
Das Bundeskriminalamt hat am Montag die bundesweite Kampagne „Spurlos Verschwunden“ gestartet. Anlass ist der internationale Tag der vermissten Kinder am 25. Mai. Ziel der Kampagne ist es, die Aufmerksamkeit auf ungeklärte Vermisstenfälle zu erhöhen und neue Hinweise aus der Bevölkerung zu bekommen. Im Mittelpunkt stehen sechs Kinder und Jugendliche, die in Deutschland seit Jahren oder Jahrzehnten vermisst werden.
Das BKA nennt in der Kampagne die Fälle Sven Hollstein, Sandra Wißmann, Katrin Konert, Inga Gehricke sowie Frieda und Alfons Schulz. Sie verschwanden zwischen 1985 und 2021. Die Fälle stehen nach Angaben der Behörde exemplarisch für weitere ungeklärte Vermisstenfälle in Deutschland. Entscheidend ist der öffentliche Hinweisaufruf.
Nach Angaben des Bundeskriminalamts wurden im Jahr 2025 rund 108.900 Vermisstenfälle von Kindern und Jugendlichen polizeilich registriert. Die große Mehrheit kehrt nach kurzer Zeit zurück. Gleichzeitig bleiben einzelne Fälle über lange Zeit ungeklärt, was die neue Kampagne sichtbar machen soll.
Zum Stichtag 1. Mai 2026 waren bundesweit 1.933 Kinder bis einschließlich 13 Jahre als vermisst gemeldet. Ein Jahr zuvor waren es 1.810 offene Fälle. Für das Jahr 2025 registrierte die Polizei 19.253 Vermisstenfälle von Kindern, davon wurden 18.509 erledigt. Das entspricht einer Aufklärungsquote von 96,5 Prozent. Wenn das Bundeskriminalamt vermisste Kinder in den Fokus rückt, geschieht das mit Blick auf jene Fälle, die nach Monaten oder Jahren offen bleiben.
Die polizeilichen Zahlen zeigen zugleich, dass Vermisstenmeldungen nicht automatisch auf ein Verbrechen hindeuten. Nach BKA-Angaben klären sich etwa 96 Prozent der Fälle innerhalb von drei Monaten. Häufig geht es um familiäre Konflikte, Entziehungen aus dem gewohnten Umfeld, wiederholtes Weglaufen oder unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Nur bei einem sehr kleinen Teil der Fälle besteht der Verdacht auf ein Unglück oder eine Straftat.
Der Tag der vermissten Kinder geht auf die USA zurück. Dort wurde der 25. Mai im Jahr 1983 als Gedenktag eingeführt. International soll der Tag daran erinnern, dass Vermisstenfälle nicht nur polizeiliche Vorgänge sind, sondern auch Familien und ganze soziale Umfelder dauerhaft belasten können. In Deutschland nutzt das BKA den Tag nun, um offene Fälle erneut in die Öffentlichkeit zu bringen.
Das BKA verweist für die Kampagne auf eine eigene Informationsseite mit Details zu den Vermisstenfällen und Möglichkeiten zur Hinweisabgabe. Rückfragen zu einzelnen Fällen liegen bei den jeweils zuständigen Landespolizeien. Die bundesweite Kampagne setzt vor allem auf Wiedererkennung, Reichweite und konkrete Hinweise aus der Bevölkerung.
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