behörden digitale und analoge Kommunikationswege ungefähr zu gleichen Teilen an. Weitere 33 Prozent können zumindest überwiegend digitale Angebote nutzen, beispielsweise E-Mails oder Verwaltungsportale. Lediglich zwei Prozent haben ausschließlich digitale Kommunikationsmöglichkeiten. Ebenfalls zwei Prozent sind überwiegend auf Briefe oder Fax angewiesen.

Für Unternehmen bedeutet der Wechsel zwischen unterschiedlichen Kommunikationswegen zusätzlichen organisatorischen Aufwand. Besonders problematisch wird dies, wenn bereits elektronisch übermittelte Informationen erneut eingereicht werden müssen oder ein digital begonnener Vorgang anschließend Unterlagen auf Papier erfordert.

Unternehmen kritisieren Wartezeiten und doppelte Dateneingaben

Die fehlende Digitalisierung ist allerdings nicht das einzige Problem. Jeweils 57 Prozent der Unternehmen bezeichnen lange Wartezeiten auf Behördentermine sowie umfangreiche Dokumentationspflichten als große Schwierigkeiten. 52 Prozent bemängeln lange Bearbeitungszeiten.

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Hinzu kommen technische Hindernisse. 43 Prozent kritisieren, dass sie identische Informationen mehrfach übermitteln müssen. Bei 42 Prozent fehlt die Verbindung zwischen der eigenen Unternehmenssoftware und digitalen Verwaltungsplattformen. Weitere 39 Prozent sehen fehlende vollständig digitale Verwaltungsleistungen als großes Problem. Ein Drittel beklagt weiterhin vorgeschriebene Papierunterlagen.

Die Auswirkungen reichen nach Einschätzung der Unternehmen bis in die eigenen Digitalisierungsprozesse. Insgesamt 62 Prozent sehen bürokratische Anforderungen als Hindernis für die Digitalisierung ihres Betriebs. Bei Unternehmen mit mindestens 500 Beschäftigten liegt dieser Anteil sogar bei 71 Prozent.

Deutsche Behörden erhalten im Durchschnitt die Schulnote 3,9

Die allgemeine Bewertung fällt entsprechend zurückhaltend aus. Auf einer Schulnotenskala von eins bis sechs erreicht die Digitalisierung deutscher Behörden in der Bitkom-Umfrage durchschnittlich 3,9 und damit nur knapp die Bewertung ausreichend.

Rund 25 Prozent der Unternehmen vergeben die Note mangelhaft oder ungenügend. Weitere 35 Prozent bewerten die Verwaltungsdigitalisierung mit ausreichend. Mindestens die Note befriedigend vergeben 37 Prozent, darunter fünf Prozent mit der Bewertung gut. Zugleich verlangen 84 Prozent der befragten Unternehmen, dass die Politik der Verwaltungsdigitalisierung eine höhere Priorität einräumt.

Bitkom fordert digitale Verwaltungsverfahren ohne Papierwechsel

Der Digitalverband verlangt vor allem eine durchgängige Digitalisierung behördlicher Abläufe. Anträge sollen nicht nur elektronisch eingereicht, sondern auch ohne unnötige Wechsel zwischen digitalen und analogen Verfahren bearbeitet werden können.

Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst verweist dabei auf die laufende Registermodernisierung und den geplanten Deutschland-Stack als gemeinsame digitale Infrastruktur. Besonders wichtig sei außerdem eine europäische digitale Unternehmensbrieftasche. Eine solche European Business Wallet soll es Unternehmen ermöglichen, sich digital gegenüber Behörden auszuweisen und Dokumente sowie Nachweise sicher bereitzustellen, ohne dieselben Informationen wiederholt einreichen zu müssen. An den technischen Grundlagen einer solchen Lösung arbeitet auch die Europäische Kommission.

Bundesregierung sieht Fortschritte bei der Staatsmodernisierung

Die Bundesregierung arbeitet unterdessen an einer umfassenden Modernisierung der Verwaltung. Erst am 7. Oktober 2026 hatte das Bundeskabinett einen Bericht zur Umsetzung seiner Modernisierungsagenda vorgelegt.

Demnach sind sieben der insgesamt 80 Maßnahmen abgeschlossen, 62 befinden sich in der Umsetzung und elf in Vorbereitung. Von 23 besonders wichtigen Projekten sind bislang fünf abgeschlossen. Zu den Vorhaben gehört auch eine vereinfachte Unternehmensgründung. Künftig sollen Gewerbeanmeldung und steuerliche Erfassung über einen gemeinsamen digitalen Prozess abgewickelt werden können.

Der Ausbau digitaler Verwaltungsleistungen ist bereits seit Jahren gesetzlich vorgesehen. Das Onlinezugangsgesetz von 2017 verpflichtete Bund und Länder zur Digitalisierung ihrer Verwaltungsangebote. Das ursprüngliche Ziel, die vorgesehenen Leistungen bis Ende 2022 online bereitzustellen, wurde jedoch nicht vollständig erreicht.

Auch EU-Kommission sieht Defizite in Deutschland

Die Probleme beschränken sich nicht auf die Einschätzung der befragten Unternehmen. Im Länderbericht zur Digitalen Dekade 2026 stellt die Europäische Kommission ebenfalls Defizite bei der Verfügbarkeit und Nutzung digitaler Verwaltungsleistungen in Deutschland fest.

Als wesentliche Hindernisse nennt sie unter anderem technische und organisatorische Schwierigkeiten sowie die Aufteilung von Zuständigkeiten zwischen verschiedenen staatlichen Ebenen. Die Kommission empfiehlt deshalb, digitale Verwaltungsangebote schneller auszubauen, ihre technische Zusammenarbeit zu verbessern und elektronische Identitätsnachweise stärker zu verbreiten.

Damit steht Deutschland vor einer doppelten Aufgabe: Bereits bestehende digitale Verwaltungsangebote müssen breiter verfügbar werden, während gleichzeitig die Abläufe innerhalb der Behörden stärker miteinander verbunden werden sollen. Die aktuelle Bitkom-Umfrage verdeutlicht, dass viele Unternehmen diese Fortschritte in ihrem bisherigen Kontakt mit staatlichen Stellen noch nicht ausreichend wahrnehmen.

Die Untersuchung basiert auf telefonischen Interviews mit 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland. Die Befragung fand zwischen Ende August und Ende September 2026 statt und ist nach Angaben von Bitkom repräsentativ für diese Unternehmensgruppe.

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu