Blaualgen breiten sich an der Ostsee aus: Wo jetzt gewarnt wird

Ein Schild zeigt Warnung
Symbolbild mit KI erstellt

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Blaualgen an der Ostsee sorgen Mitte August an mehreren Küstenabschnitten und Badeseen im Norden Deutschlands für Warnungen. Satellitenaufnahmen zeigen großflächige Ansammlungen von Cyanobakterien zwischen der Küste Mecklenburg-Vorpommerns, Hiddensee und weiten Teilen der Ostsee bis in Richtung Dänemark. Gleichzeitig haben Gesundheitsbehörden an mehreren konkreten Badestellen erhöhte Konzentrationen festgestellt. In Schleswig-Holstein gelten an mehreren Seen Badeverbote, an zahlreichen Ostseestränden bestehen Badewarnungen.

Warnungen von Warnemünde bis Boltenhagen

Besonders umfangreich sind die aktuellen Hinweise in Mecklenburg-Vorpommern. Erhöhte Mengen an Cyanobakterien wurden unter anderem an Ostseebadestellen in Nienhagen, Kühlungsborn, Heiligendamm und Elmenhorst festgestellt. Auch die Wohlenberger Wiek sowie mehrere Strandabschnitte in Boltenhagen sind betroffen. Für Warnemünde hatte das Rostocker Gesundheitsamt bereits zuvor zur Vorsicht geraten. Untersuchungen bestätigten dort auch das Vorkommen toxinbildender Cyanobakterien. Ein generelles Badeverbot für die Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns besteht deshalb jedoch nicht.

Die sichtbaren Ansammlungen können sich kurzfristig verlagern. Wind, Strömung und Wetter entscheiden darüber, ob sich Cyanobakterien vor einem Strand konzentrieren oder wieder auflösen. Deshalb kann ein Küstenabschnitt morgens noch deutlich belastet erscheinen und wenige Stunden später wesentlich unauffälliger sein. Umgekehrt können Teppiche oder Schlieren auch neu an die Küste gedrückt werden.

Schleswig-Holstein warnt an zahlreichen Ostseestränden

In Schleswig-Holstein galten am Sonntag Badewarnungen für zahlreiche Ostseebadestellen. Dazu zählen Haffkrug, Sierksdorf, Bliesdorf, Rettin, Pelzerhaken, Kiebitzberg bei Neustadt, Ostermade, Süssau, Dahme, Grömitz, Lenste und Kellenhusen. Die aktuellen Warnzeiträume reichen nach Angaben des Landes überwiegend bis zum 17. August.

Deutlich strenger sind die Maßnahmen an mehreren Binnengewässern. Wegen erhöhter Blaualgenbelastung bestehen Badeverbote unter anderem am Bordesholmer See, am Brahmsee, am Warder See und am Dörpsee. Auch für eine Badestelle am Küchensee in Ratzeburg ist ein Badeverbot ausgewiesen. Die vorgesehenen Zeiträume reichen dort je nach Gewässer bis zum 19. oder 20. August. Am Bossee besteht eine Badewarnung bis voraussichtlich 21. August.

Auch Flüsse und Seen in Mecklenburg-Vorpommern betroffen

Die aktuelle Entwicklung beschränkt sich nicht auf die offene Ostsee. Das Land Mecklenburg-Vorpommern führt Warnhinweise unter anderem für den Peenestrom sowie für den Melzer See, den Obersee bei Blankensee, den Wanzkaer See und weitere Binnengewässer. Am Melzer See wurde ein verstärktes Vorkommen von Cyanobakterien festgestellt. Am Peenestrom besteht bereits seit Juli ein Warnhinweis wegen einer starken Entwicklung der Bakterien.

Für einzelne Seen gelten unabhängig von Blaualgen weitere Einschränkungen. So besteht am Schwandter See ein Badeverbot aufgrund unzureichender mikrobiologischer Wasserqualität. Das ist von den aktuellen Cyanobakterienwarnungen zu unterscheiden. Nicht jedes Badeverbot in der Region hat derzeit Blaualgen als Ursache.

Blaualgen sind eigentlich Bakterien

Der Begriff Blaualgen ist biologisch irreführend. Es handelt sich um Cyanobakterien. Sie gehören zu den Bakterien, können aber wie Pflanzen Photosynthese betreiben. Cyanobakterien kommen natürlicherweise in Süßwasser und Meerwasser vor. Problematisch werden sie vor allem dann, wenn sie sich massenhaft vermehren und sogenannte Blüten bilden.

Ein Teil der Arten kann Giftstoffe produzieren. Allerdings bedeutet das bloße Auftreten von Cyanobakterien noch nicht automatisch, dass gefährliche Toxinkonzentrationen vorhanden sind. Besonders hohe Konzentrationen können entstehen, wenn Wind die Organismen zu dichten Oberflächenteppichen oder Ansammlungen am Ufer zusammenschiebt.

Welche Beschwerden Blaualgen auslösen können

Beim Hautkontakt können bei empfindlichen Menschen Hautreizungen, Schleimhautreizungen oder Quaddeln auftreten. Werden größere Mengen belasteten Wassers verschluckt, sind unter anderem Übelkeit, Erbrechen und Durchfall möglich. Behörden nennen außerdem Atembeschwerden als mögliches Symptom. Besonders aufmerksam sollten Eltern bei kleinen Kindern sein, weil diese beim Spielen im flachen Wasser leichter Wasser oder angeschwemmtes Material aufnehmen.

Das Umweltbundesamt weist zugleich darauf hin, dass schwere Vergiftungen von Menschen durch Cyanobakterientoxine beim Baden sehr selten dokumentiert sind. Das Risiko steigt vor allem dort, wo Cyanobakterien in dichten Teppichen stark konzentriert auftreten und größere Mengen Wasser aufgenommen werden.

Für Hunde kann belastetes Wasser besonders gefährlich sein

Hunde sollten von sichtbar belasteten Gewässerbereichen ferngehalten werden. Sie können Cyanobakterien nicht nur beim Trinken aufnehmen, sondern auch beim Schwimmen und später beim Ablecken des Fells. Auch angeschwemmte oder abgelöste Cyanobakterienmatten können problematisch sein. Tiere reagieren teilweise sehr empfindlich auf Cyanobakterientoxine. Vergiftungen können bei hoher Aufnahme tödlich verlaufen.

Die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern raten deshalb ausdrücklich dazu, Hunde an betroffenen Gewässern kein Wasser trinken zu lassen. Das gilt besonders dort, wo sichtbare Schlieren, Teppiche oder starke Verfärbungen auftreten.

So lässt sich eine starke Belastung erkennen

Cyanobakterien können das Wasser blaugrün, grünlich oder teilweise auch andersfarbig trüben. Typisch sind Schlieren auf der Oberfläche, wolkenartige Verteilungen im Wasser oder zusammenhängende Teppiche am Ufer. Einzelne Cyanobakterien sind dagegen mit bloßem Auge nicht sichtbar.

Eine einfache Orientierung bietet die Sichttiefe. Wer langsam bis etwa kniehoch ins Wasser geht, ohne den Grund aufzuwirbeln, und wegen der grünlichen Trübung die eigenen Füße nicht mehr erkennen kann, sollte auf das Baden verzichten. Diese Faustregel wird auch von Gesundheitsbehörden und dem Umweltbundesamt empfohlen. Kinder sollten in solchen Bereichen weder planschen noch mit angeschwemmtem Material spielen.

Wärme und Nährstoffe fördern die Massenentwicklung

Hohe Temperaturen, intensive Sonneneinstrahlung und ein großes Angebot an Nährstoffen begünstigen Cyanobakterienblüten. Besonders Stickstoff und Phosphor spielen dabei eine Rolle. Nährstoffe gelangen unter anderem über Flüsse, Abwasser, landwirtschaftliche Flächen und atmosphärische Einträge in die Ostsee. Auch Dünger aus der Landwirtschaft kann damit mittelbar zur Nährstoffbelastung beitragen.

Die Ostsee ist seit Jahrzehnten stark von Überdüngung, der sogenannten Eutrophierung, betroffen. Die internationale Ostseeschutzkommission HELCOM führt überschüssige Stickstoff- und Phosphoreinträge als eine zentrale Ursache für verstärktes Algenwachstum und Cyanobakterienblüten an. Die aktuelle Blüte lässt sich deshalb nicht auf einen einzelnen Eintrag oder ein einzelnes Ereignis zurückführen.

Wie lange die Blaualgenlage anhalten kann

Ein festes Ende der aktuellen Entwicklung lässt sich nicht angeben. Cyanobakterienteppiche können durch wechselnden Wind innerhalb von Stunden von einem Strand verschwinden oder an anderer Stelle auftauchen. Eine gesamte Blüte kann innerhalb weniger Tage abklingen, bei weiterhin günstigen Bedingungen aber auch mehrere Wochen bestehen bleiben.

Entscheidend sind neben den verfügbaren Nährstoffen vor allem Wassertemperatur, Sonneneinstrahlung, Wind und Strömung. Deshalb sollten Badegäste nicht allein auf Meldungen vom Vortag vertrauen, sondern auch die aktuelle Situation direkt am Strand prüfen und örtliche Warnschilder oder Hinweise der Gesundheitsämter beachten.

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